Wenn Kitas zu Kasernen werden und Schwangere mit dem Panzer ins Gefecht ziehen

„Radieschen“ entlarven den Irrsinn des Weltsystems

Kabarettist Gerd Hoffmann und Pianist Martin Hunger amüsierten das Publikum mit ihrer humoristischen Welt- und Selbstkritik. - Foto: Nosthoff

Dötlingen - Von Anja Nosthoff. Scharfe Texte, die die Zuschauer zu Lachtränen rühren, sind eine Spezialität der „Radieschen“. Das bewies das Politikabarett aus Berlin, bestehend aus Kabarettist Gerd Hoffmann und Pianist Martin Hunger, eindrucksvoll am Freitagabend im Dötlinger Heuerhaus, im Rahmen der „Kultur pur“-Veranstaltungen.

Wenn Kitas zu Kasernen werden und Schwangere mit dem Panzer ins Gefecht ziehen – dann nimmt Hoffmann fragwürdige Strategien von Ministerin Ursula von der Leyen aufs Korn. Wenn eine Hauptstadt ohne Bürgermeister Wowereit den Sexappeal verliert, dann ist das Hoffmanns kabarettistisch-berlinerischer Blick auf die Dinge. Und wenn der „Papperla-Papst“ fernab aller „Glaubens-Logik oder -Unlogik“ als einziger die Wahrheit ausspricht, dann kann laut Hoffmann der Weltuntergang nicht mehr fern sein.

Wie in der Ankündigung versprochen, erlebten die Zuschauer unter dem Programmtitel „Normal Null“ alles andere als einen normalen Abend. Die Gäste gaben sich ganz dem Ratschlag des moralisch unmoralisierenden Kabarettisten hin: „Entspannen Sie sich: Es ist alles noch schlimmer, als Sie denken – und lustiger.“

Zur Höchstform lief Hoffmann auch bei den musikalischen Einlagen mit gesanglicher und instrumentaler Begleitung von Hunger auf: „Denn wer nur am Joystick klickt, Mäuse drückt, wird verrückt. Der hält alles für gefakt, weil er sich nicht bewegt“, war in flott-mitreißender Umsetzung scharf und spitzzüngig zu hören. Als Hoffmann sich mit Heiterkeit und ohne Tabus auf die Spur des „Irrsinns“ und der „Abgründe“ von bundes- und weltpolitischen sowie national- und global-gesellschaftlichen Fragen begab, legte er ein solches Tempo vor, dass im Publikum nicht nur ein Lacher auf den anderen folgte. Man hatte während der witzelnden Entlarvung absurder Realitäten nicht einmal die Zeit zu bemerken, dass man am Ende über sich selbst lachte. So erklärte Hoffmann Finanzpolitik beispielsweise zur Glaubensfrage. „Wir glauben unserem Finanzminister Schäuble, dass Zukunft nur mit Schuldenabbau möglich ist. Griechenland und die USA scheinen allerdings das Gegenteil zu glauben“, führte er aus. Und als er so nun schon beim Glauben angelangt war, widmete er auch dem Papst einige Findigkeiten seines kabarettistischen Blicks und seiner spitzen Zunge.

Denn wo, wenn nicht nahe am Weltuntergang, sei man wohl angelangt, wenn der „Papperla-Papst“ als einziger noch Klartext rede? „Damit das System fortbestehen kann, müssen Kriege geführt werden“, habe der Papst das aktuelle Weltsystem kritisiert. So machte sich Hoffmann zwischendurch den erhobenen Zeigefinger anderer zunutze, um eine Moral mit Galgenhumor charmant-versteckt durchleuchten zu lassen, während er das Publikum schon wieder mit dem nächsten Kabarett-Zug amüsierte: „Franziskus ist schon eine Marke – ein Papst im neuen Stil. Wie schön, dass wir neulich sogar dabei sein durften, als er sich bei Fielmann eine neue Brille kaufte!“ Kabarettist Hoffmann und Pianist Martin Hunger amüsierten das Publikum mit ihrer humoristischen Welt- und Selbstkritik.

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