Behandlung auch für Erwachsene

Logopädie ist kein Kinderkram

Regina Mayer
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Logopädin Regina Mayer hat 34 Jahre Berufserfahrung.

Logopäden laufen mit einem Korken im Mund herum und bringen Kindern bei, wie man schwierige Wörter ausspricht? Nicht ganz. In ihren Therapien behandeln sie auch lebensbedrohliche Störungen von Erwachsenen – zum Beispiel, wenn Kranken das Schlucken immer schwerer fällt.

Wildeshausen/Dötlingen – Eine flache, raue Stimme? Wörter, die nicht so herauskommen, wie sie sollen? Probleme beim Schlucken? In all diesen Fällen kann eine logopädische Therapie helfen.

Der verbreitete Eindruck, dass das vor allem etwas für Kinder ist, die das „richtige“ Sprechen noch lernen müssen, sei falsch, erklärt Julia Luschnat, die in Wildeshausen und Großenkneten eine Logopädie-Praxis führt und dort auch Menschen aus der Gemeinde Dötlingen behandelt. „Wenn man als Erwachsener zur Logopädin muss, ist es schon so weit fortgeschritten, dass man merkt: Ich muss was tun“, sagt sie.

Beispiele für typische Symptome bei Erwachsenen sind Sprach- und Sprechstörungen aufgrund einer Krankheit oder einem Schlaganfall, Stimmprobleme nach einer Operation, Schwierigkeiten beim Schlucken, die ebenfalls im Zusammenhang mit Krankheiten oder nach Operationen auftreten können, sowie Lähmungen im Gesicht oder an den Stimmbändern.

Julia Luschnat arbeitet seit 2007 als Logopädin.

Ob eine Therapie nötig ist, entscheidet jedoch immer ein Arzt: Ohne Verschreibung darf eine Logopädin nicht tätig werden. Das könne eine kleine Hürde sein, erläutert Regina Mayer, die seit 1993 eine Praxis in Wildeshausen und seit 1998 eine weitere in Wardenburg betreibt. „Zunächst muss der Arzt darauf kommen, dass eine logopädische Therapie bei bestimmten Erkrankungen sinnvoll ist.“

Und es gebe durchaus auch Erwachsene, die sich fragten, ob sie ihnen überhaupt helfen könne. Aber das sei inzwischen schon viel besser als früher. Mayer arbeitet seit 1986 in dem Bereich und betreut vor allem Menschen aus Wildeshausen, aber auch aus der Gemeinde Dötlingen.

Hinzu komme, dass den Älteren manche der Übungen, die mit Bewegung oder Lauten zu tun haben, etwas unangenehm sind. „Wir erleben, dass man sich ein bisschen geniert“, erzählt Mayer. Das sei bei Kindern anders: Diese würden sich eher schämen, weil sie bemerkten, dass mit ihrer Sprache oder Stimme etwas nicht so ist wie bei den anderen. Bei Erwachsenen sei es einfacher, das Problem und den Therapieansatz zu vermitteln.

Wenn das Schlucken nicht mehr funktioniert

Luschnat findet, dass die logopädische Arbeit für Erwachsene eigentlich sogar wichtiger ist als für Kinder – weil es bei Ersteren auch darum gehe, lebensbedrohliche Situationen abzuwenden. Zum Beispiel, wenn jemand an einer Muskelerkrankung wie Parkinson leidet und bemerkt, dass das Schlucken immer schwerer fällt. „Dann weiß ich: Ich brauche unbedingt Hilfe. Denn Schlucken erhält das Leben.“ In manchen Fällen könne sie jedoch nur als Begleiterin dabei sein und die Symptome lindern, aber nicht beseitigen.

Diese Fälle kennt auch Mayer. Der Schluckmechanismus sei ein hochkomplexes Thema und Störungen gerade bei neurologischen Erkrankungen ein Problem. „Deshalb ist es lebenserhaltend wichtig, das Schlucken zu üben“, sagt die Logopädin.

Gehe es eher um Störungen, die die Lebensqualität beeinträchtigen, etwa eine jahrelang heisere Stimme, kann eine Therapie laut Mayer helfen, das Symptom vielleicht sogar ganz zum Verschwinden zu bringen. „Die Stimmbänder sind Muskeln, da kann man funktionelles Training machen.“

Corona-Patienten in der Logopädie-Praxis

Erwachsene behandele sie in der Regel allein, erklärt Mayer. Doch wenn es Fragen oder Bedenken von den Angehörigen ihrer Patienten gibt, stehe sie als Beraterin bereit. Kann sich die Mutter nur noch schwer artikulieren oder stottert der Ehemann, will der Rest der Familie vielleicht wissen, wie er diesen Problemen begegnen soll.

Ein ganz aktuelles Thema bei der Behandlung von Erwachsenen sei Corona, berichtet Luschnat. Denn die Krankheit verringere bei manchen das Lungenvolumen und die Luft wird mit weniger Druck herausgepresst. „Gerade für die Stimme brauchen wir eine vernünftige Atmung.“ Sonst werde die Stimme flach und heiser, zudem fehle die Ausdauer für längere Gespräche. Atemtechniken könnten helfen.

Dass sich an Corona Erkrankte auch in ihrer Praxis einfinden würden, habe sie zunächst nicht kommen sehen, erinnert sich die Logopädin. Erst, als die mit der Krankheit einhergehenden Lungenschäden bekannter wurden, sei ihr bewusst geworden: Auch das kann ein Fall für die Logopädie sein.

Hintergrund: Wie arbeiten Logopäden?

Logopäden sind dafür ausgebildet, Störungen der Sprache, des Sprechens, der Stimme und des Schluckens zu diagnostizieren und zu behandeln, erläutert der Deutsche Bundesverband für Logopädie. Die Behandlung muss von einem Arzt verschrieben werden. Die Therapie kann sowohl stationär als auch ambulant, einzeln oder in einer Gruppe erfolgen.

Logopäden arbeiten in Praxen, Kliniken, integrativen Kindergärten oder Förderschulen. Laut Bundesgesundheitsministerium gibt es in Deutschland rund 29.000 Menschen, die im Bereich der Logopädie beschäftigt sind. Am morgigen Samstag ist Europäischer Tag der Logopädie, der seit 2004 begangen wird.

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