Die ersten „Zimmer“ hängen

Der ehemalige Schlauchturm am Neerstedter Rathaus wird zum Tierhotel: 

Neerstedt – Von Tanja Schneider. Der ehemalige Schlauchturm am Neerstedter Rathaus verwandelt sich in ein Tierhotel. Hierfür bringt der Nabu Nistkästen für Spatzen, Schwalben und Fledermäuse an.

„Kannst du nicht noch ein bisschen höher?“, ruft Rolf Scheller. Willy Zerhusen, der sich mittels Steiger schon meterweit nach oben gewagt hat, schüttelt den Kopf. „Nein, weiter geht es nicht“, antwortet er seinen Mitstreitern von der Nabu-Ortsgruppe Dötlingen-Wildeshausen. In Ansprache mit der Gemeinde Dötlingen haben die Naturschützer am Mittwoch begonnen, den ehemaligen Schlauchturm am Neerstedter Rathaus in ein Tierhotel zu verwandeln. Zu dritt und mit einem Anhänger voller Nistkästen sind sie am Mittag vorgefahren, haben das Werkzeug ausgepackt und erst einmal geschaut, wo die Behausungen ihren Platz finden sollen.

„Die Spatzen fühlen sich eigentlich in jeder Höhe wohl“, sagt Zerhusen. Da die Singvögel gerne in der Kolonie brüten, haben die Nabu-Mitglieder vier „Mehrfamilienhäuser“ mitgebracht. Während Volker Kuhlmann die Leiter aufstellt und den ersten Kasten installiert, bringt der Haus- und Leitungswart der Gemeinde, Heiner Ulrich, den Steiger in Position.

Willy Zerhusen, Volker Kuhlmann und Rolf Scheller (v.l.) haben die ersten Nistkästen angebracht.

Die Idee zur Einrichtung des Tierhotels existiert schon lange. Bereits im Februar vergangenen Jahres war dem Umwelt- und Energieausschuss ein entsprechendes Konzept vorgestellt worden. Die Politik hatte daraufhin ein Budget in Höhe von 1 000 Euro genehmigt und eine Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren des Nabu empfohlen. Die Absprache ist geglückt. „Wir haben nun eine Art Starter-Set besorgt“, berichtet Zerhusen.

Neben den Spatzenbehausungen enthält es vier Einzelkästen für Meisen, vier Domizile für Halbhöhlenbrüter wie Bachstelzen und Rotkehlchen, zwei Staren- sowie vier Fledermauskästen. Für Mehlschwalben gibt es zwölf Behausungen. Hinzu kommen acht Exemplare für Rauchschwalben, die das Trio nicht außen, sondern im Inneren des Turmes anbringen will. „Später sollen dort auch noch Winterquartiere für Fledermäuse entstehen“, erzählt Zerhusen.

Volker Kuhlmann bei der Arbeit: In einer geschützten Ecke des Schlauchturmes bringt er die „Mehrfamilienhäuser“ für Spatzen an.

Noch nicht geliefert wurden die Mauersegler-Unterkünfte, die wie die Mehlschwalbennester direkt unter den Sims sollen. „Denn die Mauersegler fliegen ihr Domizil gerne von unten an und benötigen dafür etwa sechs Meter Platz“, wissen die Naturschützer. Wie auch Schwalben suchen sie ab Mai Brutplätze. „Meisen sind früher dran“, berichten sie. Bedenken, dass sich die Tiere untereinander nicht vertragen könnten, haben sie nicht: „Das ist kein Problem.“

Um sämtliche Kästen zu befestigen, braucht das Trio ein paar Tage. Zudem möchten die Nabu-Mitglieder im Frühjahr noch Domizile für Turmfalken und Eulen bauen. Läuft das Tierhotel, ist eine Erweiterung denkbar. Die Ehrenamtlichen sind gespannt, welche Vögel einziehen. „Alle Behausungen werden sicherlich nicht besetzt“, sagt Zerhusen, bevor er mit einem weiteren Mehlschwalbenkasten in den Steiger klettert.

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