Neerstedter Jugendhaus steht nun auch den Flüchtlingen offen

Lockeres Miteinander

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Gemeinsam spielen und voneinander lernen: Im Neerstedter Jugendhaus sind auch Flüchtlinge willkommen.

Neerstedt - Von Sophie Filipiak. Im Jugendhaus in Neerstedt herrscht wie jede Woche einiger Trubel. Die Kinder sind versammelt und essen gemeinsam. Jugenddiakon Jochen Wecker muss einige zwar zur Ordnung rufen, aber es hält sich in Grenzen. Am Nebentisch ist es ruhiger. Dort sitzen sieben junge Männer und genießen ihr Abendessen. Fynn Hülsmann, der in der Einrichtung mit anpackt, unterhält sich mit ihnen – auf Englisch, denn die Gäste sprechen noch kaum Deutsch.

Seit einer Woche ist das Jugendhaus nicht nur für Kinder und Jugendliche ein Treffpunkt, sondern auch für Flüchtlinge. „Die Idee ist eigentlich ja naheliegend“, erklärt Wecker. Das Jugendhaus stand schon immer für alle offen, jetzt eben auch für Asylbewerber: „Hier herrscht eine Willkommenskultur, Unterschiede waren noch nie wichtig.“

Der Jugenddiakon ist begeistert, wie schnell sich die jungen Männer, die zwischen 20 und 28 Jahre alt sind, integriert haben.

„Es geht ja auch um die spannende Frage, ob sich Kinder und Erwachsene vertragen“, so Wecker. Das Abendessen ist mittlerweile beendet. Die Gäste spielen entweder am Kickertisch oder sitzen gemütlich auf der Couch.

Der siebenjährige Bjarne nutzt den Moment, um Karam das Käppi vom Kopf zu „klauen“. Der 25-Jährige lächelt und macht sich auf die Verfolgungsjagd. „Bjarne! Gib ihm die Mütze zurück!“, spricht seine Mutter Sandra Horn ein Machtwort.

Für sie ist es kein Problem, dass die Kinder zusammen mit den Flüchtlingen spielen: „Das Thema Krieg und Flucht beschäftigt unsere Kinder schon sehr.“ Im Fernsehen haben sie gesehen, wie Syrien unter den Folgen des Bürgerkrieges zu leiden hat. „Da haben sie schon schwer geschluckt“, meint Horn.

Bjarne geht ungezwungen mit den jungen Männern um. „Es ist nur schade, dass sie eine andere Sprache sprechen“, meint der Siebenjährige. „So können sie uns nicht sagen, was sie brauchen und was sie möchten. Das könnten wir sonst für sie organisieren.“ Als seine Mutter das hört, streichelt sie ihm stolz über den Kopf.

Karam hat mittlerweile sein Käppi wiederbekommen und spielt mit der neunjährigen Alina. Der junge Syrier verbringt gerne Zeit im Jugendhaus. „Die Menschen hier sind sehr nett“, erklärt er. Ein wenig Deutsch habe er auch schon gelernt.

Der kameradschaftliche Umgang mit Wecker und Fynn lässt ihn seine Sorgen vergessen. Er und die anderen Flüchtlinge warten auf ihre Aufenthaltserlaubnis, ohne die sie nicht arbeiten gehen können. „Wir empfinden es als Schande, von der Regierung Geld zu erhalten“, sagte er. „Wir wollen alle arbeiten.“

Fynn räumt derweil den Geschirrspüler ein. „Die Flüchtlinge helfen viel mit, decken den Tisch oder räumen auf“, meint er. In der vergangenen Woche waren Karam und die anderen das erste Mal da.

„Gleich am nächsten Tag haben sie uns zu sich eingeladen, und nächste Woche will Karam für uns syrisch kochen.“ Viele seiner Freunde hätten Vorurteile gegenüber Asylbewerbern, so Fynn. „Ich finde das nicht gut. Ich sage dann immer: Kommt vorbei und redet mit ihnen! Das sind alles nette Menschen.“

Die jungen Männer und er sind in der kurzen Zeit schon richtige Kumpels geworden. Jochen Wecker löst Fynn beim Geschirrspüler ab. „Geh und spiel eine Runde Billard!“, sagt er zu ihm. Der Jugenddiakon ist von dem neuen Konzept „Flüchtlinge willkommen“ mehr als begeistert. „Wir müssen zwar noch etwas mehr Struktur reinbringen, aber der Anfang war schon richtig klasse.“

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