Stellungnahmen werden derzeit bearbeitet

Widerstand gegen Industriegebiet: „Raus aus der Sackgasse“

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Die FDP nahm das Ende der ersten Auslegung der Planentwürfe für das Gewerbe- und Industriegebiet Hockensberg zum Anlass, um mit den Anliegern über deren Einwendungen zu sprechen.

Hockensberg - Von Tanja Schneider. Der Widerstand der Hockensberger gegen das vorgesehene interkommunale Gewerbe- und Industriegebiet vor ihrer Haustür ist ungebrochen. Die Einwohner haben die erste öffentliche Auslegung der Planentwürfe, die vor zwei Wochen endete, genutzt, um ihre Bedenken schriftlich zu äußern. Neben Einwendungen der Bürger sind Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange eingegangen, mit denen sich die Mitarbeiter des Bauamtes sowie der beauftragten Planungsbüros derzeit intensiv beschäftigen. Aufgrund der Komplexität ist eine Beratung in der kommenden Bauausschusssitzung am 30. August sehr unwahrscheinlich.

„Das ist nicht zu schaffen“, sagte Bauamtsleiter Uwe Kläner am Freitag auf Nachfrage. Im Laufe der Woche saßen die Zuständigen bei der Verwaltung mit den Vertretern der Büros IDN Oyten (Planung der Entwässerung und Verkehrswege) sowie NWP aus Oldenburg zusammen. Letzteres zeichnet für die Änderung des F-Planes und Aufstellung des entsprechenden Bebauungsplanes samt der Aufarbeitung der Abwägungen verantwortlich. Welche Anregungen in den Entwürfen berücksichtigt und welche verworfen werden, muss letztlich die Politik entscheiden. „Wir schauen momentan, was wir noch berücksichtigen und wo wir nachprüfen müssen“, sagte Kläner. Unter anderem seien Kartierungen und gutachterliche Ergänzungen nötig. So habe die Auslegung zur frühzeitigen Beteiligung gezeigt, dass im August und September noch drei Zählungen von Fledermäusen im Baumbestand erfolgen müssen. Kläner rechnet deshalb damit, dass sich die öffentliche Beratung auf Ende Herbst verschiebt. „Ich möchte aber auch nicht ausschließen, dass es eventuell eine Sondersitzung des Bauausschusses geben wird“, meinte er.

Die Hockensberger machen derweil ihrem Unmut Luft. Auf Einladung der Dötlinger FDP erläuterten sie am Donnerstagabend im Rahmen eines Ortstermines ihre Bedenken. Die meisten sind bekannt und schon häufig öffentlich diskutiert worden – vom Wertverlust der Immobilien über die Emissionsbelastung bis hin zum Naturschutz. Für die Hockensberger ist die Brakland-Fläche der denkbar ungünstigste Standort für Industrie, wie der Vorsitzende des Heimatvereines, Marcus Martens, betonte. Gegen die Ansiedlung hiesiger Gewerbebetriebe, die sich entwickeln wollen, hätte vermutlich niemand etwas, meinte er. Aber Industrie bedeute eine deutlich höhere Belastung und für das Dorf „ein Sterben auf Raten“. „Denn wer will hier dann noch wohnen?“, fragte er. Den Begriff „interkommunal“ – bekanntlich entwickelt Dötlingen das Gebiet gemeinsam mit der Stadt Wildeshausen und der Gemeinde Prinzhöfte – bezeichnen die Hockensberger in diesem Fall als Mogelpackung: „Denn die Belastungen tragen wir zu 100 Prozent.“

Aus Sicht des Heimatvereines müssten die Abstände zum Altonaer Mühlbachtal, den historischen Hoflagen sowie der landschaftsprägenden Buchenallee erheblich größer ausfallen. Martens verwies auf den Abstandserlass in Nordrhein-Westfalen. Dieser gelte zwar nicht für Niedersachsen, könnte aber bei einem Rechtsverfahren relevant werden, kündigte Martens eine Klage an: „Wir werden jede Gelegenheit wahrnehmen, um Widerstand zu leisten.“ Größere Abstände bedeuteten weniger Fläche für Industrie und Gewerbe. Berücksichtige man dann noch die aufwendige Erschließung, könne das Projekt nicht wirtschaftlich sein.

Diese Befürchtung hegt auch die FDP, die nach wie vor konkrete Zahlen, zum Beispiel für die Abwasserbeseitigung, vermisst. Die Liberalen hatten sich gegen ein Gewerbe- und Industriegebiet am Brakland ausgesprochen. Ihr Alternativvorschlag an der B 213 fand im Gemeinderat aber keine Mehrheit (wir berichteten). „Wir wünschen uns einen Neuanfang. Gemeinsam mit Wildeshausen, Harpstedt und Großenkneten sollte ein Standort gefunden werden, an dem Gewerbe und Industrie wirklich Sinn machen“, so der Fraktionsvorsitzende Claus Plate, der einen Austausch mit den Liberalen der genannten Kommunen ankündigte.

Unter dem Motto „Raus aus der Sackgasse“ bittet der Heimatverein die Entscheidungsträger, „die Brakland-Planung zum Wohle der Gemeinde einzustellen, sich mit Alternativen für zukunftsträchtigere Investitionen zu befassen und nicht weiter Steuergelder zu versenken“.

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