Erster Neerstedter Schülerflohmarkt beschert Kindern neues Spielzeug und Wissenswertes zum Thema „Konsum und Nachhaltigkeit“

Shoppingrausch mit ernsthaftem Hintergrund

Großer Andrang an den Flohmarktständen: Jeder wollte schauen, was die Mitschüler so aussortiert haben – und ob man es gebrauchen kann. - Fotos: Schneider

Neerstedt - Kaum hat Neerstedts Grundschulleiterin Andrea Selke die Glocke in ihrer Hand geläutet, gibt es in der Aula kein Halten mehr. Mit ordentlich „Klimpergeld“ in den Taschen stürmen die Kinder an die Stände des ersten Schülerflohmarktes.

Bücher, DVDs, Spiele, kleine Autos, Barbies und Tierfiguren wechseln in Windeseile den Besitzer. Neben den Mädchen und Jungen der Grundschule machen auch die Sprachheilschüler mit. So manches Kind hat sich extra einen Beutel für die Eroberungen mitgebracht, andere ergattern so viel, wie sie mit beiden Händen tragen können. Auch einige Lehrer halten sich nicht zurück. Was nach Shoppingrausch aussieht, hat durchaus einen ernsten Hintergrund. Denn im Unterricht wird derzeit das Thema „Konsum“ durchgenommen. Der Nachwuchs soll lernen, dass man nicht mehr Benötigtes nicht unbedingt wegwerfen muss. Andere können an den aussortierten Spielsachen durchaus noch Freude haben. Zudem erfahren sie, dass sie nicht alles neu kaufen müssen. Gebrauchtes ist zum Teil sehr gut erhalten. „Nachhaltigkeit“ lautet das Stichwort.

Für den Flohmarkt haben deshalb alle Kinder zu Hause ihr Spielzeug unter die Lupe genommen und nicht mehr Genutztes schon vergangene Woche mit in die Schule gebracht. „Im Unterricht haben sie Plakate für den Markt gemalt und die Preise für die Waren festgelegt“, berichtet Selke. So kosten „Einschlafhilfen“, hinter denen sich Kuscheltiere verbergen, beispielsweise 50 Cent. Bücher sind für 0,50 bis 1,50 Euro zu haben. Das Polizeiauto mit Sound geht für 1,50 Euro weg. Tamino hat eines der größten Fahrzeuge auf dem Markt erworben: „Das ist ein Unimog“, erzählt er stolz. Gleich doppelt zugeschlagen hat Angelique. „Ich habe einen Hubschrauber und ein Minion gekauft.“ Einige spielen mit ihren Eroberungen auf dem Flur, andere stöbern noch – und finden nicht nur Schönes für sich selbst. „Ich habe auch etwas für meine Schwester gekauft“, verrät ein Grundschüler.

Langsam lässt der Ansturm an den Ständen, an denen die Kinder auch selbst „Dienst“ haben, nach. Einigen ist schon das Geld ausgegangen, zudem wird das Angebot knapper. Selke nutzt die Gelegenheit und klingelt noch einmal mit ihrer Glocke: „Ab jetzt kostet alles nur noch die Hälfte“, ruft sie. Sofort kommt wieder Bewegung in die Schülerschar. Wer noch ein paar Münzen hat, gibt sie aus. Ist ja schließlich für einen guten Zweck. Denn der Schülerrat hat beschlossen, dass die Einnahmen dem Kinderhospiz Löwenherz in Syke zugute kommen sollen. „Ich finde, das ist eine sehr schöne Idee“, so Selke.

Passend zum Thema „Konsum“ hat auch der Chor ein Lied für den Schülerflohmarkt einstudiert. Dafür wurde das Lied „Leichtes Gepäck“ von Silbermond umgedichtet. „Eines Tages fällt dir auf, dass du 99 Prozent nicht brauchst. Du nimmst die Sachen und gibt’s sie weg, denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck“, singen sie. Auf einige Kinder trifft dies nach dem Flohmarkt auch zu, andere gehen mit vollen Beuteln nach Hause. - ts

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