Katharina und Thomas Logemann am Start

Rallye „Baltic Sea Circle“: Als „Silver-Dream“ um die Ostsee

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Die Aschenstedter Katharina und Thomas Logemann fahren bei der Rallye „Baltic Sea Circle“ mit.

Aschenstedt - Es ist ein wilder Ritt um die Ostsee – eine Strecke von etwa 7 500 Kilometern, die Katharina und Thomas Logemann aus Aschenstedt innerhalb von 16 Tagen zurücklegen wollen. In einem 27 Jahre alten Volvo 240 Kombi starten sie am Samstag bei der Rallye „Baltic Sea Circle“ – zusammen mit rund 250 weiteren Teams. Zehn Länder gilt es zu durchqueren. Navi, GPS und Autobahn sind tabu, dafür erwarten die Teilnehmer jede Menge Abenteuer und Natur.

Kurz vor der Abfahrt zum Startpunkt in Hamburg ist Katharina Logemann einigermaßen gelassen. Die 46-Jährige hat in den vergangenen Tagen noch einige Dinge geregelt, fleißig gepackt und Essen eingekocht. „Gulasch und Königsberger Klopse gehen mit auf die Reise“, sagt sie. Denn übernachten möchte das Paar während der Rallye hauptsächlich im Autodachzelt. „Auf freien Plätzen ohne Strom, dafür mit Lagerfeuer“, ergänzt die pädagogische Mitarbeiterin und Gruppenleiterin in einer Förderschule. Nur im russischen Sankt Petersburg möchten sich die Aschenstedter ein Hotel gönnen.

Während Katharina Logemann ganz entspannt an ihrem Küchentisch sitzt und von den Teilnahmebedingungen der Rallye berichtet, wirkt ihr Mann durchaus hibbelig. „Ich bin echt aufgeregt“, bestätigt der 50-Jährige. „Ich war vor einem Urlaub noch nie so aufgeregt.“ Die Rallye an sich sei schon ein Abenteuer, die Strecke mit so einem alten Auto zurückzulegen, dessen Tacho irgendwann mal bei 318 524 Kilometern stehen geblieben ist, ein Unterfangen. „Es darf jetzt bloß nichts kaputt gehen“, sagt er – wohlwissend, dass der Motor im kalten Zustand aufgrund eines Kolbenkippers ordentlich klappert. Kurz hatte er überlegt, den Motor noch auszutauschen, den Gedanken dann aber verworfen.

Vier Wochen Hardcore-Camping in Schweden

Rallyeerprobt sind Logemanns nicht. „Wir haben aber schon vier Wochen Hardcore-Camping in Schweden hinter uns. Das war 2013 zusammen mit unseren drei Kindern“, erzählen sie. Bei einem Treffen in Sankt Peter-Ording haben die Aschenstedter zudem schon andere Teams kennengelernt, und auch das Dachzelt ist bereits getestet. Ursprünglich wollten die beiden während der Tour im Auto schlafen. Deshalb hatten sie sich bei ihrer Suche nach einem geeigneten Rallyeauto nach einem Kombi umgeschaut. Den Volvo fanden sie in Groß Ippener – ohne TÜV-Plakette, dafür mit viel Rost. Thomas Logemann machte sich an die Arbeit, tauschte unter anderem Stoßdämpfer, Bremsen und Achslager aus. „Zudem musste ich sehr viel schweißen“, berichtet der Kfz-Mechanikermeister, der aber als Haustechniker in einer Einrichtung für Menschen mit Einschränkung arbeitet. Da das Paar täglich etwa zehn Stunden im Auto verbringen wird, baute der 50-Jährige auch bequeme Sitze ein. Der Volvo erhielt TÜV. „Ich fahre ihn nun schon seit rund einem Jahr“, sagt Thomas Logemann. Die Idee mit dem Dachzelt kam seiner Frau schließlich aus praktischen Gründen. So müsse nichts hin- und hergeräumt werden. „Ich habe keine Lust auf Wühlerei“, so die 46-Jährige.

Ein paar Tipps für den „Baltic Sea Circle“ holte sich das Paar von einem Bekannten, der schon einmal dabei war. Ansonsten setzen sie auf ihren Abenteuersinn und die Gemeinschaft. „Bei so vielen Teams wird man immer den einen oder anderen treffen“, denkt Thomas Logemann. Zudem seien viele Schrauber dabei, die – wenn es nötig ist – helfen könnten. „Die Straßen werden schon Material rauben“, vermutet er aufgrund der Fahrbahneschreibung der Veranstalter: Von asphaltierten Straßen über Schotterpisten und Gletscherpässen bis hin zum russischen Slalom-Schlagloch-Roulette sei alles dabei.

Spenden für den guten Zweck

Nach einer Vorparty am Freitag in Hamburg fällt am Samstag der Startschuss. Die Teams erhalten ein „Roadbook“, vollgepackt mit Etappenvorschlägen sowie Aufgaben, und machen sich über Fehmarn auf den Weg nach Skandinavien. Es geht durch Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland zum Nordkap. Am Polarkreis kommen am 21. Juni alle Teams zur Mittsommerparty zusammen und baden traditionell im vier Grad Celsius kalten Polarmeer. Katharina Logemann möchte mit ihrem damaligen Brautkleid in das eisige Nass steigen. „Schließlich hatten wir letztes Jahr silberne Hochzeit“, berichtet sie. Ihr Mann winkt sofort ab. „Ich passe in meinen Anzug nicht mehr hinein“, meint er. Der 25. Hochzeitstag war auch Ideengeber für den Teamnamen. Als „Silver- Dream“ wollen die Aschenstedter über Russland, die baltischen Staaten und Polen ihr Ziel, den Hamburger Fischmarkt, erreichen. „Es geht einfach nur darum, es zu schaffen“, betonen sie.

So ganz stimmt das nicht. Denn die Rallyeteilnehmer fahren auch für einen guten Zweck. Jedes Team verpflichtet sich, mindestens 750 Euro für ein Charity-Projekt zu sammeln. Die Aschenstedter haben sich dafür entschieden, den Verein „Lebensbrücke – Gegen Kinderarmut in Deutschland“ bei seiner Aktion „Kostenloses Frühstück für arme Kinder“ zu unterstützen. Mehr als 1300 Euro haben Logemanns schon zusammen, weshalb sie sich die 2000 Euro als neues Ziel gesetzt haben. „Die meisten Spenden kamen aus unserem Bekanntenkreis“, erzählt Katharina Logemann. Enttäuscht sind sie und ihr Mann von den hiesigen Unternehmen. „Wir hatten über 30 angeschrieben, und die meisten haben nicht einmal reagiert.“ Noch ist es aber nicht zu spät. Bis zum Rallyeende werden Spenden angenommen.

Informationen und Spenden unter www.silver-dream.de

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