Umweltausschuss will zwei Punkte gesichert wissen / Landwirt spricht über die Folgen des Plans

„LRP darf Huntepadd nicht gefährden“

Befürchtet durch den Entwurf des Landschaftsrahmenplans einen Wertverlust seiner Acker- und Forstflächen: der Rhader Torsten Schwarting.
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Befürchtet durch den Entwurf des Landschaftsrahmenplans einen Wertverlust seiner Acker- und Forstflächen: der Rhader Torsten Schwarting.

Dötlingen – Nein, der neue Landschaftsrahmenplan (LRP) für den Landkreis Oldenburg ist kein Werk, das auf breite Zustimmung stößt. Stattdessen löste es bislang eine Vielzahl misstrauischer Fragen und Kritik aus, vor allem bei Landwirten, aber ebenso bei Kommunalpolitikern. Auch in der Gemeinde Dötlingen sind die meisten Ratsfraktionen skeptisch. Die CDU hatte gar den Sinn der Fortschreibung des LRP infrage gestellt (wir berichteten).

Im Umwelt- und Energieausschuss war das Thema nun wieder auf der Tagesordnung. Schließlich hatte sich das Gremium während seiner September-Sitzung nicht zu einer Stellungnahme durchringen können. Es wollte zunächst genau aufgezeigt bekommen, welche Änderungen sich in der Gemeinde Dötlingen durch das Werk, das die Flächenentwicklung nach naturschutzfachlichen Gesichtspunkten betrachtet, ergeben. Dies ist mittlerweile geschehen, sodass einer Diskussion mit anschließender Abstimmung nichts im Wege stand.

CDU will Entschädigung bei Umwandlung

Zwei Punkte soll die Verwaltung gemäß der Empfehlung des Umweltsausschusses noch beim Landkreis Oldenburg vorbringen. Zum einen soll sie auf die Bedeutung des Huntepadds für die Naherholung und den Tourismus verweisen. Der beliebte Wanderweg solle unbedingt erhalten bleiben und schon jetzt in den LRP integriert werden, lautete das einstimmige Votum. Im Entwurf ist der Wald zwischen der Grundschule und der Hunte als naturschutzwürdiger Bereich vermerkt. Sollte das Gebiet tatsächlich einmal als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden, werde es schwer mit der Unterhaltung des Huntepadds, hatte Fabian Ebelt, Verwalter des Tabkenhofes, zu dem das Areal gehört, während der Einwohnerfragestunde angemerkt.

„Das fühlt sich an wie eine Enteignung“

Zum anderen forderte die CDU eine Art Vertragsnaturschutz. „Es sollte festgelegt werden, dass es keine Flächenumwandlungen ohne Entschädigung der Eigentümer geben wird“, erläuterte Beate Wilke. „Das ist uns wichtig, und da wird es auch noch einen CDU-Antrag an den Landkreis geben.“ Neben den Christdemokraten stimmte auch der Liberale Helge Vosteen für die Aufnahme dieser Anregung. Insa Huck (SPD) enthielt sich, Dirk Orth (Bündnis 90/Die Grünen) votierte dagegen. Er bezeichnete den Plan als gute Basis auf dem Weg zu mehr Naturschutz. „Wir können nicht so tun, als habe sich in den vergangenen 25 Jahren nichts getan“, bemängelte er die Kritik an der Fortschreibung. Dietz Wiechers (CDU) verwies wiederum auf den niedersächsischen Weg. „Den sollten wir jetzt gehen und nicht eine neue Dunstglocke aufziehen“, meinte er.

Dass der LRP besonders bei Landwirten für Unsicherheit sorgt, wundert nicht. Denn neben den gut 3 200 Hektar Naturschutzgebiet sind zusätzliche 3 700 Hektar als naturschutzwürdige Bereiche aufgeführt. Und diese könnten irgendwann den Plänen der Landwirte im Wege stehen. „Für viele Betriebe bedeuten die Ideen in dem Plan bei späterer Umsetzung einen massiven Einschnitt in das Wirtschaften“, teilt das Kreislandvolk Oldenburg mit und berichtet als Beispiel von Torsten Schwarting.

Der Landwirt und landwirtschaftliche Sachverständige aus dem Dötlinger Ortsteil Rhade hält Schweine, betreibt Ackerbau und besitzt neun Hektar Forst, die aktiv für die Hofbewirtschaftung genutzt werden. Seine Waldflächen liegen direkt an der Hofstelle in Rhade und bestehen aus Nadel- und Laubgehölzen. „Laut Landschaftsrahmenplan sollen sie nun zu einer Verbundachse zwischen Braker Sand und Weher Forst werden. Was das genau für unsere weitere Waldwirtschaft bedeutet, kann man nicht daraus ablesen“, erzählt Schwarting. Er bemängelt, dass es keine Konkretisierung gebe und die Verfasser sich wenig mit den Folgen befasst hätten. „Es werden private Flächen einfach überplant, und keiner erklärt mir, was das später nach sich zieht. Das fühlt sich an wie eine Enteignung. Hier wird von oben herab öffentlich vorgeschlagen und diskutiert, was wir als Eigentümer und Bewirtschafter dieser Flächen zu tun und zu lassen haben.“

Wie das Kreislandvolk weiter mitteilt, geht Schwarting davon aus, dass die Flächen durch die vorläufige Empfehlung im Landschaftsrahmenplan an Wert verlieren. In irgendeiner Weise werde sich das Wirtschaften dort einschränken. „Der Plan ist vonseiten der Naturschutzbehörde insbesondere auch die Arbeitsgrundlage für mögliche Auflagen, die zum Beispiel bei Baugenehmigungsanträgen getroffen werden können“, sagt er. „Auf den ersten Blick wird uns immer suggeriert, dass wir das alles viel zu emotional betrachten, aber aus Erfahrungen der Vergangenheit weiß ich, dass es bereits auf Grundlage des bisherigen Plans von 1995 sehr wohl Einschränkungen gab.“

Schwarting spielt damit auf den geplanten Bau eines Schweinestalls mit Außenklimabereich an, den er aufgrund von relevanten, gesetzlichen Umweltfaktoren damals, Anfang der 2000er-Jahren, nicht umsetzen konnte. Deshalb sehe er den neuen Planentwurf besonders kritisch. „Wenn wir erst einmal Biotope, Naturdenkmale oder Landschaftsschutzgebiete haben, dann kann sich die Landwirtschaft dort nicht mehr entwickeln. Wir müssen Auflagen wie Abstände, veränderte Bewirtschaftung oder Entwässerung beachten“, kommentiert Schwarting. Im Entwurf des Planes seien die genauen Folgen nicht bezeichnet. „Was bedeutet es denn also, wenn mein Wald nun zur Verbundachse wird? Darf ich hier zukünftig noch Holz entnehmen? Wir handeln nachhaltig und entnehmen nur so viel Holz, wie auch nachwächst.“

Landwirtschaft werde zur Landschaftspflege

Er sieht den Landschaftsrahmenplan entgegengesetzt zur gesellschaftlichen Forderung an die Landwirtschaft. „Der Verbraucher wünscht sich Tierwohl, aber eine Entwicklung der Ställe ist gar nicht realisierbar, da die gesetzlichen Auflagen bereits jetzt so streng sind.“ Er befürchtet, dass die Landwirtschaft sich zur Landschaftspflege umwandeln wird, wenn die Auflagen immer höher werden. „Wir Landwirte pflegen dann nur noch unsere Landschaft. Die Lebensmittel kommen dann aus dem Ausland.“  ts

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