Negatives Verhalten gegenüber dem Personal

Corona-Ärger in der Nordwestbahn: „Teils wird nur Mundbedeckung getragen“

Eine Anzeigetafel an einem Bahnhof.
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In Zügen und Bahnhöfen herrschen weiterhin Maskenpflicht und Abstandsregeln.
  • Katia Backhaus
    vonKatia Backhaus
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Die Maskenpflicht sorgt laut Auskunft der Nordwestbahn für „deutlich mehr negatives Verhalten“ gegenüber dem Zugpersonal. Mehrmals am Tag müssten Passagiere auf die geltenden Regeln hingewiesen werden. Wie erleben Menschen aus der Gemeinde Dötlingen das Zugfahren in Coronazeiten?

Brettorf – Aus der digitalen Hinweistafel am Bahnhof Brettorf, die normalerweise nur die Zeit und die Verbindungsinformationen anzeigt, ist eine Mahnerin geworden: „Halten Sie Abstand! Bitte tragen Sie eine Mund-Nasen-Bedeckung!“ läuft in orangefarbenen Buchstaben über das Display. Seit drei Monaten gilt, dass nur in einen Zug einsteigen darf, wer eine Alltagsmaske trägt. Doch wie gut klappt das – jetzt, wo die Infektionszahlen gesunken und die Corona-Pandemie hierzulande nicht mehr so ein großes Thema zu sein scheint wie noch vor einigen Wochen?

Am Brettorfer Bahnsteig ist die Akzeptanz für die Vorgaben während der Corona-Krise in Niedersachsen hoch, die Erfahrungen aber sind gemischt. „Die Maske gehört ja gerade zum Leben dazu“, findet René Alexander Hautau. Der Bremer hat seine Eltern in Dötlingen besucht. Täglich zu pendeln oder eine längere Strecke mit dem Zug zu fahren, kann er sich allerdings nicht so gut vorstellen. „Es ist okay, aber wenn die Lüftung nicht an ist, ist es nicht angenehm“, kommentiert Delia Mathieu, die zu einem Besuch nach Brettorf gefahren ist. Wie sich die Maske bei hohen Temperaturen anfühlt, weiß auch der Brettorfer Pascal Roesener: „Erstickend.“

Nordwestbahn-Maskenpflicht: Viele lassen die Nase rausgucken

„Ich sehe immer mal wieder Leute, die die Maske nicht richtig aufsetzen“, berichtet Andreas Gärtner. Der Dötlinger pendelt täglich mit der Nordwestbahn zu seiner Arbeitsstelle in Bremen. „Was häufig vorkommt, ist, dass die Leute die Nase raushängen lassen“, bestätigt Anna Agresti aus Aschenstedt. Sie sei daran gewöhnt, auch für längere Zeit eine Maske zu tragen, weil sie in einer Pflegeeinrichtung arbeite. Auch aus diesem Grund sieht sie es ungern, wenn andere die Regeln nicht beachten.

Die Nordwestbahn registriere derzeit jeden Tag mehrere Verstöße, teilt das Unternehmen auf Nachfrage mit. „Wir müssen die Fahrgäste immer wieder darauf hinweisen. Teils wird nur Mundbedeckung getragen.“ Manche suchten auch nach Möglichkeiten, die Vorgabe zu umgehen: „Die Fahrgäste werden erfinderisch und sind sehr lange mit dem Essen und Trinken beschäftigt, sodass die Maske nur wenig getragen wird“, erläutert Pressesprecher Steffen Högemann. Zudem sei zu beobachten, dass im Vergleich zur Vor-Coronazeit weniger Fahrgäste unterwegs sind, die Zahl der Anfeindungen gegenüber dem Zugpersonal jedoch gleichbleibe. „Die Maskenpflicht beziehungsweise die Fahrgäste, die sich nicht daran halten, sorgen also für deutlich mehr negatives Verhalten“, schlussfolgert Högemann.

Nordwestbahn darf die Leute trotz Verstößen nicht rauswerfen

Pascal Roesener hat einige solcher Szenen miterlebt. Er pendelt regelmäßig nach Bremen. „Meist waren das Jugendliche, die von der Regelung noch nichts mitbekommen hatten. Dann gab es ziemlich großes Theater“, erzählt er. Für die Nordwestbahn sei es schwierig, einzuschreiten, heißt es aus der Pressestelle: „Wir weisen immer wieder darauf hin, haben aber keine Befugnis, die Menschen des Zuges zu verweisen. Wir sind in der Situation, anders als beim Schwarzfahren, leider der zahnlose Tiger.“

Beim Thema Abstand könnte das Nahverkehrsunternehmen allerdings etwas tun, findet Anita Siemers aus Bremen. Sie hat ihre Schwester in Brettorf besucht und würde sich wünschen, dass Sitze gesperrt würden, um ein deutliches Signal für die Einhaltung des Mindestabstands zu setzen. Mehr Platz in der Bahn würde auch Anna Agresti befürworten. Gerade in den Pendlerzügen, mit denen sie ab und zu fahre, werde es eng, sagt sie. „Ich finde, die Nordwestbahn könnte mehr Raum zur Verfügung stellen. Zwei Waggons bräuchte man mindestens.“

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