Hier sind Begegnungen mehr als erwünscht

GWO-Vorstand stellt Projekt „Immenhuus“ vor – Konzept stößt bei einigen Bürgern auf Kritik

Stillstand herrscht auf dem Gelände des ehemaligen Honighofs in Dötlingen.
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Stillstand herrscht auf dem Gelände des ehemaligen Honighofs in Dötlingen.

Dötlingen – Verlassen sieht die kleine Holzhütte in der Nähe des Heidewegs in Dötlingen aus. Der ehemalige Honighof befindet sich im Dornröschenschlaf. Das möchten die Gemeinnützigen Werkstätten Oldenburg (GWO) ändern. Sie wollen das Häuschen in ein landwirtschaftliches Arbeits- und Qualifizierungsprojekt für Menschen mit Behinderung verwandeln (wir berichteten).

Die GWO stellten am Dienstagabend interessierten Bürgern im Dötlinger Tabkenhof das Projekt „Immenhuus“ vor. Vorstand Gerhard Wessels präsentierte den rund 15 Zuhörern die Pläne. Und – um es schon mal vorweg zu nehmen – nicht alle Gäste waren begeistert.

Neun bis zwölf Arbeitsplätze sollen entstehen

Ziel sei es, auf dem rund 6 000 Quadratmeter großen, angepachteten Gelände neun bis zwölf Arbeits- und Qualifizierungsplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen im landwirtschaftlichen Bereich zu schaffen. Als Schwerpunkt des Projektes ist eine Imkerei geplant, sodass die Arbeitsgruppe Honig und lmkereinebenprodukte herstellen könnte, so Wessels. Er betonte, dass vor Ort weder Gastronomie noch ein Verkauf stattfinden werde. Die Produkte könnten jedoch in der Region vermarktet werden. „Wir hoffen, dass wir Gaststätten oder Läden in Dötlingen finden, die sagen: Es gibt eine Zusammenarbeit und wir verkaufen die Produkte bei uns.“

Neben einer Imkerei solle es zudem eine kleine, arbeitsbezogene Tierhaltung geben. Die GWO möchten dort zwei Esel sowie vier Ouessantschafe halten, um Wolle zu produzieren. „Esel haben eine unheimlich beruhigende Wirkung auf Menschen, die vielleicht etwas hibbelig sind“, sagte Wessels. Das Gelände solle nachhaltig genutzt werden. Es handele sich um ein Projekt für Natur und Mensch.

Einen Verkauf wird es nicht geben

Könnte es in Zukunft so auf dem Honighof-Gelände aussehen? Rechts befindet sich der Honighof, links der Anbau. Die Bauzeichnung zeigt die Südansicht.

Es müsse aber auch einiges eingehalten werden, um die Nutzung als Werkstatt für behinderte Menschen umsetzen zu können. Vorgaben und bauliche Standards müssten eingehalten werden. Sonst werde es nicht genehmigt.

Als Beispiel nannte Wessels Sozialräume, die benötigt würden. Zudem müssten die Zimmer barrierefrei sein. Laut Planung soll das Honighof-Gebäude erhalten bleiben. Es müsse aber umgebaut werden, damit dort ein Lager, ein Sozialraum mit Küche sowie ein barrierefreies WC und eine Dusche errichtet werden können. Das Bestandsgebäude soll mit einem Flügel mit Gründach mit einem Anbau verbunden werden. Dieser solle mit einer Remise versehen werden. Im Neubau sind Arbeitsräume, Umkleiden und Sanitäranlagen vorgesehen.

Anbau soll mit einer Remise versehen werden

Stellt das Projekt „Immenhuus“ vor: Gerhard Wessels, Vorstand der Gemeinnützigen Werkstätten Oldenburg.

Als er in seiner Präsentation den Grundriss zeigte, erklärte Wessels: „Das neue Gebäude geht dann schräg nach hinten ab.“ Ziel sei es nämlich, dass der Hügel, der sich neben dem Gebäude befindet, unangetastet bleibt. Generell seien die Planungen so erstellt worden, dass Eingriffe ins Landschaftsbild und in die Natur minimal ausfallen. Die Grundfläche werde insgesamt etwa 200 Quadratmeter betragen.

In dem Gebäude werde niemand wohnen, erklärte der Vorstand auf Nachfrage. Die Vorstellung ist, so Klaus Westrich, zuständig für die Gebäudeentwicklung, dass die Beschäftigten mit einem Kleintransporter nach Dötlingen gebracht werden. Gewünscht sei, dass auf dem Gelände Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen stattfinden. „Von 8 bis 16 Uhr denke ich, werden wir da sein. Das ist die Kernzeit“, sagte Wessels.

Ulrike Hollmann aus der Bauverwaltung der Gemeinde saß ebenfalls im Publikum. Sie begrüßte das Projekt: „Grundsätzlich ist die Gemeinde daran interessiert, dass der Standort erhalten bleibt und wir haben gute Gespräche miteinander geführt.“

Ratsfrau Anke Spille (CDU) zeigte sich hingegen skeptisch: „Ich war überrascht, dass wir das in der Zeitung gesehen haben und es noch nicht im Rat besprochen wurde.“ Wessels betonte, dass es langwierige Gespräche mit dem Landkreis gegeben habe. „Die Idee war natürlich, Sie mitzunehmen.“ Er fügte hinzu: „Wir haben kein Interesse daran, irgendetwas zu machen, was nicht Ihre Zustimmung bekommt. Wenn die Gemeinde Dötlingen oder der Landkreis Oldenburg sagt: So geht das nicht. Dann werden wir die Planungen einstellen.“

Gemeinnützigen Werkstätten Oldenburg wünschen sich vor Ort Begegnungen

Wieso denn kein Flachdach geplant sei, fragten ein paar Zuhörer. „Unser Vorschlag war ein Flachdach und das dann zu begrünen“, erklärte Wessels. Das werde aber nicht genehmigt, ergänzte Westrich.

Folkhard Steenken vom Nabu sagte: „Sie wissen, dass es ein Landschaftsschutzgebiet ist? Gibt es keine Probleme bei der Behörde, so etwas genehmigt zu bekommen?“ Die Behörden seien von vornherein miteinbezogen worden, entgegnete Wessels. „Alle sind immer beteiligt. Die Landwirtschaftskammer, die Untere Naturschutz-, die Wasserschutz- und die Baubehörde des Landkreises“, zählte er auf.

Das Vorhaben sei ein „massiver Eingriff in die Natur und Landschaft“, kritisierte Steenken und sprach von wild lebenden Tieren, die sich dort befinden. „Es ist ein unheimlich sensibles Gebiet.“ Es sei die Aufgabe von Politik und Behörde abzuwägen, was die richtige Entscheidung ist, sagte der Vorstand dazu. „Die letztendliche Entscheidung liegt beim Rat und der Genehmigungsbehörde des Landkreises.“

Eine weitere Anwohnerin regte an, dass die Räume außerhalb der Öffnungszeiten für Fortbildungen oder Schulungen genutzt werden könnten. Das stieß bei Wessels auf Zuspruch. Wenn dies möglich sein sollte, „sind wir die Letzten, die ,Nein‘ sagen“.

Gegen Ende der Veranstaltung sagte Hollmann: „Sie haben die Vorarbeit für einen Bauantrag geleistet und mit den Behörden alles abgestimmt, sodass man sagen könnte: Sie können den Antrag einreichen. Es wäre dort genehmigungsfähig.“ Aus ihrer Sicht könnte das Projekt auch ein Gewinn für Dötlingen sein.

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