Matinee auf dem Hof Schweers: Kammerorchester und Solisten zeigen Telemanns Vielseitigkeit

Vom Möchtegern-Ritter bis hin zu griechischen Göttern

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Das Kammerorchester St. Anna Bardenfleth begeisterte die Zuhörer in der Veranstaltungsscheune auf dem Hof Schweers in Ostrittrum.

Ostrittrum - Mit ihrem Motto „Telemann – der vielseitige Tonkünstler“ widmete sich das Kammerorchester St. Anna Bardenfleth am Sonntagvormittag auf dem Hof Schweers in Ostrittrum dem bekannten deutschen Komponisten, dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 250. Mal jährt.

An Vielseitigkeit fehlte es im Konzert tatsächlich nicht. Zu hören gab es von Georg Philipp Telemann eine Sinfonie für zwei Flöten, Streicher und Kontrabass, die vergnügliche Orchestersuite „Burlesque de Quixote“, ein Hornkonzert für zwei Hörner, Streicher und Kontrabass sowie die dramatische Kantate „Ino“ für Sopran und Orchester, die einen Stoff aus der antiken griechischen Mythologie behandelt.

Das ausschließlich aus Streichern bestehende und 1989 gegründete Ensemble St. Anna Bardenfleth unter der Leitung von Thomas Bönisch setzt sich aus Laienmusikern und Profis aus der Wesermarsch, Oldenburg und dem Ammerland zusammen. Konzertmeisterin ist seit 2012 die Oldenburger Geigerin Regine Kroll. Die Matinee bestritt das Ensemble mit zahlreichen hochkarätigen Solisten. Die Sopranistin Alexandra Scherrmann, seit 2014 festes Mitglied im Oldenburger Staatstheater, verlieh der „Ino“ ihre Stimme. Hatsuna Meguro und Polina Gorshkova waren an der Querflöte zu hören, Paulina Kilarska am Cembalo sowie Joaquim Palet und Johannes Birk am Horn. Stefan Tönjes übernahm zwischen den Stücken die Rolle des Sprechers und begleitete auch die Orchestersuite über Don Quixote mit vergnüglichen literarischen Hintergrundinformationen.

Ohne Windmühlen geht es nicht

So erlebten die Zuhörer literarisch wie musikalisch das „Erwachen des Quixote“ (Le Reveille de Quixote): Aus dem kleinen Landadeligen Alonso Quijano, der mit Vorliebe Ritterromane liest und diese schließlich für wahr hält, wird der „fahrende Ritter Don Quijote“ – und das obwohl die Zeit des Rittertums längst vorbei ist. Natürlich durfte im Konzert auch der berühmte „Kampf mit den Windmühlen“ (Son Attaque des Moulins à Vent) nicht fehlen: „In Don Quijotes Vorstellung wurden die Windmühlen zu vielarmigen Riesen“, erklärte Tönjes.

Längst hatte das Publikum geahnt, dass zu dem berühmten Möchtegern-Ritter bald der dicke Knappe Sancho Panza dazustoßen würde. Vor seiner wundersamen Verwandlung sei dieser noch ein „einfacher Bauer mit bescheidenem Verstand“ gewesen, warf Tönjes ein. Ebenso fantasievoll habe Don Quijote ein einfaches Bauernmädchen, dem er den Namen „Dulcinea“ gab, zur „Gebieterin seines Herzens“ erwählt. „Dass er sie während der ganzen Geschichte jedoch nicht einmal zu Gesicht bekommt, ist Grund genug für ein paar Liebesseufzer“, gab Tönjes dem Orchester die Vorlage für „Ses Soupirs amoureux après la Princesse Dulcinée“.

Hornkonzert vor der Pause

Den Musikern gelang es sogar, die für alle anderen Beteiligten „höchst vergnügliche“ Tortur des „geprellten Sancho Panza“ (Sanche Panche berné) sowie den Galopp des ritterlichen Gauls „Roscinante“ nebst dem von Sanchos Esel in Töne zu fassen. Mit „Le Couché de Quixote“ ging dieser Matinee-Part zu Ende. Vor der Pause war dann noch das Hornkonzert zu hören. Mit der Flöten-Sinfonie „Conclusion“ hatten die Musiker die Veranstaltung eröffnet.

Nach der Pause folgte mit der dramatischen Solo-Kantate „Ino“ wohl noch ein absolutes Highlight. Das Stück aus dem Jahr 1765 ist Telemanns letzte vollendete Komposition, wie im Konzertprogramm zu lesen war. Nach der griechischen Mythologie zog Ino ihren Neffen, den Göttersohn Dionysos auf, nachdem ihre Schwester, die Geliebte des Zeus, durch ihr Verlangen und den Zorn der betrogenen Göttin Hera getötet worden war. Doch Hera rächte sich auch an Ino, indem sie ihren Mann mit Wahnsinn bestrafte. Dieser tötete daraufhin seinen Sohn Learchos und verfolgte auch Ino. Das Drama endet mit einem Sprung von Ino und Melikertes von einer Klippe und erfährt dann eine Wendung, da Mutter und Sohn in den Reigen der Meeresgötter aufgenommen werden.

Das Kammerorchester begeisterte mit einer musikalischen Geschichte – eine runde Veranstaltung.

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