Schüler gewinnen internationalen Preis / Zuchtanlage in zweiter Umbauphase

Oldenburger Buntbarsch auf dem Vormarsch

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Präsentieren stolz Kochbuch und Gewinnerurkunde: Silke Wrieden-Buerfeind, Jan Aschenbeck, Marcus Zechelius und Christine Gronemeyer von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Oldenburg.

Ostrittrum - Von Sophie Filipiak. „Als wir hier ankamen, haben wir erst die Anlage nicht gefunden. Wir dachten, das wäre alles viel größer“, sagte am Freitag Silke Wrieden-Buerfeind. Die Lehrerin war vor ein paar Monaten mit ihren Schülern des Schulzentrums Geschwister Scholl in Bremerhaven zu Besuch bei der Firma „Hansefisch-Anlagenbau“ in Ostrittrum, um einen Blick auf die dortige Fischzucht zu werfen. Daraus entstand „Nicht nur Scholle – das etwas andere Kochbuch“, das am 22. Mai auf der Expo in Mailand ausgezeichnet wurde.

Wrieden-Burfeind sowie Jan Aschenbeck und Marcus Zechelius, die Erfinder der nachhaltigen Fischzuchtanlage, präsentierten gestern stolz die Gewinner-Urkunde des EU-Wettbewerbes „Farmed in the EU“. Dieser soll Jugendlichen die Aquakultur näherbringen. Dabei besichtigen die Schüler Fischmasten und lernen, wie diese sich auf die Umwelt auswirken. Mehrere Schulen aus Bremerhaven hatten sich für den Wettbewerb zusammengeschlossen. Durch persönliche Kontakte nahm Wrieden-Buerfeind Verbindung zu „Hansefisch“ auf. „Sie fragte uns, ob sie unsere Anlage besichtigen können und ob wir als Sponsoren einspringen würden“, erinnerte sich Aschenbeck. „Wir haben das Projekt im Februar gestartet und Abgabetermin war am 15. April. Das war schon ziemlich anstrengend“, berichtete Wrieden-Buerfeind.

Denn mit dem Besuch der Anlage war es nicht getan. Im Anschluss sammelten die Schüler Daten, arbeiteten sie auf und verfassten daraus die Infotexte, die sich in dem schmalen Buch befinden. Auch ein Steckbrief des in Ostrittrum gezüchteten Oldenburger Buntbarsches durfte nicht fehlen. Es blieb aber nicht bei der Theorie. Von „Hansefisch“ erhielten die Schüler einige Kostproben des Fisches, die dann in der Schulküche zubereitet wurden. Dabei verglichen die Jugendlichen den Zuchtfisch auch mit Seelachs und Kabeljau aus Wildfang. Und siehe da: Der Oldenburger Fisch siegte in allen Bewertungskategorien.

Die neun Rezepte des Kochbuches bilden ein Menü. Das Angebot reicht von Fischsalat mit Orangen über Fisch an Linsen und Zitronensoße bis zum Dessert „Himbeer-Fisch“. Auch eine antike Zubereitungsart „Oldenburger Barsch mit Pflaumensoße“ findet sich im Buch wieder, sogar mit lateinischer Anleitung. Denn das Kochbuch ist mehrsprachig verfasst. „Wir haben darauf bestanden, dass auch Plattdeutsch mit aufgenommen wird“, sagte Aschenbeck.

Die Jury des „Farmed in the EU“-Wettbewerbes war so begeistert, dass das Projekt aus Bremerhaven unter die besten drei gewählt wurde. 20 Schulen aus zehn Ländern nahmen teil. Damit aber noch nicht genug. Am deutschen Fischereitag vom 25. bis 27. August sind die Schüler zu Gast in Rostock. In der Küche des Veranstaltungshotels werden die Jugendlichen ihre Rezepte kochen und als Häppchen auf der Tagung verteilen.

Die Vorstellung des Kochbuches nutzten Aschenbeck und Zechelius auch, um eine Zwischenbilanz ihres Pilotprojektes zu ziehen. Die Versuche hinsichtlich der gesteckten Ziele „Abwasserarme Zucht“, „Fischwohl“ und „Medikamtenfreiheit“ seien beendet, erklärte Aschenbeck. Nun gehe es darum, die Patente anzumelden. Die Anlage braucht nur rund zwei Liter Abwasser pro Fisch, während herkömmliche Fischzuchten circa 198 Liter benötigen. Dieses System wie auch die von „Hansefisch“ entwickelte Fischsortierung, bei der die Tiere selbst nicht angefasst werden, sollen als Patente angemeldet werden. Das Verfahren läuft noch. „Das kann noch lange dauern“, so Aschenbeck.

Die Pilotanlage befindet sich derzeit in einer Umbauphase. „Wir haben den Betrieb um 50 Prozent gedrosselt“, sagte Aschenbeck. Nun sollen ein neues Desinfektionsverfahren sowie Ansätze der weiteren Energieeinsparung getestet werden. Zudem haben die Betreiber die Idee, eine neue biologische Wasseraufbereitung ausprobieren.

Auch Expansionen in Niedersachsen und Mecklenburg stehen auf dem Programm. Die Gespräche mit Standortbetreibern und mit den Landesministerien seien fruchtbar. „Wir sind auf der richtigen Spur“, schloss Zechelius ab.

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