Markus Häger ist seit zehn Jahren Organist in Dötlingen / Coronavirus schränkt Musiker ein

Der Mann an der Kirchenorgel

Seit zehn Jahren Organist in St. Firminus: der Musiker Markus Häger. Foto: Häger

Dötlingen - Von Tanja Schneider. „Ohne Musik kann ich nicht. Sie ist mein Leben“, sagt Markus Häger. Seit ziemlich genau zehn Jahren ist er Organist in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Dötlingen. Im Dezember feiert er zudem Orgeljubiläum. Vier Jahrzehnte ist es dann her, dass Häger erstmals an der Hillebrandt-Orgel in der St.-Katharinen-Kirche zu Schönemoor spielte. 14 Jahre war er damals jung. Und von dem Tasteninstrument hat er noch lange nicht genug.

Die Corona-Pandemie stellt aber auch Häger vor Herausforderungen. Denn an ein Konzert vor vollen Rängen ist derzeit ebenso wenig zu denken wie an den Klavier- und Keyboardunterricht, den er privat noch gibt, oder an einen Übungsabend mit dem Chörchen der Dötlinger Kirchengemeinde, das er seit 2011 leitet. „Ich fühle mich momentan doch eher eingesperrt“, berichtet der Organist. Zwar probe er immer mal wieder auf der Führer-Orgel in der Dötlinger St.-Firminus-Kirche und habe dort mittlerweile auch drei Online-Beiträge eingespielt. Doch ansonsten sei Homeoffice angesagt.

In seinen vier Wänden in Wildeshausen bereitet Häger unter anderem Aufgaben für das Chörchen vor. Die Mitglieder kommunizieren derzeit hauptsächlich in ihrer WhatsApp-Gruppe miteinander. Regelmäßig sendet Häger Einsingübungen oder Lieder zum Mitträllern. „Und das nehmen die Mitglieder auch gerne an. Sie singen dann beim Kochen oder Autofahren“, weiß der Musiker. Das gemeinsame Proben sei auf diese Weise natürlich nicht zu ersetzen. „Aber wir halten zumindest den Kontakt“, so Häger. Das Chörchen sehne bereits den Moment herbei, an dem es wieder auftreten darf. „Die Sänger scharren mit den Hufen“, meint er. Allzubald dürfte damit aber nicht zu rechnen sein – zumindest nicht im Rahmen eines Gottesdienstes in der Kirche. Denn dort werde aufgrund der Infektionsgefahr vorerst komplett auf das Singen verzichtet.

Auch die offene Orgelmusik, die Häger seit Jahren anbietet, fällt der Pandemie fast komplett zum Opfer. Aus den geplanten vier kleinen Konzertabenden im Mai wurde ein Youtube-Video, das seit dem 8. Mai online ist. Passend zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven spielt der Wildeshauser Werke des großen Komponisten. Schon zu Beginn der Coronakrise und den Kontaktverboten hatte Häger mit zwei Videos Orgelmusik in die Häuser gebracht. Sowohl sein Onlinespiel von Johann Sebastian Bachs „Air“ aus der D-Dur-Suite als auch der Beitrag „Und immer wieder geht die Sonne auf“ von Udo Jürgens wurden inzwischen fast 500 Mal geklickt. Eine wirkliche Alternative zum echten Auftritt sind die Onlinekonzerte für Häger aber nicht. „Es ist eine Möglichkeit, den Gemeindemitgliedern zu zeigen, dass wir für sie da sind“, erklärt der Organist. Und dies funktioniere mit Musik natürlich besonders gut. In Krisenzeiten habe sie oft eine spezielle Wirkung und werde anders wahrgenommen. Für Häger selbst sei das Einspielen der Onlinekonzerte eher wie eine Probe gewesen. „Es ist natürlich ein anderes Klima, als wenn unten im Kirchenschiff Zuhörer sitzen“, sagt er.

Die St.-Firminus-Gemeinde weiß der Wildeshauser durchaus zu schätzen. „Sie ist sehr offen und aktiv“, erzählt er. In Dötlingen grüße man nicht nur, bevor man seinen Weg fortsetzt. „Es wird auch immer noch geschnackt“, so Häger. Zudem würden fast alle Veranstaltungen – sogar normale Gottesdienste – gut angenommen. Gründe, weshalb er den Wechsel als Organist nach Dötlingen nie bereut habe.

Fast wäre Häger aber gar nicht gekommen. „Als mich Pastor Hartmut Lübben das erste Mal fragte, habe ich ,Nein‘ gesagt“, erinnert er sich. Damals hatte Häger (schon seit Anfang der 1980er-Jahre) je eine halbe Organisten-Stelle in Schönemoor sowie in St. Paulus in Delmenhorst inne. Die Dötlinger Kirchengemeinde hatte hingegen keinen festen Organisten und musste für jeden Gottesdienst einen Musiker suchen – eine mühselige Angelegenheit. Häger half häufiger aus. Weil er aber ansonsten keine Verbindungen zu Dötlingen hatte, konnte er sich einen Wechsel nicht vorstellen. Ein halbes Jahr nach der ersten Anfrage sagte er dennoch zu und ließ sich auf eine neue Herausforderung ein. „Und so lange mich meine Beine zur Orgel auf die Empore tragen, mache ich auch weiter“, sagt er.

Immer wieder stößt Häger in Dötlingen und der Region auf Menschen, mit denen ein gemeinsames Musizieren lohne – ob nun Chörchenmitglieder, Gitarrist Thomas Schlegel, mit dem er seit 2011 auftritt, oder Sänger und Wahl-Dötlinger Christian Bormann. Mit Letzterem wollte Häger eigentlich im April ein Konzert in der Kirche veranstalten. Nun sei es auf unabsehbare Zeit verschoben. Und auch mit Schlegel kann Häger momentan nicht spielen. Seinen ersten gemeinsamen Auftritt hatte das Gitarre-Keyboard-Duo übrigens in der Dötlinger St.-Firminus-Kirche. Seitdem gibt es die jährlichen „Winternacht – alles still“-Konzerte. Bis zur nächsten Auflage der Veranstaltungsreihe ab Ende Dezember ist es hoffentlich auch um das Coronavirus stiller geworden.

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