Landwirte lassen CO2-Verbrauch berechnen

Viele Fragen, eine Antwort: Claus und Elke Coorßen haben sich von Friederike Gerken (r.) zum Treibhausgasausstoß ihrer Produktion beraten lassen.
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Viele Fragen, eine Antwort: Claus und Elke Coorßen haben sich von Friederike Gerken (r.) zum Treibhausgasausstoß ihrer Produktion beraten lassen.

Wie hoch ist der CO2-Ausstoß bei der Produktion von einem Kilogramm Schweinefleisch? Oder bei der Erzeugung einer Kilowattstunde Strom in einer Biogasanlage? Das kann das Rechentool „TEKLa“ der Landwirtschaftskammer beantworten. Elke und Claus Coorßen haben sich beraten lassen.

Ostrittrum – „Wir wollen nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung sein“, sagt Landwirt Claus Coorßen. Er und seine Frau Elke haben sich im Sommer von Friederike Gerken von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen den CO2-Verbrauch ihrer Produkte ausrechnen lassen. Zwar hätten sie bereits geahnt, dass die Werte unter dem Durchschnitt liegen, vor allem wegen der Kreislaufwirtschaft mit der Biogasanlage, sagt der 51-Jährige. „Aber man will ja auch besser werden“, ergänzt seine Frau. Gemeinsam betreiben sie in Ostrittrum neben der Stromerzeugungsanlage eine Schweine- sowie eine Hähnchenmast und bauen Kartoffeln, Mais und Getreide an.

Um die Vermutung zu bestätigen, meldeten sich Coorßens für eine kostenlose Beratung der Landwirtschaftskammer an. Die Finanzierung übernimmt der Landkreis Oldenburg als Teil der „Klimaallianz“ (siehe Infokasten). Gerken besuchte den Hof mit dem Laptop im Gepäck. Darauf ist der Treibhausgas-Emissions-Kalkulator-Landwirtschaft (TEKLa) installiert. Dieser zeige, wo die Betriebe beim Klimaschutz stehen, erläutert die Agrarwissenschaftlerin. „Wir können zum Beispiel berechnen, wie groß der CO2-Fußabdruck für die Produktion von einem Kilogramm Milch oder Schweinefleisch ist.“

Mithilfe der Excel-Anwendung, die ihr Kollege Ansgar Lasar für die „Klimaallianz“ entwickelt hat, könne sie Betriebe zu Einsparpotenzialen beraten. Grundlage seien etwa 20 Fragen pro Produkt, etwa nach dem der Tierzahl, der Menge der benötigten Treibstoffe oder der Art des Futters. Denn entscheidend für die Berechnung des CO2-Verbrauchs seien ja sämtliche Faktoren der Herstellung, erläutert Gerken. Und dabei zählen auch Dinge wie der Strom für das Stalllicht. Dazu sind einige Daten nötig. Diese zusammenzusuchen, sei aber nicht besonders aufwendig gewesen, berichten Coorßens. Die Angaben werden in Vergleich zu den Werten anderer Betriebe gesetzt, die bereits beraten worden sind.

Deutlich unter dem Vergleichswert

Tatsächlich habe sich gezeigt, dass Coorßens ziemlich gut dastehen: Der CO2-Verbrauch für die Produktion einer Kilowattstunde Strom liegt bei 33 Gramm – der Vergleichswert beträgt 304 Gramm. Auch bei der Hähnchenmast ist das Ergebnis erfreulich, es liegt etwa 700 Gramm unter dem der anderen Betriebe.

Zusätzlich zur Erhebung des Ist-Zustands ist es mit „TEKLa“ möglich, die Betriebe über Einsparmöglichkeiten anhand der Veränderung von einzelnen Faktoren der Rechnung zu beraten. Gerken geht in der Excel-Tabelle in die Zeile, in der die Menge des importierten, nicht zertifizierten Sojas angegeben ist. Bei Coorßens steht dort eine null. Die Beraterin tippt 20 ein. Und siehe da: Auch diese kleine Änderung hat bereits einen starken negativen Effekt für die Klimabilanz. Eine interessante Erkenntnis, findet Claus Coorßen: „Überraschend ist, wo man die Stellschrauben ansetzen kann.“ Was die Betriebe mit den Ergebnissen machen, sei deren Entscheidung, sagt Gerken. „Das ist erst mal nur zur reinen Information.“

Deshalb werden auch die Daten der Berechnung nur anonymisiert an den Landkreis weitergegeben, die konkreten Einsparpotenziale gehören nicht dazu. Das Ostritt-rumer Paar möchte das positive Ergebnis der Beratung jedoch öffentlichkeitswirksam nutzen und plant, ein Schild mit den CO2-Werten an der Betriebszufahrt aufzustellen. Dabei geht es ihnen unter anderem darum, die Akzeptanz für die Biogasanlage zu erhöhen. „Unser Ziel ist es schon, die Bürger mitzunehmen“, betont Claus Coorßen.

Beratung gewünscht?

Wer Interesse an einer Beratung hat, wendet sich an Manuela Schöne, Klimaschutzberaterin des Landkreises Oldenburg, unter Telefon 04431/85559.

Hintergrund: „Klimaallianz“ und „TEKLa“

Das Projekt „Klimaallianz in der Landwirtschaft“ gibt es seit 2015. Dafür haben sich der Landkreis Oldenburg, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Kreislandvolkverband Oldenburg zusammengeschlossen. Ziel ist es, den Klimaschutz in der Agrarwirtschaft zu fördern. Das von der Landwirtschaftskammer eigens dafür entwickelte Rechentool „TEKLa“ dient als Grundlage der Betriebsberatungen.

Seit der Gründung sind laut Manuela Schöne, Klimaschutzmanagerin des Landkreises, 15 Vorträge sowie rund 100 Betriebsberatungen angeboten worden. Für die „Klimaallianz“-Initiative ist der Landkreis im bundesweiten Wettbewerb „Klimaaktive Kommune 2017“ ausgezeichnet worden. „TEKLa“ hat es in die Runde der 22 besten Bewerbungen für den Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt 2020 geschafft.

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