Künstlerin und Autorin nehmen Vernissagebesucher mit nach Kirgistan

Auf Reisen mit Seidel und Sinn

Galeristin Heike Wendeln begrüßte Autorin Angelika Sinn und Künstlerin Laila Seidel (v.l.) in Dötlingen. Foto: Schneider

Dötlingen - VON TANJA SCHNEIDER. Sonntag, Sonne, milde Temperaturen - da war es naturgemäß voll im Golddorf Dötlingen. Während die einen zum Flanieren und Kaffeesieren in den Ort kamen, lockte andere die Kunst - und besonders die Vernissage in der Galerie im Heuerhaus. Nach und nach füllten sich die Räume. Die Besucher waren nicht nur gespannt auf die Werke von Laila Seidel, sondern auch auf die Worte von Angelika Sinn. Gemeinsam mit Seidel nahm sie 2017 an einem Kunstsymposion in Kirgistan teil. Ihre Eindrücke schilderte sie in einer kurzen Lesung. Damit gewährte die Autorin nicht nur einen exklusiven Einblick in ihr Reisetagebuch, sondern auch in Seidels Inspirationsquelle. Denn das zentralasiatische Land lieferte der Bremerin viele Ideen für ihre farbenfrohen Öl- und Acrylbilder. Zusammen mit Scherenschnitten sind sie unter dem Titel „Global Artist - Eindrücke von Kirgistan bis New York“ in Dötlingen zu sehen.

Statt der klassischen Einführung in die Ausstellung gab es einen lockeren Dialog zwischen Galeristin Heike Wendeln und Seidel. Die 1982 geborene Künstlerin reist gerne durch Asien und Osteuropa, war aber auch schon in Australien unterwegs. Dabei entstanden viele Fotos, die ihr als Vorlage für ihre Bilder auf Leinwand dienen. Natürlich nicht eins zu eins. „Ich verändere, verfremde, arbeite mit verschiedenen Ebenen“, erzählte sie. Neben Fotografien bringt sie neue Techniken mit, zum Beispiel die Hinterglasmalerei aus Tschechien oder den dreidimensionalen Scherenschnitt aus Vietnam. „Oft bin ich fasziniert und experimentiere dann“, so die Bremerin, die Freie Bildende Kunst in Ottersberg studiert und unter anderem schon in Berlin, Hannover, Polen sowie Rumänien ausgestellt hat.

Unterwegs habe sie immer einen anderen Blick auf die Dinge. Und Osteuropa habe es ihr besonders angetan. Seidel schätzt den Austausch mit dortigen Künstlern, die Symposien, die es in dieser Form in Deutschland eigentlich nicht gebe, und den Stellenwert der Kunst. „Mit einer Ausstellung, die in Berlin kaum interessiert, ist man in Sarajevo plötzlich in den Abendnachrichten“, verriet sie den Vernissagebesuchern. Das Reisen liefere viel positiven Input, das Gefühl von Freiheit.

Am meisten habe sie bislang Kirgistan inspiriert. Das spiegelt sich deutlich in Bildern wie „Yurta 1“ (in Acryl“ und „Yurta 2“ (in Öl) wider. Während ihrer Reise übernachteten Seidel und Sinn übrigens in einem Jurten-Camp. „Eingemummelt in dicke Decken, ...., kein Ofen, kein Strom“, las Sinn. „In der ersten Nacht im Camp kann ich nicht einschlafen. Immer wieder frage ich mich, warum ich diese Strapazen auf mich nehme.“ Die Antwort lieferte am nächsten Morgen die Natur, der Blick auf Issyk-Kul, das kirgisische Meer. Dieses verleitete die Autorin noch zu „Gedanken über ein Seeungeheuer“. Sie berichtete zudem von Geisterfahrern auf der Autobahn und dem „pulverisierten, köstlichem Geruch“ der Gewürze auf dem Basar, ehe sie zu den grasenden Pferden überleitete.

Ein Pferd hat auch Seidel mit in die Galerie gebracht. Der größte Scherenschnitt, den sie jemals angefertigt hat. Der Vierbeiner blickt auf den Dartspieler in Acryl und auf die Sonnenbadenden - und dies noch bis zum 7. April. Geöffnet ist die Ausstellung mittwochs bis freitags von 15.30 bis 18 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 14 bis 18 Uhr.

Weitere Informationen

www.galerie-doetlingen.de

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