Mehr Barrierefreiheit im Mühlbach

Endlich passierbar: Ira Zylka von der Hunte-Wasseracht kümmert sich darum, den Mühlbach für Fische und andere Tiere durchgängig zu machen – wo nun ein Kiesbett ist, war bis vor Kurzem noch eine störende Sohlgleite. Auch für Ralf Siemer vom Fischereiverein ist die Gewässerpflege ein wichtiges Anliegen.
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Endlich passierbar: Ira Zylka von der Hunte-Wasseracht kümmert sich darum, den Mühlbach für Fische und andere Tiere durchgängig zu machen – wo nun ein Kiesbett ist, war bis vor Kurzem noch eine störende Sohlgleite. Auch für Ralf Siemer vom Fischereiverein ist die Gewässerpflege ein wichtiges Anliegen.
  • Katia Backhaus
    vonKatia Backhaus
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Auch für Fische ist barrierefreie Mobilität ein Thema: Wo ein Wehr oder ein anderes Hindernis den Gewässerlauf unterbricht, geht es ihnen wie Menschen im Rollstuhl vor einer Treppenstufe. Im Altonaer Mühlbach hat die Hunte-Wasseracht bereits die meisten Barrieren beseitigt.

Hockensberg – Ira Zylka ist zufrieden. „Wir haben uns mittlerweile fast an allen kleinen Schwellen abgearbeitet“, berichtet die Ingenieurin, die bei der Hunte-Wasseracht für Gewässerkoordination zuständig ist. Seit 2015 betreut sie den Altonaer Mühlbach. Ihre Fachrichtung – naturnaher Wasserbau – passt sehr gut zu dieser Aufgabe. Denn es geht im Prinzip darum, aus dem Bach eine barrierefreie Heimat für Fische und Kleintiere zu machen.

Vor wenigen Wochen entfernten Mitarbeitende der Hunte-Wasseracht eine Sohlschwelle im Bachlauf nahe des Rahmanns Wegs in Hockensberg. Eine Stufe von rund 30 Zentimetern, eine ehemalige Wasserentnahmestelle für die angrenzenden Forellenteiche, machte die Stelle für Fische nahezu unpassierbar. „Die können ja nicht hochhüpfen“, sagt Zylka. Im Uferbereich seien zudem Beton und Rohre verbaut gewesen, auch diese seien bei der Aktion beseitigt worden. Der Aufwand für solche Maßnahmen ist nicht gering: Ein 16-Tonnen-Bagger, ein Schlepper für Kies und Totholz sowie drei Personen seien eine Woche lang im Einsatz gewesen, berichtet Zylka.

Anlieger stehen den Maßnahmen meist positiv gegenüber

Sie kennt das Umfeld des Bachs gut und freut sich, dass – wie auch in diesem Fall – viele Anlieger der Arbeit der Hunte-Wasseracht positiv gegenüberstehen. „Wir wollen so wenig Schaden wie möglich anrichten“, sagt sie. Aber trotzdem müssten die Fahrzeuge das Gelände passieren und im Zweifelsfall erst einmal einen Weg suchen.

Dass die Fische sich nun nahezu im kompletten Mühlbach barrierefrei bewegen können, freut auch Ralf Siemer, Naturschutz- und Umweltbeauftragter des Fischereivereins Wildeshausen. Der Verband unterstützt die Aktionen der Hunte-Wasseracht regelmäßig. Gesunde Gewässer seien wichtig für einen guten Fischbestand, erklärt er. Aber es geht ihm auch um die weniger sichtbaren Tiere: „Ein sehr großer Teil der Insekten lebt im Jugendstadium im Wasser“, Libellen etwa oder Köder- und Eintagsfliegen. „Das wird oft vergessen.“ Für sie seien Kiesbetten im Wasser besonders wichtig, ergänzt Zylka. Zwischen den Steinen bildeten sich winzige Lufträume, in denen die Tiere laichten. Dort könne der Nachwuchs dann gut geschützt wachsen.

Grundsätzlich seien Strukturverbesserungen wie Kiesbetten oder auch einzelne Totholzstücke wichtig, um die ökologische Qualität des Gewässers als Lebensraum zu verbessern, erklärt die Ingenieurin. Aus diesem Grund wird auch ihre Arbeit am Altonaer Mühlbach nicht zu Ende sein, wenn eines Tages die größte Barriere – das Wehr an der Mühle bei Gut Altona – umgebaut worden ist. Sowohl durch den Wasserlauf als auch durch die Tiere, die im Boden graben, verändere sich die Struktur immer wieder. „Das ist eine fortwährende Aufgabe“, meint Zylka.

Positiv ist aus ihrer Sicht, dass das etwa zwölf Kilometer lange Gewässer stabil ist und dass auch die heißen und trockenen Sommer ihm bisher nicht allzu viel anhaben konnte. Im oberen Lauf bei Uhlhorn und Brettorf habe er in den vergangenen beiden Jahren allerdings gedroht, trocken zu fallen. Auch um diesem Problem vorzubeugen sind die Kiesbetten gut: Sie schaffen schmale Stellen, die auch bei Niedrigwasser passierbar bleiben. Damit es mit der Barrierefreiheit auch trotz Klimawandel klappt.

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