Raclette, Gans oder Bockwurst mit Salat? Vier Einwohner berichten, wie sie das Fest begehen

So feiern die Dötlinger Weihnachten

Hat dieses Jahr frei: Rudi Zingler, der mehr als 20 Jahre lang Dötlingens Küster war und daher an Heiligabend arbeiten musste.
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Hat dieses Jahr frei: Rudi Zingler, der mehr als 20 Jahre lang Dötlingens Küster war und daher an Heiligabend arbeiten musste.

Dötlingen – Bei vielen Familien kommt an Heiligabend Bockwurst mit Kartoffelsalat auf den Tisch. „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist laut Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov der Lieblingsweihnachtsfilm der Deutschen (Stand 2018). Knapp dahinter folgen „Kevin – Allein zu Haus“ und „Der kleine Lord“ (je elf Prozent). Und des Deutschen liebstes Weihnachtslied heißt „Stille Nacht, heilige Nacht“.

Wie sieht es bei den Dötlingern aus? Was für Traditionen befolgen sie, mit wem feiern sie zusammen und – das ist wohl die wichtigste aller Fragen – was essen sie an Weihnachten? Die Wildeshauser Zeitung hat bei vier Dötlingern nachgefragt.

Künstlerin Anne Hollmann

An Heiligabend gebe es eine Weihnachtsgans zu essen, erzählt Künstlerin Anne Hollmann aus Ostrittrum, die zusammen mit ihren zwei Töchtern und ihrem Mann feiern wird. „Bei uns ist es Heiligabend eine Tradition, dass mein Mann Axel die Gans macht. Da kommen Maronen und Äpfel rein. Das Ganze ist sehr aufwendig, daher ist es ein Tagesprojekt“, erzählt Hollmann und lacht. Nach dem Frühstück fange er bereits mit dem Kochen an. Seit mehr als 20 Jahren essen sie dieses Gericht. Weiter sagt sie: „An Heiligabend wird vor der Bescherung gesungen. Wir haben echte Kerzen am Baum. Wir zünden sie an, dann wird gesungen und danach ist Bescherung.“

Am ersten Weihnachtsfeiertag bekomme sie Besuch von ihrem Bruder und dessen Partnerin. „Am zweiten Weihnachtstag machen wir Tannenbaum gucken in Ostrittrum“, sagt Hollmann. „Das machen wir bestimmt seit 15 oder 20 Jahren. Im vergangenen Jahr ist es wegen Corona nicht möglich gewesen und dieses Jahr ist es noch nicht entschieden.“ Was genau das ist? „Wir gehen von Haus zu Haus und schauen uns die Bäume der anderen an“, erklärt sie. Ihren eigenen Baum schmücke sie immer mit roten und goldenen Kugeln. Zudem hänge sie in der Weihnachtszeit gerne selbst gemalte Bilder mit winterlichen Motiven auf.

Und welcher Weihnachtsfilm darf bei ihr nicht fehlen? „Ich mag ,Single Bells‘ gerne. Wenn ich den Film erwische, freue ich mich immer.“ Zwar habe sie kein Lieblingsweihnachtlied, aber „ich liebe Weihnachtslieder. Die könnte ich den ganzen Tag hören“.

Hegeringleiter Gunnar Boyens

Bei Hegeringleiter Gunnar Boyens landet an Heiligabend traditionell Raclette auf dem Teller, aber nicht bei ihm zuhause, sondern bei seiner Schwägerin, die gleichzeitig seine Nachbarin ist. „Ab dem ersten Weihnachtsfeiertag schwinge ich dann den Kochlöffel. Da gibt es klassischen Rehrücken aus eigenem Revier. Das mache ich alles selber, da lasse ich auch keinen ran“, erzählt Boyens und lacht. Seit etwa 15 Jahren bereite er dieses Gericht am ersten Weihnachtstag zu. „Um 10.30 oder 11 Uhr fange ich an, sodass es das zum Mittag gibt.“ Am Abend werden dann zusammen Spiele gespielt. „Das ist Tradition.“ Im vergangenen Jahr hatte sich Boyens mit seiner Familie am zweiten Weihnachtstag beim Hotel „Gut Altona“ Essen rausgeholt. „In diesem Jahr gehen wir da wieder essen“, erzählt er.

