Pläne für interkommunales Gewerbe- und Industriegebiet bereiten Einwohnern große Sorge

In Hockensberg schreit niemand „Hurra“

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Östlich zur Straße Brakland soll das Gebiet entstehen.

Hockensberg - Von Tanja Schneider. Dass die Hockensberger es nicht einfach schlucken werden, dass vor ihrer Nase ein interkommunales Gewerbe- und Industriegebiet errichtet wird, war zu erwarten. Dementsprechend machten sie ihrem Unmut am Donnerstagabend während eines Informationsaustausches mit Bürgermeister Ralf Spille und Bauamtsleiter Uwe Kläner im Iserloyer Gartencafé Luft.

Spille erläuterte den rund 40 Einwohnern, die der Einladung des Heimatvereins gefolgt waren, die Hintergründe und Ziele des Projektes. Gemeinsam mit der Stadt Wildeshausen, der Gemeinde Prinzhöfte und mit Unterstützung der Samtgemeinde Harpstedt solle das Gebiet entwickelt werden, um neue Betriebe in die Region zu ziehen und hiesigen Firmen, die sich vergrößern möchten, Flächen vorhalten zu können. Der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen sei ein weiterer Aspekt. Natürlich gehe es auch um die Verbesserung der finanziellen Situation der Gemeinde. Bekanntlich sind die Gewerbesteuereinnahmen schon vor längerem deutlich eingebrochen. Zwar ist Dötlingen schuldenfrei. Der Ergebnishaushalt wies in den vergangenen Jahren allerdings stets ein Minus auf, das nur durch die Rücklagen gedeckt werden konnte. „Da können wir nicht den Kopf in den Sand stecken und sagen: Das wird schon wieder“, erklärte Spille.

Die Hockensberger reagierten alles andere als begeistert: „Nun sollen wir zum Wohle der Gemeinde bluten“, ärgerten sie sich. Kläner bestätigte auf Nachfrage, dass die Verwaltung sehr wohl geprüft habe, ob andere Flächen besser geeignet wären. Dies sei nicht der Fall. So mancher Einwohner wollte auch die Pro-Argumente des Bürgermeisters nicht gelten lassen. „Das sind doch Luftschlösser. Woher kommt denn der Optimismus, dass die gut 20 Hektar mit Betrieben volllaufen?“, wollten die einen wissen, während andere „Horror-Visionen“ malten. Von Firmen, die in Hockensberg Schlachtabfälle verarbeiten, bis hin zu einer immensen Ausdehnung des Gebietes reichten die Vorstellungen. „Über eine Erweiterung haben wir uns keine Gedanken gemacht“, versicherte Spille.

In Bezug auf die möglicherweise mangelnde Nachfrage erklärte er, dass man nie sicher sein könnte, ob und wann die Flächen veräußert werden. Das Risiko sei aber überschaubar und werde bei einem interkommunalen Gebiet geteilt. „Ebenso wie die Einnahmen“, wandten die Hockensberger ein. Da könne die Verwaltung doch lieber die dortigen Flächen veräußern, um die Gemeindekasse aufzubessern. Das sei laut Spille aber „etwas kurz gedacht“.

Sorgen bereiteten den Einwohnern auch die Wildeshauser. „Das Thema ist doch jetzt nur wieder auf den Tisch gekommen, weil die ihr Gebiet ‚Wildeshausen-West‘ nicht so entwickeln können wie gedacht“, hieß es. Wer wisse schon, welche Firmen dann nach Hockensberg „geschoben“ werden. Spille und auch Kläner versuchten, die Ängste zu nehmen. „Im Zuge der Bauleitplanung können wir doch Einfluss darauf nehmen, wer sich ansiedeln kann.“

Der Bauamtsleiter betonte zudem, dass „es an dieser Stelle niemals ein reines Industriegebiet geben kann – ein eingeschränktes ist möglich und auch dies nur partiell.“ Erforderlich sei dies zum Beispiel für Unternehmen, die in mehreren Schichten arbeiten wollen. Ein reines Gewerbegebiet lasse nur einen Betrieb von 6 bis 22 Uhr zu. Befürchtungen wegen möglichen Lärmes folgten prompt. Auch hier beruhigten Kläner und Spille. Im Zuge des Bauleitverfahrens, das in Gemeindehand liegt, würden solche Einflüsse genau untersucht – unter Berücksichtigung der bereits bestehenden, beispielsweise durch das benachbarte Gewerbegebiet Simmerhausen. Hierfür müsse aber zunächst ein Aufstellungsbeschluss folgen. „Und den kann der Rat frühestens im Juni verabschieden“, so Kläner. Erst dann könne die Verwaltung ein Planungsbüro damit beauftragen, einen Entwurf zu entwickelt. Bei dessen Auslegung hätten die Einwohnern Gelegenheit, Einwendungen vorzubringen.

„Wir stehen also noch ganz am Anfang“, sagte Spille. „Es ist verständlich, dass hier niemand ‚Hurra‘ schreit. Wir wollten aber frühzeitig unsere Gründe für das Vorhaben erläutern.“ Es wäre fahrlässig, wenn die Gemeinde erst an die Öffentlichkeit gehen würde, wenn alles in trockenen Tüchern ist. „Dann wäre der Aufschrei groß“, meinte Spille, der zusagte, die Hockensberger auf dem Laufenden zu halten. Zudem riet er ihnen, das Gespräch mit den Parteien zu suchen. „Die Idee ist nicht verkehrt. Wir werden uns nun beraten“, kündigte der Heimatvereins-Vorsitzende Marcus Martens an, der Spille und Kläner dafür dankte, dass sie sich den Hockensbergern gestellt haben.

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