Volkshochschule bietet Naturerlebniswoche für Kinder in Dötlingen an / Zum Programm gehören Kunst und Bildung

„Moos wächst nur auf der Nordseite“

Beim Naturerlebnis-Camp herrscht gute Stimmung. Alle Kinder sind mit Feuereifer bei der Sache, zum Beispiel beim Weiderinde-Ernten.

Dötlingen - Anton strahlt: „Ich habe einen Frosch gefunden.“ Behutsam hebt er ihn mit beiden zu einem Teller geformten Händen vom Boden und hält ihn nah an sein Gesicht, um ihn besser betrachten zu können. Die Augen Antons funkeln und schnell hat sich ein Traube aus Kindern um ihn versammelt. Ein Frosch kann also doch verzaubern.

Es ist der zweite Tag des viertägigen Naturerlebnis-Camps für Kids, in dem 36 Kinder zwischen zehn und 15 Jahren Wissenswertes über die Natur erfahren. Rund um die Waldhütte auf dem Gelände des Polizeisportvereins in Dötlingen lernen die Kinder, was im Wald alles wächst und lebt, welche Pflanzen genießbar sind, wie man Feuer macht und sich orientiert – auch ohne Kompass. Zum Beispiel nur mit der Hilfe von Moos. Heike Agresti, die das Camp zusammen mit Volker Wessels leitet, guckt den Reporter, der ihr soeben die Frage gestellt hat, wie das denn funktionieren soll, einen Moment fassungslos an. So als ob sie gerade denkt: „Das weiß doch jedes Kind.“ Als sie erkennt, dass er die Frage durchaus ernst meint, erklärt sie: „Moos wächst nur auf der Nordseite – weil es da am feuchtesten ist.“

Im Camp bastelt die eine Hälfte der 36-köpfigen Kindergruppe in der Waldhütte Vogelhäuschen. An denen haben sie schon gestern gewerkelt, die meisten sind fast fertig. Die Kinder legen gerade noch letzte Hand an ihre Werke und schmieren mit Leim vermischte Sägespäne in die Ritzen. „Warum macht ihr das?“, fragt der Reporter. „Die Vögel haben es lieber dunkel“, kommt es prompt zurück.

Auch Kunst gehört zum Programm. „Wir stellen mit Hilfe von Gewürzen wie Koriander oder Paprika Naturfarben her und malen dann“, sagt Agresti. Hintergrund: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das das Natur-Camp finanziell fördert, erlegt den Organisatoren laut Agresti auf, dass die Inhalte zu 50 Prozent Kunst sein sollen. Die übrigen 50 Prozent sind Bildung.

Kurz vor der Mittagspause legen die Kinder ihre Vogelhäuschen zur Seite, steigen einen Pfad hinab und gehen zu einem Baum. Sie wollen Birkenwasser gewinnen, das entschlackende Wirkung haben soll. Nane bohrt ein Loch in die Birke. „Nicht tiefer als acht Millimeter“, weist Agresti sie an. Wassertropfen sickern aus der angebohrten Stelle heraus, auf das Agresti nun einen durchsichtigen Plastikschlauch setzt.Durch den rinnt das Birkenwasser tröpfchenweise in eine bereitgestellte Flasche.

Von den 36 Kindern im Camp sind gut zwei Drittel Jungen. „Das ist schon mehr als beim ersten Mal“, sagt Agresti. Früher seien Versuche, ähnliche Naturerlebniswochen zu veranstalten, gescheitert – wegen mangelnden Interesses. Trotz der hohen Zahl von 36 Teilnehmern bleibe das Grundproblem: „Wir kriegen die Kinder einfach nicht von den Computern weg“, seufzt Agresti. Dabei ist die Teilnahme am Camp kostenlos. Melwin sagt: „Ich habe die Natur lieber als Computer – aber nur ein bisschen“, findet er und lacht. Die meisten Kinder um Melwin herum nicken.

Die Jungen und Mädchen lassen von der Birke ab, waten über triefend nasses Gras und gehen zur Hunte hinab. Dort bahnen sie sich den Weg zu einer Weide. „Wir brauchen die Rinde des Baumes. Damit lässt sich Tee herstellen, der gut gegen Kopfschmerzen oder als Blutverdünner wirkt“, sagt Agresti. Leon schnappt sich einen Zweig der Weide und sägt daran. Es dauert einige Minuten, dann ist er ab. „Die Rinde lösen wir erst später vom Zweig“, sagt Agresti.

Die Volkshochschule (VHS) Wildeshausen veranstaltet die vier Tage in Kooperation mit der Gemeinde Dötlingen und den Jugendzentren in Dötlingen und Wildeshausen – das nächste Mal ab 4. Juli. Dann unter dem Namen „Das Kinder-Camp mit Kunst und Kräutern“. Die VHS ist noch auf der Suche nach Sachspenden. Unternehmen oder Privatleute können sich unter Telefon 04433/1679 an Agresti wenden.

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