Nicole Schneider engagiert sich für rumänische Findelhunde

Von der Tötungsliste ins „RuFi-Mobil“

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Seit sechs Jahren ist Nicole Schneider aktive Tierschützerin. Sie engagiert sich im Verein „Rumänische Findelhunde“, fungiert dort als stellvertretende Vorsitzende und ist als Pflegestelle gemeldet.

Neerstedt - Von Tanja Schneider. Es war der eine Augenblick in ihrer Kindheit, in dem Nicole Schneider beschloss: „Wenn ich groß bin, dann helfe ich Tieren.“ Damals hatte die Neerstedterin in Rumänien beobachtet, wie ein Wirt einen bettelnden Welpen vor seinem Restaurant einfach wegtrat. Als kleines Mädchen konnte sie nicht viel ausrichten. Heute sieht es anderes aus. Seit gut sechs Jahren ist Schneider aktive Tierschützerin. Mit Gleichgesinnten rief sie vor rund einem Jahr die Initiative „Rumänische Findelhunde“ (RuFi) ins Leben, die seit Juni ein eingetragener Verein ist. Dort fungiert sie als stellvertretende Vorsitzende.

„Da mein Stiefvater aus Rumänien stammt, war ich als Kind häufiger dort. Ich fand die Umstände, unter denen viele Hunde da leben, immer schrecklich“, erinnert sich die 37-Jährige, die vor rund einem halben Jahr mit ihrer Familie von Asendorf (Landkreis Diepholz) nach Neerstedt zog und mit Hunden aufgewachsen ist. Vor gut sechs Jahren begann Schneider, sich im Verein „Tierhilfe International Bremen“ zu engagieren, aus dem RuFi hervorgegangen ist. „Ich bewarb mich als Pflegestelle“, erzählt sie. Nach einigen Überprüfungen, unter anderem ist ein Sachkundenachweis erforderlich, nahm sie ihren ersten Pflegehund aus Rumänien auf. „Einen Schnauzer, er blieb zwei Wochen“, weiß sie noch.

Anderen Vierbeinern bietet sie für bis zu drei Monate ein Domizil auf Zeit. „Unser Ziel ist es natürlich, den Hunden schnell ein dauerhaftes Zuhause zu vermitteln“, erklärt Schneider. Über die Vereins-Homepage wird deshalb versucht, möglichst schon vor der Ankunft der Hunde in Deutschland neue Besitzer zu finden. „Wer sich für eine Pflege meldet, sollte sich also bewusst sein, dass man die Tiere wieder abgeben muss“, so Schneider. Als hätte er es gehört, macht Chihuahua-Dackel-Mix „Baby“ auf sich aufmerksam. „Ja, er durfte bleiben – ebenso wie ,Balu‘“, gesteht die 37-Jährige. „,Baby‘ wollte partout nicht mehr umziehen.“

RuFi zählt derzeit 16 Mitglieder und kann auf zehn feste Pflegestellen in Oldenburg, Verden, Bremen und Nienburg zurückgreifen. Diese sind auch erforderlich, denn laut Schneider trifft etwa alle vier Wochen ein Transport aus Rumänien mit bis zu 15 Hunden ein, die dann die Chance auf ein besseres Leben haben. „Es sind ausschließlich gesunde Tiere“, betont sie. Die Hunde würden in Rumänien tierärztlich untersucht, geimpft, gechipt und gegebenenfalls entwurmt oder auch kastriert. Kranke Tiere erhielten keine Ausreisegenehmigung. Zudem sind es meist junge und attraktive Hunde, weil sie sich besser vermitteln ließen. Das hört sich im ersten Moment zwar hart an. Durch die Schutzgebühr, die RuFi von den neuen Besitzern nimmt, könnten aber wiederum alte und kranke Tiere in Rumänien unterstützt werden. Daneben erspare der Verein auf diese Weise Hunden, die schlechte Vermittlungschancen haben, den Transportstress. „Immerhin sind die Tiere rund 24 Stunden unterwegs und echt k.o., wenn sie hier ankommen“, weiß Schneider.

Die Vierbeiner haben meist schon ein Martyrium hinter sich, in Rumänien auf Müllkippen oder nur in Zwingern gelebt und oft Gewalt erfahren. Wer es ins „RuFi-Mobil“ nach Deutschland schafft, kommt aber nicht direkt von der Straße. „Wir arbeiten eng mit rumänischen Tierschützern zusammen, unter anderem mit Christina Blaj, die die Hunde auf ihrem Grundstück in Timisoara betreut und schaut, wer für die Ausreise infrage kommt“, informiert Schneider, die Blaj großen Respekt zollt. „Sie versorgt allein etwa 150 Hunde. Da gehört schon sehr viel Herzblut zu.“

Der Verein RuFi unterstützt nicht nur, indem er Hunde nach Deutschland holt und vermittelt. Regelmäßig fließen auch Geld-, Futter- oder Sachspenden nach Rumänien. Mal wird eine Wagenladung Kies finanziert, die auf das Gelände der Unterkunft aufgebracht wird, damit die Tiere nicht im Matsch stehen müssen, mal wird Spielzeug für die Hunde gesammelt.

