Nach einem schwierigen Jahr stabilisieren sich Gästezahlen im Schullandheim

„Die Kinder sind unsere Motivation“

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Angela und Henry Brüggemann leiten das Schullandheim seit über 20 Jahren.

Dötlingen - Von Tanja Schneider. „Ich finde alle Kinder aus Deutschland sollten mal hierher kommen“, meint der Huchtinger Schüler Mathies und grinst. Den Leitern des Bremer Schullandheimes in Dötlingen, Angela und Henry Brüggemann, geht das Herz auf. „Deshalb lohnt es sich, jeden Morgen aufzustehen“, sagen sie. Nach einem wirtschaftlich äußerst schwierigen Jahr 2014, nachdem sogar eine Schließung im Gespräch war, schauen die Dötlinger inzwischen wieder etwas hoffnungsvoller in die Zukunft. Im Jubiläumsjahr, das Schullandheim wird 80, scheinen sich zumindest die Belegungszahlen zu stabilisieren.

„Der Klassenfahrtenboykott der Lehrer hat uns im vergangenen Jahr hart getroffen. Wir hatten einige Stornierungen“, erzählt Henry Brüggemann. Die Folge war ein Einbruch der Übernachtungszahlen auf rund 5600. „Wir benötigen aber 6500 bis 7000 im Jahr, um den Betrieb aufrecht zu erhalten“, sagt er. Neben dem Gästeeinbruch setzen den Brüggemanns und dem Bremer Schullandheim Verein mit den zwei Trägerschulen in Bremen auch notwendige Investitionen zu. Bereits in diesem Jahr waren Arbeiten am Abwasserkanal sowie die Entfernung von Totholz notwendig. Zudem musste der Spielplatz aus Sicherheitsgründen erneuert werden. „Ohne Spendengelder und Unterstützung wäre dies gar nicht möglich gewesen“, sagen Brüggemanns, die ihren Dank an alle Freunde des Schullandheimes, an Einwohner, die örtliche Feuerwehr, die Firma Rainer Spille und die Gemeinde richten.

Laut den Schullandheim-Leitern ist es mit den nun durchgeführten Arbeiten noch nicht getan. „Seit dem Wiederaufbau nach dem großen Brand im Jahr 1989 gab es eigentlich keine richtige Renovierung mehr“, berichtet Angela Brüggemann. Das Mobilar sei dementsprechend schon 25 Jahre alt, die sanitären Anlagen, die damals nicht vom Feuer zerstört wurden, sogar schon 40. „Hier gibt es also immer irgendetwas, das saniert oder repariert werden muss“, meint sie.

Andererseits sei es gerade das alte Gemäuer, was den Charme des Dötlinger Schullandheimes ausmacht. Nicht ohne Grund verwandelte sich das Gebäude unter anderem schon in die Zauberschule Hogwarts und wurde zum Schauplatz von Harry-Potter-Rollenspielen. Während die einen das historische Gebäude und die Einbettung in den Künstlerort reizvoll finden, hadern andere mit der schlichten und eher praktischen Ausstattung. „Vor allem Kinder werden immer anspruchsvoller. Viele sind den All-inclusive-Urlaub mit ihren Eltern gewohnt und wundern sich, dass sie hier nun ihr Bett selbst beziehen müssen“, erklärt Henry Brüggemann. Dass sie im Schullandheim zudem auf Computerspiele und Internet verzichten müssen, falle nicht allen leicht.

Die Schullandheime seien damals aber auch nicht gegründet worden, um dem Nachwuchs eine luxuriöse Woche zu bescheren. Ziel ist die Förderung des Klassenzusammenhaltes und des Gemeinschaftssinnes. „Dieser ist in den vergangenen Jahren leider etwas verloren gegangen“, so Henry Brüggemann. Für manche Kinder sei es mittlerweile schon schwierig, so lange am Tisch sitzen zu bleiben, bis alle aufgegessen haben.

Damit nun kein falscher Eindruck entsteht: Die Brüggemanns schätzen die jungen Besucher. „Kinder sind die ehrlichsten Gäste. An ihnen können wir uns messen“, sagen sie. „Und viele motivieren uns auch.“

Neben den Schulklassen, die 70 bis 80 Prozent der Belegung ausmachen, gehören auch Konfirmanden-Gruppen und Vereine zu den Gästen – manche bereits seit Jahrzehnten. So kommen die Musiker vom Spielleute-Orchester Tura Bremen seit mehr als 30 Jahren immer im Januar, um in Ruhe proben zu können. „Die meisten Gruppen sind aus Bremen und Niedersachsen, erstaunlich wenige stammen aus der Umgebung. Das ist schon schade“, sagen Brüggemanns, die im Schullandheim als Mädchen für alles fungieren und neben den Leitungsaufgaben auch für die Reinigung des Hauses, die Pflege des Außengeländes und die vier Mahlzeiten am Tag sorgen. „Das ist ein Fulltime-Job“, sind sich beide einig und wollen gerade erzählen, dass das nicht immer leicht ist, als Mathies um die Ecke biegt und das Mittagessen lobt. „Ich sag doch: Die Kinder sind unsere Motivation“, so Henry Brüggemann.

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