17. Norddeutscher Vieh- und Fleischhandelstag / Tierseuche ist weiterhin ein Thema

Schweinebranche: Guter Trend mit Haken

Vortragender Albert Hortmann-Scholten

Altona – Die Schweine- und Ferkelpreise steigen, die Futterpreise sinken: Mit diesem positiven Trend stieg Dr. Albert Hortmann-Scholten, Marktexperte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, am Freitagabend in seinen Vortrag beim 17. Norddeutschen Vieh- und Fleischhandelstag ein. Zu der Veranstaltung im Hotel „Gut Altona“ waren etwa 80 Verbandsmitglieder aus Norddeutschland zusammengekommen. Zuvor hatten sie sich zur Versammlung des Vieh- und Fleischhandelsverbands Niedersachsen getroffen. Der Vorsitzende des niedersächsischen Verbands, Hermann Kruse aus Syke, begrüßte unter den Gästen unter anderem Heinz Osterloh, den Vorsitzenden des Deutschen Vieh- und Fleischhandelsbundes.

Hortmann-Scholtens gute Botschaft – die Schweinepreise seien im Vergleich zu 2018 um 36 Prozent gestiegen, die Ferkelpreise hätten sich sogar mehr als verdoppelt – hatte jedoch einen Haken: die Afrikanische Schweinepest (ASP). „Die Afrikanische Schweinepest ist in Asien völlig außer Kontrolle geraten“, berichtete er. Dort seien zehn Länder betroffen. In China habe sich der Schweinebestand halbiert. In der Folge seien die Futterpreise gesunken. „Gnade uns Gott, wenn die Afrikanische Schweinepest zu uns kommt“, warnte Hortmann-Scholten. Sie sei bereits in Rumänien und Polen ausgebrochen.

Auch die europäischen Schweinebestände sinken. Innerhalb der Europäischen Union steht Deutschland nach Spanien nur noch auf Platz zwei. Der Rückgang werde jedoch durch ein höheres Schlachtgewicht teilweise kompensiert, erläuterte der Marktexperte. Ursache für die sinkenden Zahlen sei eine geringere Verbrauchernachfrage. Beim Schweinefleischverzehr befänden sich die Bundesbürger inzwischen im unteren Tabellendrittel der EU, sagte er.

Vegane Fleischersatzstoffe machten dem Fleischmarkt zu schaffen. „Die Fleischbranche kann nur davon träumen, was in dem Segment an Margen erzielt wird“, berichtete Hortmann-Scholten und ergänzte: „Ich bin mir aber sicher, dass die Blase in Kürze platzen wird.“

Auch das Thema Tierwohl kam zur Sprache. Die Verbrauchermarktketten Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Penny, Netto sowie Rewe hatten sich zum 1. April auf vier gemeinsame Tierwohllabel geeinigt, erinnerte der Vortragende. „Die Verbraucher verlangen mehr Tierwohl. Die Frage ist, ob sie bereit sind, dafür tiefer in die Tasche zu greifen.“ Mit einem Wahlangebot sowie Aufpreisen für Bio und Fairtrade-Bio bei Bananen habe zum Beispiel Aldi nicht die besten Erfahrungen gemacht. Hohe deutsche Tierschutzstandards sorgten außerdem für einen Wettbewerbsnachteil auf dem internationalen Markt. Hortmann-Scholten forderte die Politik auf, mehr Betriebsstätten aus Deutschland den Export nach China zu erlauben.

Zum Ende seines Vortrages ging der Experte noch auf den Rindfleischmarkt ein. Dieser sei sehr angespannt. „Muss man Rindfleisch aus Kanada, den USA und Australien importieren?“, fragte er mit Hinblick auf Discounter-Aktionen des vergangenen Sommers.

Zwei weitere Vorträge rundeten das Verbandstreffen ab. Zu dem Thema „Fleisch – unser Produkt zwischen regional, international und emotional“ sprach Heribert Qualbrink, Einkaufsleiter bei Westfleisch. Peter Berghuis aus Ibbenbüren berichtete aus der Kälberbranche. „Wir haben nur eine Zukunft, wenn es uns gelingt, einen Mehrwert zu erzeugen“, war der Titel seines Vortrags.  hri

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