3,37 Promille und kein Führerschein

Bewährungsstrafe nach vorsätzlichem Vollrausch

Neerstedt/Wildeshausen - Von Tanja Schneider. „Das muss sofort aufhören“, betonte am Dienstagvormittag die Richterin am Amtsgericht Wildeshausen und verurteilte einen Neerstedter wegen vorsätzlichen Vollrausches nicht nur zu einer Bewährungsstrafe von vier Monaten. Sie ordnete außerdem ein Fahrverbot von zwölf Monaten, den Einzug seines Autos sowie die Teilnahme an mindestens fünf Suchtberatungsgesprächen innerhalb eines halben Jahres an.

Der 41-jährige Angeklagte war Mitte August vergangenen Jahres sturzbetrunken Auto gefahren – und das nicht zum ersten Mal. 2016 war er schon wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr und im April 2017 wegen vorsätzlichen Vollrausches jeweils zu Geldstrafen sowie einem Fahrverbot verurteilt worden. In beiden Fällen hatte er gut drei Promille Alkohol im Blut. Und auch nach der Fahrt im August konnten wieder 3,37 Promille nachgewiesen werden. Da er aufgrund dieses hohen Wertes zum Tatzeitpunkt schuldunfähig, ihm aber dennoch bewusst war, dass er keine Fahrerlaubnis hatte, wurde wegen vorsätzlichen Vollrausches verhandelt. Der Angeklagte räumte sein Vergehen auch umfänglich ein. „Ich habe Blödsinn gemacht. Ich habe getrunken und mich dann ins Auto gesetzt“, gestand er.

Mit seinem Wagen war der 41-Jährige in der Gemeinde Dötlingen unterwegs gewesen. Da er in Schlangenlinien gefahren war, hatte eine Zeugin die Polizei gerufen. Die Beamten hatten das Fahrzeug schließlich auf der Huntloser Straße entdeckt, wo ihnen der Angeklagte auf ihrer Spur entgegenkommen war. Die Aufforderungen zum Stoppen hatte der Neerstedter nach eigener Aussage nicht bemerkt, sodass die Beamten ihn erst in seiner Hofauffahrt stellen konnten. Dort hatte er einen Atemalkoholtest sowie die Aushändigung von Papieren verweigert und sich an den Polizisten vorbei in sein Haus gedrängelt. Erst nachdem Verstärkung eingetroffen war, konnte er in Richtung Wache abgeführt werden, wo er sich ebenfalls wenig kooperativ gezeigt hatte.

„Eigentliches Problem nicht erkannt“

Sowohl Staatsanwalt als auch Richterin machten dem Angeklagten deutlich, dass eine Alkoholgewöhnung vorliegen muss, wenn man in der Lage ist, mit 3,37 Promille in ein Auto zu steigen. „Sie scheinen das eigentliche Problem aber noch nicht erkannt zu haben“, befürchtete die Richterin – auch, weil der Neerstedter angab, nicht regelmäßig zu trinken. Angesichts der noch nicht so lange zurückliegenden Taten unter Alkoholeinfluss und dem Umstand, dass die Geldstrafen als Warnung offensichtlich nicht ausreichten, plädierte der Staatsanwalt für die Bewährungsstrafe. Die Richterin schloss sich dem an. Sollte sich der Angeklagte in den kommenden drei Jahren etwas zuschulden kommen lassen, muss er für vier Monate ins Gefängnis.

„Das Auto ist weg, und wenn Sie ihren Führerschein zurück möchten, müssen Sie zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU)“, so die Richterin, die dem Angeklagten nicht nur deshalb eine Therapie nahelegte. „Solche Geschichten können ganz schlimm ausgehen – für Sie oder auch für andere Verkehrsteilnehmer. Suchen Sie sich Hilfe, und hören Sie auf zu trinken“, appellierte sie an den Familienvater.

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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