Gemeinsames Musizieren stehe ebenfalls an. „Mein Sohnemann spielt Klavier. Er gibt uns Zettel in die Hand, er spielt Weihnachtslieder und wir singen. Das machen wir an Heiligabend.“ Und danach folge das Geschenkeauspacken. „Das würfeln wir seit einigen Jahren. Bei einer eins oder sechs darf man auspacken“, berichtet Boyens, der aus Wildeshausen kommt, aber seit 2005 in Ostrittrum lebt.

Vereinsvorsitzender Rudi Zingler

Rudi Zingler, erster Vorsitzender des TV Dötlingen, feiert Heiligabend zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn. Dann gebe es Ente zu essen. „Das machen wir auch schon ein paar Jahre so. Es gab auch mal etwas anderes, aber in den vergangenen Jahren gab es immer Ente.“ Die bereite seine Frau zu. Einen Tag vor Heiligabend komme der Tannenbaum ins Haus. „Dann wird der auch geschmückt“, so Zingler.

Bei ihm und seiner Frau sei es Tradition, an Heiligabend in die Kirche zu gehen, schließlich war Zingler fast 25 Jahre lang Küster. „Heiligabend gehen wir in die Nachtmesse um 23 Uhr in der St.-Firminus-Kirche.“ Weiter sagt er: „Da ich in den vergangenen Jahren Küster war, war ich Heiligabend nicht immer zuhause. Jetzt bin ich im Ruhestand und genieße die Ruhe.“ Den ersten Weihnachtstag verbringen seine Frau und er zusammen mit den Kindern und Enkelkindern. „Die kommen zu uns und dann frühstücken wir zusammen.“

Mag winterliche Motive in der kalten Jahreszeit: Künstlerin Anne Hollmann.

Pastorin Claudia Hurka-Pülsch

„Ich arbeite sehr viel an Weihnachten, bei uns gibt es also kein Festessen“, erzählt Pastorin Claudia Hurka-Pülsch. Kurz vor Weihnachten sei sie immer viel mit den Gottesdiensten beschäftigt. Am ersten Weihnachtstag habe sie jedoch frei. „Ich hoffe, dass wir die Familie sehen können, aber bei uns weiß man das nie. Es kann ja eine Beerdigung kommen“, so die Pastorin, die Heiligabend zusammen mit ihren Mann und den zwei Kindern feiert. Das Essen bereite ihr Mann zu. „Meistens gibt es dann etwas Schnelles, wie Nudel- oder Kartoffelsalat und dann etwas dazu.“

Sie erinnert sich noch an die Weihnachten, als sie Kind war. „Mein Vater hat an Heiligabend die Gans gebraten. Um 8 Uhr fing er damit an, und dann gab’s die mittags. Das ist bei uns nicht so.“ Durch ihre Arbeit sei es in der Vergangenheit oft so gewesen, dass sie die Familie erst nach Weihnachten sah. „Wir müssen mal gucken, wie wir es in diesem Jahr machen. Das wissen wir noch nicht genau.“

Die Bescherung verlaufe bei ihnen „ganz klassisch. Wir gehen alle gemeinsam ins Wohnzimmer, wo die Geschenke unter dem Baum liegen und packen sie dann nacheinander aus. Wir singen auch gerne mal zusammen.“

Sie fügt hinzu: „Was bei uns auch Tradition ist: Mit den Kindern zusammen an Heiligabend den Tannenbaum schmücken. Das war auch schon bei meinen Eltern so. Wenn wir von der Kirche zurückkamen, dann haben wir die Lichter am Baum angezündet“, erinnert sich Hurka-Pülsch.

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