Meike Stueber und Ralf Osterloh ziehen in Klattenhof „Hähnchen mit Stern auf“

Sie setzen auf „Beter Leven“

Ziehen seit 2018 „Hähnchen mit Stern“ auf: Meike Stueber und Ralf Osterloh.
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Ziehen seit 2018 „Hähnchen mit Stern“ auf: Meike Stueber und Ralf Osterloh.

Klattenhof – Kalt dürfte den heute 51 Tage alten gefiederten Tierchen nicht sein, schließlich herrscht in dem knapp 2 800 Quadratmeter großen Stall eine Temperatur von 19,5 Grad. Meike Stueber und Ralf Osterloh ziehen seit 2018 „Hähnchen mit Stern“ in Klattenhof auf. Das Paar hält sich dabei an die aus den Niederlanden stammende Haltungsform „Beter Leven 1 Ster“.

2014 fing alles an. „Als ich hierherkam, stellten wir uns die Frage: Was können und was wollen wir machen?“, berichtet Stueber, die vor neun Jahren von Hamburg in die Gemeinde Dötlingen zog. Zu der Zeit betrieb Osterloh bereits eine Schweinemast mit 560 Mastplätzen.

Da Stueber sich auch gern in die Landwirtschaft mit einbringen wollte, kam der Gedanke einer Hähnchenmast auf. „Wir haben uns dann verschiedene Betriebe in Deutschland und Holland angeschaut und uns dazu entschieden, an dem ,Beter-Leven-Programm‘ teilzunehmen.“

Erste Einstallung erfolgte 2018

Der Bau des Stalls sei durch das Agrarinvestitionsförderungsprogramm möglich gewesen, so Stueber. Nach der Fertigstellung folgte im November 2018 die erste Einstallung. „Es hat vier Jahre gedauert, bis wir die Genehmigung für den Betrieb hatten“, erinnert sich die 47-Jährige.

Aber was heißt „Beter Leven“ denn nun eigentlich? Um es kurz und knapp zu sagen: Die Tiere haben doppelt so viel Platz, leben länger und bekommen keine präventive Medikation – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Bei dieser Haltungsform müssen Osterloh und Stueber aber einige Kriterien erfüllen: Es leben maximal zehn Tiere auf einem Quadratmeter (konventionell sind es bis zu 20). „Die Vögel sind mindestens 56 Tage bei uns. Bei der klassischen Mast sind es 31 bis 42 Tage“, erklärt Osterloh. Das Zielgewicht betrage 2,3 bis 2,5 Kilo.

Die Küken sind sechs und zwölf Stunden alt, wenn sie aus Holland in Klattenhof ankommen. Zwischen 27 600 und 28 000 Tiere werden eingestallt. Um sicherzugehen, dass das Paar diese Kriterien auch einhält, gibt es strenge Kontrollen. „Das wird sehr kurzfristig angekündigt. Dann kommt jemand aus Holland. Jeder Zettel und der gesamte Stall werden angeschaut.“, schildert Stueber.

Küken kommen aus Holland

Etwa zwölf Stunden alt: die Küken.

In Holland sei diese Haltungsform wesentlich verbreiteter, erzählen die beiden, die die Tiere an eine Schlachterei nach Holland liefern. Und wieso dorthin? An deutsche Schlachtereien dürften sie nicht verkaufen, so Stueber. „Wir bekommen die Tiere aus Holland und wir mästen sie für den holländischen Markt. Das ist vertraglich so geregelt. Da es in Holland nicht genügend Kapazitäten gibt, wurden wir gefragt, ob wir für diesen Markt mit aufziehen wollen“, erklärt sie. Bis 2022 seien sie noch vertraglich gebunden. „Danach läuft der Vertrag aus und dann schauen wir mal, was wir machen.“

Angrenzend an den Stall befindet sich übrigens ein Wintergarten, der nicht beheizt ist. „Ab Tag 21 dürfen die Tiere da hinein“, sagt Stueber. Die Tiere, die einer langsam wachsenden Rasse angehören, hätten ab dem Zeitpunkt nämlich ein ausreichend dickes Gefieder. „Wenn sie Hunger und Durst haben, gehen sie rein und wenn sie ins Stroh wollen, können sie raus“, beschreibt sie.

Durch den Wintergarten erhalten die Tiere Außenklimareize und bekommen Tageslicht. „Eine weitere Vorschrift ist, dass ab dem 16. Lebenstag noch zusätzlich Weizen im Stall ausgestreut wird. So wird das natürliche Pickverhalten der Tiere gefördert“, erklärt die 47-Jährige. Zudem müssen die Landwirte darauf achten, dass genug Strohballen im Stall liegen. Vorgeschrieben sei mindestens einer je 1 000 Tiere.

Paar legt Wert auf Transparenz

Besucher dürfen sich übrigens auch ein Bild machen: Sie haben die Möglichkeit, von einem Nebenraum aus in den Stall zu schauen. Insbesondere Kinder könnten so sehen, wie die Tiere leben, wo das Hähnchen herkommt und wie so ein Stall aussieht. Das Paar legt viel Wert auf Transparenz – auch in den sozialen Medien. So veröffentlicht es unter anderem auf Instagram Fotos und Videos aus seinem Stall. „Wir finden, diese Haltungsform ist ein guter Mittelweg zwischen konventionell und bio“, meint Stueber.

2019 kam noch die Direktvermarktung hinzu. Damit Interessierte nicht extra nach Holland fahren müssen, um das Fleisch zu bekommen, lässt das Paar einige Tiere vor Ort von einer mobilen Geflügelschlachterei töten. „Der kommt einen Tag, bevor wir in der Nacht ausstallen“, so die 47-Jährige. Der Vorteil: der Transportweg entfällt. In der kommenden Woche werden die Tiere nachts ausgestallt und mit vier Lastern nach Holland gefahren. Danach reinigen und desinfizieren Stueber und Osterloh eine Woche lang den Stall, bis dann die nächsten Küken aus Holland kommen.

Das Paar möchte in Zukunft übrigens eine Verweilststaion für Radfahrer einrichten. Die Idee: Eine „Kiek-in-Box“ aufstellen. In dieser sollen zum einen Flyer und Infomaterial ausliegen und zum anderen Bildschirme hängen, auf denen Interessierte Livebilder aus dem Stall sehen können. „Wir haben einen alten Überseecontainer, den wir umbauen wollen“, sagt Stueber.

Weitere Infos

gibt es für Interessierte im Internet unter www.haehnchen-mit-stern.de.

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