Streit auf Raststätte

Nach Massenschlägerei: Haftstrafe für 38-Jährigen

Dötlingen/Oldenburg - Haftstrafe nach Messerattacke: Im Prozess gegen den 38-Jährigen, der am 13. Juni vergangenen Jahres während einer Massenschlägerei auf der A 1-Rastanlage in der Gemeinde Dötlingen einem zur Tatzeit knienden Mann ein Messer in den Rücken gerammt haben soll, ist der Angeklagte am Dienstag zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden.

Die Oldenburger Schwurgerichtskammer wertete die Tat als gefährliche Körperverletzung. Den ursprünglichen Tatvorwurf des versuchten Totschlags ließ die Kammer fallen. Einen Tötungsvorsatz habe man nicht feststellen können, so der Vorsitzende. 

Am Tattag war es auf der Rastanlage zu einem Treffen unter rumänischen Landsleuten gekommen. In zwei völlig überfüllten Transportern hatten insgesamt 26 Personen gesessen, darunter viele Kinder. Die Beteiligten wollten einen Geburtstag feiern und anschließend verbotenerweise auf der Rastanlage in Zelten übernachten. Es wurde viel Alkohol getrunken.

Jungen Finger umgebogen

Den Feststellungen zufolge hielten sich die Beteiligten in Deutschland auf, um durch Betteln Geld zu verdienen. Dabei sollte es aber nicht bleiben. So sei der Sohn des Angeklagten von einem anderen aufgefordert worden, noch auf der Rastanlage Diesel zu stehlen. Der Junge hatte sich aber geweigert, worauf hin ihm die Finger umgebogen wurden, hieß es während der Verhandlung.

Unter den Beteiligten entbrannte ein Streit, der in eine Massenschlägerei endete. Gläser und Flaschen ging zu Bruch, das Areal war von Scherben übersät. Aufgrund der Attacke auf den Sohn sei es bei dem Angeklagten zu einem „Wutsturm“ gekommen. Wie von Sinnen habe er auf andere eingeschlagen und dem Landsmann dann das Messer in den Rücken gestoßen. Laut dem Gerichtsmediziner hatte das Opfer nur durch Glück überlebt.

Aber es gab auch Milderungsgründe. Weil der 38-Jährige zur Tatzeit einen Blutalkoholwert von 2,7 Promille hatte, wurde ihm eine verminderte Schuldfähigkeit zugebilligt. Das Gericht berücksichtigte zudem „das Elend und die Misere in Rumänien“, die die Beteiligten zum Betteln veranlasst hätten. Insgesamt ging die Kammer von einem minder schweren Fall der gefährlichen Körperverletzung aus, zumal der Streit nicht von dem Angeklagten begonnen worden war.

Mit dem Strafmaß erfüllte das Schwurgericht den Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Sie schloss nicht aus, dass herumliegende Scherben die Verletzungen bei dem Opfer verursacht haben könnten. Das hatte die Kammer aber zurückgewiesen. Der Angeklagte wird nun nach der Verbüßung der Hälfte der Strafe abgeschoben. Der Haftbefehl bleibt dann aber bestehen, sodass der 38-Jährige nicht wieder nach Deutschland einreisen kann. 

wz

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