Der Schauspieler und Sänger Christian Bormann inszeniert „Die schwarze Spinne“

Novelle wird zum packenden Erlebnis

Unglaubliche stimmliche Dynamik: Der Schauspieler und Sänger Christian Bormann wusste das Publikum zu überzeugen. 
Fotos: Rinne
+
Unglaubliche stimmliche Dynamik: Der Schauspieler und Sänger Christian Bormann wusste das Publikum zu überzeugen. Fotos: Rinne

Ostrittrum – Ein Ritter, dessen leibeigene Bauern und ein Teufelspakt: Die erste Lesung nach den Corona-Lockerungen auf dem Hof Schweers in Ostrittrum drang in faustsche Dimensionen vor. Der in Dötlingen lebende Schauspieler und Sänger Christian Bormann inszenierte die Novelle „Die schwarze Spinne“ von Jeremias Gotthelf (1797 bis 1854) als szenische Lesung. Viel Liebe zum Detail machten die vom Vortragenden bearbeitete Fassung zu einem packenden Erlebnis.

Die Rahmenhandlung beginnt mit einer Tauffeier auf einem Bauernhof. Vor dem Fachwerkgiebel mit seinem großen grünen Holztor auf dem Hof Schweers hatte Veranstalterin Gitte Grashorn passend dazu eine festlich dekorierte Tafel gestellt. Feine Tischgedecke aus Porzellan, inmitten der Tafel eine Suppenterrine, Weinflaschen, Gläser und rote Rosen auf ein weißes Tischtuch gestreut verliehen der Bühnendekoration Authentizität. Es wirkte, als würde die Taufgesellschaft jeden Moment dort Platz nehmen.

Buch in kunstvollem Einband

Stattdessen betrat Bormann die Szene und las währenddessen die ersten Sätze der unheimlichen Geschichte. Dabei hielt er nicht etwa eine schnöde Paperback-Ausgabe des Literaturklassikers in seinen Händen. Das Buch ähnelte mit seinem kunstvollen Einband eher einer alten wertvollen Bibel. Ein Querverweis zum wirklichen Autor der Novelle, Pfarrer Albert Bitzius, der sich hinter dem Pseudonym Jeremias Gotthelf verbirgt?

Bormann zog das Publikum mehr und mehr in seinen Bann. Mit zunehmender Dramatik hingen die mehr als 60 Gäste förmlich an seinen Lippen. Durch Mimik, Gestik und eine unglaubliche stimmliche Dynamik verlieh der Schauspieler den handelnden Personen einen unverwechselbaren Charakter. Raffiniert streute er kleine musikalische Bonmots ein. Mal sang der Teufel ein Trinklied, ein anderes Mal schnurrte er den Refrain einer italienischen Liebesschnulze. Keineswegs aufdringlich, eher augenzwinkernd verschmitzt. Den Zuschauern gefiel es. Sie waren nach der Lesung restlos begeistert.

Novelle mit aktuellem Bezug

Die Novelle ist ein Produkt des 19. Jahrhunderts, hat aber durchaus einen aktuellen Bezug. „Für uns heutige Menschen und angesichts vieler politischer und menschengemachter Katastrophen kann der sprachgewaltige Stoff durchaus als Metapher, Diskussionsgrundlage und zur Betrachtung dienen, ohne dass man auf Anhieb mit der angebotenen Lösung einverstanden sein muss“, so Bormann.

Für Veranstalterin Grashorn war die Lesung der Aufbruch in die Normalität, wenn auch mit Einschränkungen. „Wir vom Hof Schweers freuen uns sehr, dass die derzeitigen Lockerungen langsam wieder Kulturveranstaltungen zulassen und wir wieder Gäste auf dem Hof begrüßen dürfen. Die Idee von Christian Bormann, eine Lesung bei uns zu veranstalten, hat uns sehr gefreut und auch dazu gebracht, weitere Veranstaltungen zu planen.“ Da weiterhin größere Feiern wie Hochzeiten, die normalerweise jetzt im Sommer an jedem Wochenende stattfinden würden, nicht erlaubt seien, seien für die nächsten Wochen eine Reihe weiterer kleiner Termine unter der Linde wie Konzerte, Weinabende und so weiter vorgesehen, kündigte die gelernte Kulturmanagerin und Theaterwissenschaftlerin an.

Von Holger Rinne

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Wahlkrimi in Polen: Das Rennen zwischen Duda und Trzaskowski

Wahlkrimi in Polen: Das Rennen zwischen Duda und Trzaskowski

Totalschaden für Vettel und Ferrari bei 85. Hamilton-Sieg

Totalschaden für Vettel und Ferrari bei 85. Hamilton-Sieg

Das Motorrad fit für die Saison machen

Das Motorrad fit für die Saison machen

Diese Autos werden 2020 zu Oldtimern - Ist Ihres dabei?

Diese Autos werden 2020 zu Oldtimern - Ist Ihres dabei?

Meistgelesene Artikel

Autospiegel demoliert

Autospiegel demoliert

90-Jähriger erinnert sich an das Kriegsende

90-Jähriger erinnert sich an das Kriegsende

Signale stehen auf langsamer Fahrt

Signale stehen auf langsamer Fahrt

„Ich habe beim Lesen oft geweint“

„Ich habe beim Lesen oft geweint“

Kommentare