Vortrag vor rund 100 Landfrauen

Mütter und Töchter: „Sehr emotionale Beziehung“

+
Judith Soegtrop-Wendt zitierte aus dem Buch „Mütter sind auch Menschen“. Über 100 Frauen hatten sich zum Vortrag versammelt.

Dötlingen - Von Janin Meyer. Eine Brille und einen Rucksack voll mit Werkzeug – das sind zwei Utensilien, die laut Judith Soegtrop-Wendt für jede Mutter-Kind-Beziehung zur Verfügung stehen.

Die Pädagogin und Kommunikationstrainerin referierte am Sonnabend vor mehr als 100 Frauen des Landfrauenvereins Wildeshausen-Dötlingen zum Thema „Mütter und Töchter – eine besondere Beziehung, ein Leben lang“.

„Wir freuen uns sehr über so viele Anmeldungen“, betonte Dette Zingler, die für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins zuständig ist. „Scheinbar haben wir mit dieser Veranstaltung den richtigen Nerv getroffen. Es sind auch einige Frauen gekommen, die nicht zu unserem Verein gehören. Schwestern, Mütter oder Töchter“, fügte sie hinzu.

Im Saal des Landhotels Dötlingen gab es für alle ein abwechslungsreiches Frühstücksbüfett, bevor Soegtrop-Wendt aufzeigte, warum die Beziehung zwischen Müttern und Töchtern manchmal so schwierig sein kann.

„Vorweg sei gesagt, die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist selbstverständlich sehr emotional“, betonte die Referentin. Sie ist selbst die jüngste von drei Töchtern sowie Mutter zweier Töchter. Sie weiß, wovon sie spricht, wenn sie sagt: „Es gibt in dieser Beziehung sehr viel Nähe und sehr enge Emotionen, aber eben auch sehr viele Schwierigkeiten.“

Mit Beispielen und Zitaten aus ihrer eigenen Erfahrung schaffte sie es, dieses Thema lebendig werden zu lassen und mögliche Probleme greifbar zu machen. So bezog sie sich beispielsweise auf eine Umfrage unter Studenten, in der an Licht kam, was Töchter am meisten an ihren Müttern stört.

„Eigentlich kann man es nur verkehrt machen“, sagte die Pädagogin mit einem Lächeln. „Die Einen sagen, man sei zu fürsorglich, würde zu sehr kleben. Die anderen bemängeln zu viel Distanz“, erklärte sie. „Ich selbst sehe mich als beste Freundin für meine Töchter. Die Autorin des Buches ,Mütter sind auch nur Menschen‘, Claudia Hamann, hat mir dazu einmal gesagt: ,Das ist ja schön, dass sie Freundinnen sind. Nur schade für Ihre Töchter, dass sie dann mutterlos aufwachsen müssen‘“, brachte die Pädagogin ihr Publikum zum Lachen.

Identität durch Annäherung

Die spätere Beziehung zwischen Mutter und Tochter baut sich laut Referentin früh auf. Jedes Mädchen lerne von klein auf, sich so zu verhalten wie die Mutter. „Zieht es die Schuhe der Mutter an, wird es als niedlich empfunden, ahmt es die Mutter nach, wird es durch liebe Worte belohnt. Zieht allerdings der Sohn jenseits des Kindergartenalters noch Mamas Stöckelschuhe an, kann es passieren, dass die Tante auf einmal komisch guckt“, vermittelte die Dozentin anhand eines anschaulichen Beispiels, wie unterschiedlich Kinder lernen. „Mädchen entwickeln ihre Identität durch Annäherung, Jungen durch Abgrenzung“, brachte sie es auf den Punkt.

„Ganz unbewusst geben wir mit jeder Kleinigkeit, die wir sagen oder wie wir handeln, den Kindern etwas mit. Die Kinder bekommen von ihrer Mutter die Brille, durch die sie die Welt sehen“, betonte Soegtrop-Wendt. Empfindet die Mutter also zum Beispiel etwas als unangenehm, wird es das Kind auch tun. Im späteren Leben sei es für die Tochter aber wichtig, ihren eigenen Weg zu finden und nicht jedes Handeln mit der Einstellung der Mutter zu begründen oder sogar zu entschuldigen. „Das Schöne an Brillen ist zwar, dass man sie putzen kann – aber dazu muss man sie erst einmal absetzen“, erklärte die Referentin.

Ähnlich verhalte es sich mit dem zweiten Utensil, dem Rucksack. „Wir können uns vorstellen, wie wir unser kleines Mädchen in den Kindergarten bringen – mit ihrer süßen, kleinen Kindergartentasche. Da hinein packen wir alles, was unser Kind braucht, um den Alltag zu überstehen“, fand die Referentin ein weiteres Bild. „Es sind Apfelschnitze drin und Möhrenstücke. Und auch gute Ratschläge“, sagte sie. 

Doch irgendwann reiche diese kleine Tasche nicht mehr, und die Mütter gäben ihren Kindern einen großen Rucksack mit. „Der ist voller Ratschläge, Werkzeuge und vielem mehr, was wir für das Leben da draußen brauchen. Irgendwann wird er uns viel zu schwer. Aber wer sagt denn, dass wir das alles wirklich ein Leben lang brauchen? Vielleicht ist ein Werkzeug veraltet oder wir brauchen ein ganz neues?“, ermutigte sie, einen eigenen Weg zu finden. „Es ist unsere eigene Verantwortung, die richtigen Werkzeuge auszuwählen“, betonte sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Nur für Erwachsene: Urlaub ohne Kinder ist kein Tabu mehr

Nur für Erwachsene: Urlaub ohne Kinder ist kein Tabu mehr

Skifahren in Neuengland: Kleine Berge, große Vielfalt

Skifahren in Neuengland: Kleine Berge, große Vielfalt

Einzelkritik: Nur Pavlenka in guter Form

Einzelkritik: Nur Pavlenka in guter Form

Adventsbasar Oberschule Dörverden

Adventsbasar Oberschule Dörverden

Meistgelesene Artikel

Grünkohl als Öl und Praline

Grünkohl als Öl und Praline

Sage: Bildungsstätte in Obdachlosenunterkunft

Sage: Bildungsstätte in Obdachlosenunterkunft

Wildeshausen: Zwerge helfen wieder armen Familien

Wildeshausen: Zwerge helfen wieder armen Familien

Vorbilder für ehrenamtliches Engagement

Vorbilder für ehrenamtliches Engagement

Kommentare