Müll-Hotline Neerstedt: Der Ton wird rauer

Sperrmüll
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Wer auf einen Sperrmülltermin lange warten muss, reagiert mitunter mit Unverständnis, berichtet Moritz Bruns von der Bohmann-Gruppe.

Wenn die Tonne nicht geleert wird oder der Sperrmüll noch wochenlang im Keller stehen bleiben muss, ist der Frust bei vielen offenbar groß. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie steigt die Zahl von teilweise beleidigenden Anrufen bei der Müll-Hotline der Firma Bohmann in Neerstedt.

Neerstedt – Manchmal wird ein Anruf von der Müll-Hotline zu Moritz Bruns durchgestellt. Der operative Betriebsstättenleiter des Bohmann-Entsorgungsstandorts in Neerstedt weiß, was das bedeutet: Jemand hat sich so aufgeregt, dass die vier Beschäftigten, die die Hotline betreuen, nicht mehr damit umgehen konnten oder wollten. Ihm sei es wichtig, seine Leute zu schützen, sagte Bruns. Deshalb habe er angeboten, die besonders schwierigen Fälle zu übernehmen. „Bei ganz vielen Bürgern hört der Spaß bei der Müllentsorgung auf.“

Jeden Tag zwischen 7 und 17 Uhr, montags bis freitags, kommen laut Bruns im Schnitt 600 Anrufe bei der Hotline an. Drei Vollzeit- und eine Teilzeitkraft kümmern sich darum. Schon in normalen Zeiten sei das kein einfacher Job: „Tendenziell ist immer die Müllabfuhr schuld.“ Auch, wenn jemand seine Tonne etwas zu spät rausgestellt hat. Doch in den vergangenen zehn Monaten, seit Beginn der Coronakrise, sei der Ton noch einmal schärfer geworden. „Man merkt, dass viele Menschen angespannt sind“, findet Bruns.

Anrufer fragten, ob die Fahrer betrunken seien

Dann fielen auch Beleidigungen. Ob sie nicht ganz dicht seien, ob die Fahrer betrunken seien, ob überhaupt jemand bei Bohmann seinen Job richtig machen könne – „es gibt nichts, was wir nicht hören“, sagt der Betriebsstättenleiter. Natürlich unterlaufe den Müllwerkern mal ein Fehler, sei irgendwann auch am eigenen Ende der Leitung der Ton nicht mehr so freundlich wie morgens. Das sei keine Frage. „Aber wir arbeiten hier alle nach bestem Wissen und Gewissen.“

Besonders viele Anrufe gebe es, wenn sich etwas ändere, berichtet der Betriebsstättenleiter. Als der Entsorger Anfang Oktober damit begann, die neuen gelben Tonnen an die Haushalte im Landkreis Oldenburg zu verteilen, sei direkt am ersten Tag ein Anruf gekommen: Wann denn geleert würde. Später fragten die Leute, wann sie ihren Behälter erhalten würden. Informationen, die in der Presse oder über den Landkreis verbreitet worden waren, hätten sie nicht erreicht. „Da war dann absolutes Unverständnis“, schildert Bruns.

Derzeit seien viele Menschen angespannt und dünnhäutig, das sei auch an der Hotline zu spüren, sagt Ingo Helmers, Geschäftsführer der Bohmann-Gruppe.

Auch Sperrmüll sei seit Beginn der Pandemie ein Thema. Viele Menschen nutzten die Zeit, um zu entrümpeln oder investierten ihr Urlaubsgeld in neue Möbel, sagt der Betriebsstättenleiter. „Es sind deutlich mehr Abholanfragen eingegangen, und es kommen deutlich mehr Nachfragen, wann die Abholung ist.“ Aktuell könne es bis zu acht Wochen dauern, bis ein Termin frei sei.

Der Landkreis ist kein Sonderfall

Dieses Problem kennt auch Ingo Helmers, einer der beiden Geschäftsführer der Bohmann-Gruppe. Dass die Menschen, die bei den Hotlines der Entsorger anrufen, zunehmend gereizter und dünnhäutiger reagierten, sei nicht nur im Zuständigkeitsgebiet der Betriebsstätte Neerstedt der Fall, sagt er. In den Landkreisen Ammerland, Cloppenburg, Friesland und Leer, in denen das Unternehmen die Abfuhr des Hausmülls erledigt, berichteten die Beschäftigten der Hotlines Ähnliches.

Früher seien von 50 Anrufen zwei unter die Gürtellinie gegangen, jetzt seien es zehn von 50. Der Grund ist Helmers Ansicht nach die Coronakrise. Deshalb rechnet er auch nicht so bald mit einer Verbesserung: „Dieses Jahr wird genau so weiterlaufen.“

Wenn die Tonne erfolgreich geleert ist, ruft niemand an

Bruns wünscht sich für die Zukunft, „dass man erst einmal Rücksprache hält, bevor man mit dem Hammer draufhaut“. Vieles lasse sich im Gespräch erklären und regeln. Außerdem appelliert er an die Anrufenden, daran zu denken, dass sie nicht die einzigen Menschen im Landkreis sind. Zehn große und zwei kleine Fahrzeuge seien jeden Tag unterwegs, um den Abfall einzusammeln. „Das sind mehr als 20.000 Tonnen, die wir leeren. Und wenn dann mal fünf oder zehn stehen bleiben, rufen nicht die 19.995 an, bei denen es geklappt hat.“

Mit einer gewissen Sorge blickt der Betriebsstättenleiter deshalb auch auf die Wettervorhersage für die kommenden Tage. Große Mengen an Neuschnee könnten am Wochenende in Niedersachsen anfallen. „Wie viel Verständnis ist bei den Menschen da, wenn wir am Montag oder Dienstag nicht den Sperrmüll abholen?“

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