Ehrenamt, Integration von Flüchtlingen und Kooperation mit Schulen beschäftigen Kreissportbund

Lösungen für schwindendes Engagement

Peter Ache (Mitte) überreichte Hubert Schlüter (links) vom VfL Wittekind die Albert-Lepa-Plakette anlässlich des 125-jährigen Vereinsbestehens und zeichnete Wilfried Schnitker für sein langjähriges Engagement im Kreissportbund-Vorstand aus. - Fotos: Nosthoff

Dötlingen - Von Anja Nosthoff. Drei großen Aufgaben sollen sich die Sportvereine jetzt und in Zukunft stellen: der Weiterentwicklung und Anpassung der ehrenamtlichen Mitarbeit an die Bedürfnisse der Freiwilligen, der Integration von Flüchtlingen sowie der Kooperation mit Schulen mit Blick auf sportliche Angebote in Ganztagseinrichtungen.

Diese Herausforderungen waren am Mittwochabend Thema beim Kreissporttag im Landhotel Dötlingen, zu dem der Kreissportbund des Landkreises Oldenburg die Delegierten der Sportvereine eingeladen hatte.

Der Vorsitzende Peter Ache begrüßte 125 Gäste, davon 114 Stimmberechtigte. „Das macht 46 Prozent aller möglichen Delegierten aus. Damit haben wir einen Spitzenwert erreicht“, freute sich Ache. In den vergangenen Jahren habe die Beteiligung meist bei um die 37 bis 38 Prozent gelegen. Dötlingens Bürgermeister Ralf Spille und der Sozialdezernent des Landkreises Oldenburg, Bodo Bode, richteten ebenfalls kurze Grußworte an die Gäste.

Ihren Vorstand bestätigten die Delegierten für zwei weitere Jahre im Amt. Ache geht damit nun ins 14. Jahr, in dem er den Kreissportbund führt. Unterstützt wird er von vier Stellvertretern: Jörg Skatulla, der für Finanzen zuständig ist, Horst Bokelmann, der sich um die Sportentwicklung und Sportstättenförderung kümmert, Dieter Holsten, der für den Bereich Ausbildung Ansprechpartner ist, sowie Jürgen Steffens, dessen Ressorts die Fachverbandsangelegenheiten und der Leistungssport sind.

Ache nahm während der Versammlung zwei Ehrungen vor. Dem VfL Wittekind Wildeshausen, der in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feierte, gratulierte er zu diesem „außergewöhnlichen Jubiläum“. Geschäftsführer Hubert Schlüter überreichte er dafür die Albert-Lepa-Plakette des Landessportbunds Niedersachsen. Für sein langjähriges besonderes Engagement im Vorstand und erweiterten Vorstand zeichnete Ache Wilfried Schnitker vom TV Hundsmühlen aus. 

Er war von 2006 bis 2010 als stellvertretender Vorsitzender für den Bereich Sportentwicklung zuständig. Als Beauftragter für Sportstättenförderung und Berater der Vereine in dieser Hinsicht hatte er seinen Nachfolger Horst Bokelmann bis Ende des vergangenen Jahres unterstützt. Nun zieht sich Schnitker nach seinem langjährigen Engagement aus der ehrenamtlichen Tätigkeit im Kreissportbund-Vorstand zurück. 

„Meine Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht. Dadurch habe ich auch faszinierende Sportarten kennengelernt, mit denen ich vorher überhaupt keine Berührungspunkte hatte – zum Beispiel Reiten oder Schießen“, zog er ein überaus zufriedenes Fazit.

Dass in der heutigen Zeit nicht alle freiwillig Tätigen so zufrieden mit ihrer Situation im Ehrenamt sind und dass sich vor allem immer weniger enthusiastischer Nachwuchs findet, darauf ging Felix Lingenau vom TV Hude in seinem Kurzvortrag „Engagementförderung in den Vereinen“ ein. 

Seit 2005 habe sich die Zahl der ehrenamtlich im Sportverein Engagierten sogar fast halbiert. Das liege unter anderem auch daran, dass es in der heutigen Zeit ein Überangebot an möglichen Aktivitäten zur Freizeitgestaltung gebe. Ebenso bemühe sich eine Vielzahl anderer Vereine und Institutionen – ob nun im Bereich Umwelt, Kirche oder Integration – um die Gewinnung von Ehrenamtlichen.

Sportvereine dürften daher nicht mehr davon ausgehen, dass es genügend Leute gibt, die sich wie bisher mit großer Selbstverständlichkeit langfristig engagieren und dabei womöglich noch erheblichen bürokratischen Aufwand in Kauf nehmen. Vielmehr müsse kurzfristiges projektgebundenes Engagement ermöglicht werden. 

Denn, so Lingenau: „Laut Umfragen steigt sogar die Zahl der Menschen, die sich unter bestimmten Voraussetzungen gerne ehrenamtlich einbringen möchten.“ Vereine sollten möglichst ein Freiwilligen-Management einführen und dafür sorgen, dass die Engagierten auch Wertschätzung und Anerkennung erfahren – sei es durch gemeinsame Feste oder ähnliches. Fortbildungen zum Freiwilligen-Manager oder -Koordinator werden vom Landessportbund gefördert.

Aus dem Publikum schlug Detlef Mentel vom SC Wildeshausen vor, dass es in Zukunft im Kreissportbund einen ehrenamtlichen Beauftragten für die Engagementförderung geben sollte, der die Vereine in dieser Hinsicht berät. Die Anregung nahm Ache auf. Der Vorsitzende betonte, dass der „Kraft des Sports“ eine außerordentliche Bedeutung in der Gesellschaft zukomme.

Hinsichtlich der Integration von Flüchtlingen und der Kooperation mit Schulen stockte der Kreissportbund bereits jüngst mit hauptamtlicher „Women-Power“ auf: Die Sportwissenschaftlerin Nora Zwacke wurde als Bindeglied zwischen Vereinen und den Flüchtlingssozialarbeitern der Gemeinden eingestellt, um die Integration von Asylsuchenden in und durch Sportvereine zu fördern. Stefanie Blohme dagegen fungiert nun als Bindeglied zwischen Vereinen und Schulen sowie Kindertagesstätten. Die Stellen werden hauptsächlich durch den Landessportbund finanziert. Für den Kreissportbund bedeuten sie Mehrausgaben von 20 000 Euro pro Jahr.

Skatulla konnte der Versammlung eine ausgeglichene Kassenlage vorlegen. Das Minus, das sich im Vorjahr durch die Doppelbesetzung in der Geschäftsstelle ergeben hatte, konnte durch den Überschuss aus den leicht erhöhten Mitgliedsbeiträgen ausgeglichen werden. Insgesamt seien die Mitgliedszahlen leicht rückläufig. Der Kreissportbund hat aktuell 46.317 Mitglieder.

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