Geflügelbranche diskutiert auf Gut Altona über praktikable Lösungen für mehr Tierwohl

„Landwirtschaft darf nicht alleine die Zeche zahlen“

Sprachen über die Zukunft der Nutztierhaltung: Dirk Andresen von „Land schafft Verbindung“, Friedrich-Otto Ripke, Vorsitzender der niedersächsischen Geflügelwirtschaft, und der ehemalige Landwirtschaftsminister Jochen Borchert (v.l.).
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Sprachen über die Zukunft der Nutztierhaltung: Dirk Andresen von „Land schafft Verbindung“, Friedrich-Otto Ripke, Vorsitzender der niedersächsischen Geflügelwirtschaft, und der ehemalige Landwirtschaftsminister Jochen Borchert (v.l.).

Altona – Um Tierwohl sowie die Zukunftssicherung der heimischen Landwirtschaft unter einen Hut bringen zu können, bedarf es mehr Unterstützung der Politik. Das war am Mittwoch die Kernaussage bei der Versammlung der niedersächsischen Geflügelwirtschaft. 150 Mitglieder – die Anzahl war aufgrund der Corona-Pandemie begrenzt – kamen im Saal des Hotels „Gut Altona“ zusammen, diskutierten und lauschten schließlich den Vorträgen vom ehemaligen Landwirtschaftsminister und Leiter des Kompetenznetzwerkes Nutztierhaltung, Jochen Borchert, sowie dem Sprecher von „Land schafft Verbindung“, Dirk Andresen.

Beide Gastredner, aber auch der Verbandsvorsitzende Friedrich-Otto Ripke sprachen sich mit Blick auf eine tierwohlgerechte Nutztierhaltung für ein System aus, das belastbar und zukunftsfähig ist. „Wir sind mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem wir nicht mehr nur immer neue Vorgaben umsetzen können, sondern Realpolitik erwarten müssen“, sagte Ripke. Sonst bestünde die Gefahr, dass Deutschland bald nicht mehr wettbewerbsfähig ist, Marktanteile verliere und der Selbstversorgungsgrad weiter sinke. Schon heute liege er bei Eiern und Putenfleisch bei rund 70 Prozent. Und angesichts fehlender globaler Standards könne niemand wollen, dass diese Lebensmittel zugekauft werden. Das helfe dem Tierwohl auch nicht. Andresen forderte in diesem Zusammenhang, die deutsche EU-Ratspräsidentschaft zu nutzen und eine EU-weite Strategie anzustreben.

Ripke machte auf die Notwendigkeit von praktikablen und bezahlbaren Verordnungen und Gesetzen aufmerksam. Ohne ökonomische Grundlage könne die Branche nicht existieren und schon gar nicht in mehr Tier- oder Klimaschutz investieren. „Die Landwirtschaft darf nicht alleine die Zeche zahlen“, stellte er klar. Die neue Zukunftskommission Landwirtschaft sowie die Empfehlungen des Kompetenznetzwerkes Nutztierhaltung, auch als Borchert-Kommission bekannt, gäben Hoffnung. Borchert habe mit unterschiedlichsten Fachleuten einen Kompromiss entwickelt, in dem sich alle Beteiligten wiederfinden können.

Um das Ziel, die Umstellung der Nutztierhaltung, zu erreichen, seien vor allem Stallumbauten notwendig. Voraussetzung hierfür seien neben einem praktikablen Bau- und Emissionsrecht finanzielle Mittel. Der Landwirt brauche die Sicherheit, dass sich seine Investition auch auszahle, betonte Borchert und sprach sich für vertragliche Regelungen aus. Da sich die Umstellung zudem nicht vom Markt finanzieren lasse, müsse eine staatliche Lösung gefunden werden. Im Gespräch ist momentan eine Verbrauchersteuer. „Sie sieht 40 Cent pro Kilogramm Fleisch, auch auf Importware, sowie jeweils einen Cent pro Ei und Liter Milch vor“, berichtete Borchert. Dies könnte jährlich 3,6 Milliarden Euro in die Tierwohlkasse spülen. Für den Durchschnittverbraucher bedeute es eine Mehrbelastung von 35 Euro im Jahr.  ts

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