Knapp 150 Landwirte lauschen Vorträgen

Mehr Aktionen für Insekten- und Klimaschutz

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Freuten sich über die große Resonanz auf die Vortragsveranstaltung der Landwirtschaftskammer: Referent Hinrich Rothert, Kreislandwirt Jürgen Seeger sowie Moderator Jürgen Kuhlmann (v.l.).

Dötlingen - Von Tanja Schneider. Über neue Vorgaben bei der Ausbringung von Düngemitteln, Details aus der „Insektenstudie“ sowie die Probleme, die der Kartoffeldurchwuchs bereitet, haben sich am Donnerstag knapp 150 Landwirte, Lohnunternehmer und weitere Interessierte im Dötlinger Landhotel informiert.

Unter dem Titel „Aktuelles zum integrierten Pflanzenschutz“ bietet die Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen jährlich eine Vortragsreihe an, die nicht nur wegen der ausgewählten Themen stets auf gute Resonanz stößt. Die Veranstaltung ist auch als Fortbildung im Rahmen der Pflanzenschutz-Sachkundeanforderungen anerkannt.

„Der Sachkundenachweis ist mittlerweile eine etablierte Geschichte, die auch sinnvoll ist“, verdeutliche Dr. Josef Kuhlmann, Leiter der Fachgruppe Pflanze, der die Moderation übernahm und zudem auf Ereignisse aus 2017 verwies, die „uns überrollt haben“. Damit sprach Kuhlmann sowohl die Glyphosatdiskussion sowie auch die veröffentlichte Studie zum Insektensterben an. 

Die Erhebung in gut 60 deutschen Schutzgebieten macht auf einen Rückgang der Fluginsekten-Biomasse von 76 Prozent zwischen 1989 und 2016 aufmerksam. Zu den Ursachen zählen Faktoren wie die Lebensraumzerstörung besonders durch Bebauung, der Klimawandel und auch die Verarmung der Agrarlandschaften. Durch sie allein ist der immense Rückgang der Insekten aber laut Studie nicht erklärbar.

Landwirtschaft an Rückgang beteiligt

Eine Beteiligung der Landwirtschaft wollte am Donnerstag niemand in Abrede stellen. Vielmehr ging es um die Frage, was die Branche zum Schutz der Insekten beitragen kann. „In Sachen Blühstreifen können wir beispielsweise noch ein bisschen mehr tun“, sagte Kuhlmann. „Im Landkreis Oldenburg kommen wir derzeit auf 150 Hektar, die seitens der Landwirtschaft angelegt wurden.“ 

Kreislandwirt Jürgen Seeger, der die Begrüßung übernommen hatte, berichtete von einem Gespräch mit Imkern in der Region. Dabei sei es um die Zwischenfrucht gegangen, die nach Getreide gesät wird. „Wir haben erfahren, dass Senf nicht optimal ist. Er blüht ab Anfang August und gaukelt den Bienen das Frühjahr vor“, erklärte Seeger. „Wir sollten andere Früchte wählen.“

Bericht zur Klimaallianz

Daneben berichtete Seeger von dem Projekt „Klimaallianz in der Landwirtschaft“, das der Landkreis gemeinsam mit der LWK und dem Kreislandvolkverband Oldenburg ins Leben gerufen hat. Ziel ist es, die Treibhausgas-Emissionen in landwirtschaftlichen Betrieben deutlich zu senken. Das Projekt ist kürzlich in Berlin beim Wettbewerb „Klimaaktive Kommune 2017“ ausgezeichnet worden (wir berichteten). „Das Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro soll natürlich in weitere Klimaschutzmaßnahmen auf den Höfen fließen“, kündigte Seeger an.

Mit Blick darauf, dass die EU-Kommission das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat für weitere fünf Jahre zugelassen hat, appellierte Kuhlmann, mit dem Thema weniger emotional und dafür sachlicher umzugehen. Um die Gemüter nicht weiter zu erhitzen, mahnte er, Fehlanwendungen zu verhindern.

Düngeverordnung im Fokus

Neben Empfehlungen zum Pflanzenschutz in Getreide sowie in Mais, die die Referenten Hinrich Rothert und Stefan Knipper beisteuerten, stand die neue Düngeverordnung im Fokus. „Es kommen immer mehr Regeln hinzu“, verdeutlichte Kuhlmann mit Blick darauf, dass beispielsweise bei Schnee gar nicht mehr gefahren werden darf (vorher Fünf-Zentimeter-Begrenzung) oder eine Düngebedarfsermittlung erforderlich ist. 

Die Landwirte müssten immer mehr Zeit und Geld in Bestimmungen und Dokumentationen investieren. „Der Aufwand und die Anforderungen sind enorm gestiegen“, betonte Kuhlmann. Tipps zur Umsetzung im Betrieb lieferte Klaus Sandbrink, der zudem eine EDV-Lösung vorstellte.

Knipper rundete die Veranstaltung mit Infos zum Kartoffeldurchwuchs ab, der sich durch die milden Winter zu einem riesigen Problem entwickele. Denn durch den fehlenden Frost werden im Boden verbliebene Kartoffeln samt Bakterien und Nematoden nicht abgetötet. Knipper empfahl, auf die Kartoffeln Mais folgen zu lassen und auf diese Weise das Problem zu bekämpfen.

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