Wo sich Leid und Hoffnung treffen

Kirche plant Passionsandachten erstmals an besonderen Orten

Laden zu Passionsandachten an besonderen Orten ein: die Pastorinnen Susanne Schymanitz und Claudia Hurka-Pülsch (v.l.). Foto: Schneider

Dötlingen - Von Tanja Schneider. Mit einer neuen Idee startet die evangelische Kirchengemeinde in die Passionszeit: Statt der üblichen Andachten in den sieben Wochen vor Ostern planen die beiden Pastorinnen Susanne Schymanitz und Claudia Hurka-Pülsch Gottesdienste an besonderen Orten in der Gemeinde Dötlingen. Dort wollen sie auf verschiedene Nöte und Leiden aufmerksam machen, gleichzeitig aber auch Hoffnung spenden.

„Wir möchten mit den Passionsandachten nach draußen“, erklärt Hurka-Pülsch. Seit Jahren gebe es vor Ostern die Mittwochsveranstaltungen in der St.-Firminus-Kirche. Nun ist im Gotteshaus nur noch der Auftakt vorgesehen. Am Aschermittwoch, 6. März, steht ein Salbungsgottesdienst auf dem Programm. „Wer will, kann sich mit Öl auf Händen und Stirn für den weiteren Weg stärken“, sagt Schymanitz. Mit der Salbung solle Gottes Fürsorge spürbar werden.

Die Andacht beginnt um 19 Uhr. Dies gilt ebenso für die drei folgenden Veranstaltungen, für die die Pastorinnen Orte gewählt haben, die eng mit Traurigkeit, Schicksal und Leid verknüpft sind. „Wir möchten die dunklen Momente der Gemeinde Dötlingen ins Bewusstsein rufen - die geschichtlichen, aber auch die persönlichen“, so Hurka-Pülsch. „Es ist nicht immer sonnig und schön.“

Erste Station ist am Mittwoch, 13. März, der Dorfplatz am Aschenstedter Bahnhof, wo nach dem Zweiten Weltkrieg viele Flüchtlinge ankamen. „Sie mussten ihre Heimat verlassen, haben Not und Elend gesehen, und wurden in Dötlingen nicht von allen freundlich aufgenommen“, erinnert Hurka-Pülsch. Nach all den Jahren seien sie gut integriert, ein Teil der Dorfgemeinschaft, spricht sie die positive Entwicklung an. In jede Andacht möchten die Pastorinnen zudem betroffene Menschen einbeziehen. „Wir bitten jeweils jemanden, etwas Persönliches zu erzählen“, verraten sie.

Am 27. März wirken die Bewohner und Mitarbeiter des Wohn- und Ferienhauses Neerstedt mit. Dort steht die zweite „Auswärtsandacht“ auf dem Programm. „An diesem Abend geht es mehr um das persönliche Leiden als Folge einer schweren Krankheit oder einer Behinderung“, informiert Hurka-Pülsch. Im Wohn- und Ferienhaus, einer Einrichtung zur Betreuung beeinträchtigter Menschen, finden sich viele Schicksale. „Und trotzdem herrscht eine fröhliche Atmosphäre. Es wird viel gelacht“, erzählt sie. Den Pastorinnen ist es wichtig zu zeigen, dass neben dem Leid durchaus Freude bestehen kann.

Dies trifft auch auf den dritten Ort zu, den die beiden gewählt haben - den alten Friedhof, wo am 10. April die letzte Passionsandacht vor Ostern geplant ist. „Friedhöfe sind immer mit Traurigkeit und Abschied verbunden“, sagt Schymanitz. Dennoch sei nach dem Tod nicht alles vorbei. Es gebe immer Momente der Hoffnung. Auf dem alten Friedhof finden schon lange keine Bestattungen mehr statt. Nachdem das Areal im Herzen Dötlingen über Jahrzehnte ein Schattendasein gefristet hatte, ließ es die Kirchengemeinde umgestalten. Entstanden sind Wege des Lebens - ein passender Ort, um die Passionszeit zu beschließen.

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