Grüne wollen Natur stärker schützen

Mehr Regeln für Kanuten an der Hunte?

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Vom Anleger Dötlingen-Oelmühle aus starten viele Kanutouren auf der Hunte. Zum Schutz der dortigen Flora und Fauna fordert die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen nun klare Befahrungsregeln.

Dötlingen/Landkreis Oldenburg – Der Kanutourismus auf der Hunte ist in das Visier der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen geraten. Sie sieht einen Konflikt „zwischen naturschutzrechtlichen Belangen und intensiver Nutzung der ökologischen Ressourcen“. In einem Antrag an den Landkreis Oldenburg fordern die Grünen, Befahrungsregeln in die neue Verordnung über das Naturschutzgebiet „Mittlere Hunte“ aufzunehmen, die neben der Stadt Oldenburg die Gemeinde Dötlingen, Großenkneten, Hatten und Wardenburg betrifft. Mittelfristig wäre auch die Einstellung eines „Rangers“ zu überdenken, regt der Kreistagsabgeordnete Johannes Hiltner an.

Der Kanutourismus in der Wildeshauser Geest boomt seit Jahren. Das weiß auch Fred Janßen vom Dötlinger Anbieter „HunteAdventures“. Seit etwa einem Jahrzehnt ist er im Geschäft. Anfänglich standen unter dem Namen „Huntetours“ acht Boote zur Verfügung, mittlerweile sind es 36. „Und wenn ich wollte, könnte ich noch mehr verleihen“, berichtet er. Grund für die hohe Nachfrage sei neben dem Freizeitvergnügen auch die idyllische Landschaft. Gruppen, die bei ihm eine Tour buchen, erhielten stets eine intensive Einweisung, zu der auch Hinweise zum Naturschutz gehörten. „Wir wollen uns ja selbst nicht das Wasser abgraben“, sagt er. Der Erhalt der Flora und Fauna sei den Anbietern ebenfalls wichtig. Die Schutzvorgaben müssten allerdings sinnvoll sein. „Wenn einfach nur alles verboten wird, geht keiner mehr in die Natur“, betont er. Und wisse diese dann auch nicht zu schätzen.

Nach Ansicht der Grünen rücken mit dem Status eines Naturschutzgebietes die Sicherung und Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt verstärkt in den Fokus. Noch biete die Hunte an verschiedenen Abschnitten ein hohes ökologisches Potenzial – mit der Chance, Biber und Fischotter wieder anzusiedeln. Berücksichtige man, dass die Landschaft für viele Bürger und Touristen ein Anziehungspunkt für Erholung und Freizeitgestaltung ist, bahne sich ein Zielkonflikt an. „Insbesondere der intensive Kanutourismus mit inzwischen fünf kommerziellen Anbietern macht der Hunte im Sommer zu schaffen“, meint Hiltner.

Die Grünen fordern deshalb die Aufnahme „von wichtigen und zentralen Regeln“ in die Verordnung. Dazu gehören ein Betretungsverbot der Kies- und Sandbänke beim Barneführer Holz/Schreensmoor, ein Zertifizierungsnachweis von kommerziellen Bootstourenanbieten, eine Art „Pegelampel“ sowie eine Nachtruhe auf dem Abschnitt zwischen Ostrittrum (Einmündung zum Rittrumer Mühlbach) und der Fußgängerbrücke zum Hansberg (nördlich des Barneführer Holzes). „Aufgrund der intensiven Frequentierung des Flusses, inklusive Lärm und der Begehung sensibler Gewässerrandstreifen, ist eine Befahrungszeit angesagt“, so die Fraktion. Diese sollte von 9 bis 20 Uhr gelten. Nachtfahrten und ähnliche Veranstaltungen seien damit ausgeschlossen. Laut Janßen ist vor 9 Uhr und nach 20 Uhr ohnehin kaum jemand unterwegs. „Wir Kanuanbieter wollen schließlich auch mal Feierabend haben“, kommentiert der Neerstedter.

Neben den Zeiten geht es den Grünen um den Pegelstand. „Bedingt durch den heißen Sommer 2018, der vermutlich verstärkten Wasserentnahme und Grundwassersenkung ist eine Befahrung im Moment nur mit Grundberührung möglich“, schreiben sie. Dies betreffe vor allem den Bereich zwischen Rittrumer Mühlbach und Fußgängerbrücke. Zum Schutz der Flussökologie sei es notwendig, mithilfe des Pegelstandes festzulegen, ob die Hunte befahrbar ist oder nicht. Die Fraktion stellt sich eine farbliche Regelung vor, bei der Grün für befahrbar und Rot für gesperrt steht. In diesem Fall solle das Boot an einer anderen Stelle eingesetzt werden. „Dies funktioniert im Landkreis Celle ohne Probleme und ist Standard bei der Befahrung von Kleinflüssen“, teilt sie mit. Wie Janßen berichtet, achteten die Kanuverleiher aber auch selbst auf den Pegel. Bei Niedrigwasser bestünde schließlich die Gefahr, dass die Boote beschädigt werden. „Allerdings habe ich im vergangenen Jahr auch mal etwas zu spät reagiert“, räumt er ein.

Um den Schutz und die Entwicklung der Natur zu gewährleisten, schlägt die Grünen-Fraktion neben einer Schulung als Standard für alle Bootsanbieter auch die mittelfristige Einstellung eines „Rangers“ für die Belange der Hunte und Naturschutzgebiete im Landkreis Oldenburg vor. Dieser sollte notwendige Kontrollaufgaben übernehmen, aber vor allem mit den Nutzern den Dialog im Sinne der Umweltbildung suchen. „Denn nur wer die Naturzusammenhänge versteht und Wechselwirkungen erkennt, respektiert die Bedürfnisse der Flussökologie und handelt dementsprechend“, erläutert der Fraktionsvorsitzende Eduard Hüsers.

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