Vereinsmitglieder derzeit in Timisoara

„Vor Weihnachten hatten wir eine Schuhkarton-Aktion. Unser Vorsitzender Rolf Kleemann und Kassenwartin Gaby Dziuballe sind dann am ersten Weihnachtstag nach Rumänien gefahren und haben die Geschenke für die Hunde übergeben“, so Schneider. Auch Silvester feiern sie noch bei Blaj. Die Rumänin sammelt die Vierbeiner buchstäblich von der Straße auf und päppelt sie hoch. Manchmal findet sie einen zugeknoteten Müllsack voller Welpen, an anderen Tagen werfen Unbekannte einfach Tiere über ihren Zaun. „Teilweise sind es Rassehunde, die für die Zucht nicht mehr zu gebrauchen sind und daher keinen Wert mehr für die Züchter haben“, weiß die Neerstedterin.

Sorgen bereitet den RuFi-Mitgliedern seit Monaten die geplante Schließung des Shelters, wie rumänische Tierheime genannt werden, in Mizil. „150 bis 200 Hunde stehen dort auf der Tötungsliste“, berichtet Schneider. „Wir versuchen, möglichst viele auf das Grundstück von Blaj zu retten.“ Bei gut 50 Hunden ist dies bereits gelungen. Sie werden momentan noch tierärztlich versorgt und sollen bald die Reise nach Deutschland antreten.

Knapp 100 Hunde hat RuFi mittlerweile schon vermittelt. Mit den neuen Besitzern erfolgen vorab Gespräche, um zu prüfen, ob Tier und Mensch zusammenpassen. Ein erstes Kennenlernen findet in der Pflegestelle statt. „Viele der Hunde sind aufgeschlossen, andere aufgrund ihrer Vorgeschichte eher ängstlich und schüchtern“, erzählt Schneider. Der Verein versucht deshalb schon im Vorfeld, das Naturell des Hundes detailliert zu beschreiben. Denn während die einen Ruhe mögen, eignen sich die anderen eher für Familien mit Kindern.

Nach der Vermittlung, für die der Verein eine Schutzgebühr von 325 Euro nimmt, um Kosten wie für den Transport zu decken, bleibt der Kontakt oftmals bestehen. Die Vereinsmitglieder unterstützen in der Eingewöhnungsphase und fungieren auch anschließend noch als Ansprechpartner. Auf der Homepage veröffentlicht RuFi Tipps zum Umgang mit Hunden – von der Zahnpflege bis hin zu Ratschlägen für ängstliche Tiere. Daneben bietet der Verein auch mal gemeinsame Spaziergänge und Seminare an.

Derzeit sucht RuFi jede Menge Helfer – von Gassi-Gängern bis hin zu Fahrern. Auch weitere Pflegestellen, Futter- und Sachspenden werden benötigt. Wer den Verein finanziell unterstützen möchte, kann einen Betrag auf das Konto „Rumänische Findelhunde/Rolf Kleemann“ überweisen (IBAN: DE61256635840022406500). Möglich sind eine allgemeine Zuweisung oder die Spende für einen bestimmten Verwendungszweck wie „Mizil“.

Alle weiteren Informationen über den Verein, die zu vermittelnden Hunde und Hilfsmöglichkeiten gibt es auf der RuFi-Homepage.

www.rumaenische-findelhunde.de

Sie suchen ein Zuhause

Nils ist sehr verspielt und verschmust, mag Menschen, Kinder und andere Hunde.

RuFi sucht derzeit ein neues Zuhause für Nils  und Luna. Nils wurde vor gut anderthalb Jahren geboren. Er ist sehr verspielt und verschmust, mag Menschen, Kinder und andere Hunde. Anfangs ist er etwas ängstlich. Nils ist kastriert und ebenso wie Luna entwurmt, geimpft und gechipt.

Die Mischlingshündin Luna wurde erst im März geboren und lebt aktuell bei einer Pflegefamilie in Ganderkesee.

Die Mischlingshündin Luna wurde erst im März geboren und lebt aktuell bei einer Pflegefamilie in Ganderkesee. Interessierte können sich bei Nicole Schneider melden, Telefon 04432/2479985, E-Mail Nicole.Schneider@rumaenische-findelhunde.de.

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