Tankstellen bleiben aber geöffnet und gelten als „kritische Infrastruktur“

Rastanlage Wildeshausen ist geschlossen

„Wir haben geschlossen“: Die Rastanlage Wildeshausen ist zwar zu, die Tankstellen sind aber noch geöffnet. Foto: HÜHNE

Dötlingen - Von Gregor Hühne. Auf der Tank- und Rastanlage Wildeshausen in der Gemeinde Dötlingen sieht es stellenweise aus wie sonst nur an Elektroauto-Ladesäulen – gähnende Leere. Seit Dienstagnacht sind die Raststätten inclusive Burger King und Co. beiderseits der Autobahn 1 bei Wildeshausen bis auf Weiteres geschlossen. „Wir bitten um Verständnis“, steht auf DIN-A4-Aushängen an den Eingangstüren. Pächter Hans-Christian Vogelsang bot an, 1 200 Einweghandschuhe, die jetzt nicht mehr benötigt würden, an Arztpraxen, Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen abzugeben.

Die Tankstellen als Teil des Transport- und Verkehrssektors gehören hingegen zur sogenannten „kritischen Infrastruktur“, wie es seitens des Bundesministeriums des Innern heißt. Daher bleiben sie weiterhin geöffnet. Reisende halten derzeit aber nur kurz und vereinzelt an den Zapfsäulen. Lastwagenfahrer haben dieser Tage die freie Parkplatzwahl – eine sonst ungewöhnliche Situation an der Rastanlage Wildeshausen, für die im Übrigen eine Erweiterung aufgrund der normalerweise mangelnden Lkw-Stellplätze geplant ist.

Laut den ursprünglichen Ideen sollen die Raststätten und Tankstellen abgerissen und mit einem Neubau ersetzt werden. Im Zuge der Um- und Neugestaltung soll die Zahl an Lkw-Parkplätzen von derzeit jeweils 30 auf der Nord- und der Südseite der Rastanlage auf dann mehr als 70 Stellplätze pro Richtungsfahrbahn anwachsen. Der Beginn der Bauarbeiten war für Ende 2019 angekündigt gewesen. Bisher ist davon nichts zu sehen. Ob die Corona-Pandemie das Vorhaben verzögern könnte, war vom Pächter nicht zu erfahren. Auch ansonsten gibt sich der Franchisenehmer dieser Tage zugeknöpft. Laut Auskunft aus dem Unternehmen gilt seit Donnerstag eine allgemeine Informationssperre.

Geöffnet sind auch noch die WC-Anlagen, die einen anderen Eingang als die Raststätte haben. Die Sanitäreinrichtungen von Sanifair werden standardmäßig nach jedem Besucher gereinigt. Dort habe sich in der aktuellen Lage nichts geändert und es gebe keine besonderen Hygieneregeln des Unternehmens, sagt eine Mitarbeiterin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Handläufe und Griffe werden durchgehend desinfiziert, ansonsten „läuft das wie eh und je“, erzählt sie.

Betroffen sind im Zuge der Corona-Pandemie auch normale Reisende innerhalb Deutschlands. So berichtet es beispielsweise Friederich Haesewich auf der Wildeshauser Rastanlage. Er ist mit seiner Frau gezwungenermaßen auf dem Heimweg von der Insel Usedom zurück in die Heimat nach NRW. „Wir hatten seit dem 7. März eine Ferienunterkunft gemietet und mussten nun die Insel verlassen“, schildert der Unternehmer. Das bereits gezahlte Geld für die Miete der Urlaubsunterkunft sei „futsch“ ärgert er sich – immerhin rund 120 Euro für die restlichen zwei Tage. Der gefühlte Mangel an Klopapier habe aber selbst die entlegene Ostseeinsel erreicht. Es gebe dort zwar aktuell keinen registrierten Coronapatienten, wohl aber in NRW, wo jede Menge bestätigte Fälle gemeldet wurden. „Nun müssen wir zurück in die Scheiße.“ Haesewich wünscht sich harte Geldstrafen gegen jeden, der sich nicht an die Anweisungen hält, Menschenansammlungen zu meiden, und damit die Allgemeinheit gefährdet. „Die Einnahmen aus den Strafen sollten dann an Ehrenamtliche und andere ausgezahlt werden, die derzeit in der Krise Überstunden machen müssen“, findet er.

Von strengeren Bestimmungen hat Berufskraftfahrer Christian Kokoschinek zwar noch nicht viel mitbekommen. Er uns seine Kollegen müssten jetzt aber Protokolle ausfüllen, ob jemand mit ihren Lastwagen in Belgien oder anderen Risikogebieten war, ansonsten sei die Lage aus seiner Sicht normal. Trotz der Schließung von Raststätten an der Autobahn gebe es immer noch Kaffee-to-go, freute sich der Kraftfahrer. Bei seiner letzten Versorgungstour am Donnerstag zur Kaffeerösterei Jacobs nach Bremen wurde bei ihm an der Zufahrt beim Pförtner Fieber gemessen. Sonntags müsse er noch nicht fahren, aber was noch alles komme, lasse sich nicht vorhersagen, sagte er. „Nicht alltäglich diese Situation“, resümierte der Getränkefahrer. Corona-Bier hätte er nicht im Laderaum, schmunzelte er. „Kommt das nicht auch aus Belgien?“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Der Blauregen hat viel Kraft

Der Blauregen hat viel Kraft

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Barock und Bio im Bliesgau

Barock und Bio im Bliesgau

Kampf gegen Corona: Italien verlängert Ausgangsverbote

Kampf gegen Corona: Italien verlängert Ausgangsverbote

Meistgelesene Artikel

Rathaus-Erweiterung schreitet gut voran

Rathaus-Erweiterung schreitet gut voran

Lastwagen fährt Baustellenbaken um und fährt weiter

Lastwagen fährt Baustellenbaken um und fährt weiter

Sechs Corona-Infizierte in Wildeshausen

Sechs Corona-Infizierte in Wildeshausen

Gute Ernährung und guter Schlaf: So stärken Sie Ihre Abwehrkräfte

Gute Ernährung und guter Schlaf: So stärken Sie Ihre Abwehrkräfte

Kommentare