Nichts für Langschläfer

Seit 18 Jahren arbeitet Fred Stöver als Entsorgungsfacharbeiter für die Firma Bohmann

Fred Stöver sitzt in einem Seitenlader.
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Hat ein Leergewicht von 15,7 Tonnen: der Seitenlader.

Neerstedt – Während sich andere im Bett vielleicht noch ein- oder zweimal umdrehen, sitzt er schon im Seitenlader. Fred Stövers Arbeitstag beginnt montags bis freitags um 5.45 Uhr. Seit 18 Jahren ist er als Entsorgungsfacharbeiter für die Firma Bohmann in der Betriebsstätte in Neerstedt tätig. Um 4 Uhr klingelt sein Wecker das erste Mal. „Spätestens um 4.20 Uhr stehe ich auf“, berichtet Stöver, der mit seiner Frau zusammen in Sandhatten lebt. Das frühe Aufstehen mache ihm aber nichts aus. „Ich habe keine Probleme damit. Man gewöhnt sich dran“, sagt er und lacht, während er das 2,50 Meter breite und etwa zehn Meter lange Gefährt gekonnt durch Neerstedts Wohnsiedlungen manövriert.

Zuvor war er an diesem Montag unter anderem schon in Tungeln und Hundsmühlen in der Gemeinde Wardenburg unterwegs, um dort die Grünen Tonnen zu leeren. „Hauptsächlich mache ich Papier, aber alle 14 Tage unterstütze ich beim Restmüll“, sagt der 53-Jährige und ergänzt: „Den kompletten Landkreis Oldenburg fahre ich. Ich kenne so gut wie alles.“

Stöver ist gelernter Maurer und Betonbauer

Gekonnt steuert Fred Stöver den Seitenlader durch die Wohnsiedlungen in Neerstedt.

Auf dem Seitenlader befindet sich ein großer Container, der dort fest installiert ist. Alleine in Wardenburg habe er am Morgen um die 10,5 Tonnen Papier auf den Container aufgeladen, der danach auf dem Betriebshof in Neerstedt geleert worden ist, bevor Stöver sich auf den Weg durch Neerstedts Siedlungen gemacht hat. „Zu Weihnachten gibt es Unmengen an Papier“, weiß Stöver, der in seiner neon-orangfarbenen Arbeitshose mit Leuchtstreifen nicht zu übersehen ist.

Zwischen 1 500 und 2 000 Haushalte fahre er täglich an. Die Touren seien ziemlich dieselben. Nach so vielen Jahren seien sie bereits in seinem Kopf abgespeichert. In der Regel leere er zuerst die Tonnen an den Hauptstraßen, bevor der Berufsverkehr beginnt. Dann folgen die Schulen und Kindergärten, bevor die „Muttitaxis“ vorfahren, begründet Stöver, der vorher auf dem Bau gearbeitet hatte. „Ich bin gelernter Maurer und Betonbauer.“ Sein Schwager habe ihn jedoch mal eingeladen, ihn bei einer Tour zu begleiten. „Ich habe mir das angeguckt und fand es interessant. Fahrzeugtechnik fand ich auch immer schon interessant“, so der Sandhatter. „Ich hab bei Bohmann angefangen und bin hiergeblieben.“ Die ersten Jahre habe er aber nicht den Papier-, sondern Rest- und Biomüll abgefahren.

53-Jähriger wohnt mit seiner Frau in Sandhatten

Der Müllwagen ist mit vier Kameras ausgestattet, um das Rangieren zu erleichtern. Stöver guckt aber jedes Mal nach rechts aus dem Fenster, bevor er mit dem Joystick den Greifarm bedient. „Man kann auch über die Kamera laden, aber ich schaue lieber aus dem Fenster, weil die Kamera alles ein bisschen verzehrt. Und so sehe ich Zäune und Hecken besser“, sagt der 53-Jährige, während er den Wagen durch das Wohngebiet am Sandberg lenkt. Zudem bekommt Stöver die Zahl der Armbewegungen und den Füllstand des Containers auf einem Display angezeigt.

Um den Entsorgungsfacharbeitern die Arbeit zu erleichtern, sei es hilfreich, wenn die Anwohner ihre Tonnen paarweise zusammenstellen, denn das Fahrzeug kann zwei auf einmal nehmen. Doch damit das funktioniert, müssen die Behälter dicht nebeneinanderstehen – was nicht immer der Fall ist. In solchen Fällen nimmt der Sandhatter den Greifarm zur Hilfe und stellt sie näher zusammen.

Schulkinder winken ihm manchmal zu

Mit einem Joystick bedient Fred Stöver den Greifarm.

Da hinten bei der Schüttung ebenfalls eine Kamera angebracht ist, kann er sehen, welche Inhalte aus der Tonne ausgekippt werden- „Da gibt es auch Überraschungen“, schmunzelt Stöver. „Ich hab mal einen kompletten Satz Reifen in einer Papiertonne gehabt oder Glas, Laub und Folien“, sagt er. „Kronkorken zum Beispiel hört man, wenn die in den Container gekippt werden.“ In solchen Fällen gibt es dann entweder eine gelbe oder rote „Karte“. Wenn er im Inhalt etwas entdeckt, was nicht in die Tonne gehört, dann klebt er einen Sticker auf die Tonne, erklärt Stöver.

Nur selten muss er – beispielsweise um eine umgekippte Tonne wieder aufzustellen – bei der Fahrt aussteigen. Die meiste Zeit kann er auf der rechten Seite des Wagens sitzen bleiben. Warum ist das Lenkrad eigentlich rechts? Zum einen, um den Greifarm im Blick zu haben, zum anderen, um beim Aussteigen nicht in den Gegenverkehr laufen zu müssen, erklärt Stöver. „Es ist körperlich nicht viel, aber geistig ist es anstrengend genug“, sagt er. Eine Hilfe, zu welchem Zeitpunkt er den Joystick betätigen muss, gibt es nicht. „Da gehört ein bisschen Feingefühl zu.“

Auch wenn er alleine in seinem Wagen sitzt, sei er nicht einsam. „Wir haben Freisprechanlagen und ich telefoniere den ganzen Tag mit den anderen Fahrern“, erzählt er und lacht. Zudem komme es auch mal vor, dass ihm Kinder an Schulen zuwinken oder er mit Anwohnern ins Gespräch kommt. „Es gibt ältere Herren, die mal schnacken wollen.“ Was ihm bei seinem Job am meisten Spaß macht? „Alles.“ Dann muss er das Lenkrad wieder im richtigen Moment einschlagen, um keine Straßenlaterne zu erwischen. „Die Siedlungen sind enger geworden und die Fahrzeuge werden größer.“

Bevor er in den verdienten Feierabend geht, tankt Stöver den Wagen noch voll. Das Waschen des Fahrzeugs sowie das Kontrollieren der Reifen gehören ebenfalls zu seinen Aufgaben. Im Schnitt beendet er seinen Arbeitstag nach etwa zehn Stunden.

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