Kulinarische Forsttour durch das Dötlinger Holz – lecker und informativ

Und plötzlich riecht es am Waldrand nach Rotkohl

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Küchenchef Thomas Bötefür servierte am Waldesrand erst eine Rahmsuppe und später Rehragout.

Dötlingen - Von Tanja Schneider. Mit der Stille im Dötlinger Holz ist es um etwa 11.30 Uhr vorbei. Unter das Rascheln des bunten Herbstlaubes mischt sich eifriges Stimmengewirr. „Wie alt ist diese Buche wohl?“ „Wie sieht es mit Tollwut aus?“ „Und wird der Fuchs hier bejagt?“ Die Teilnehmer der kulinarischen Forsttour im Rahmen der Wildwochen im Oldenburger Land haben viele Fragen. Friedrich Hollmann vom Dötlinger Hegering versucht, sie alle zu beantworten. Gleichzeitig mahnt er, nicht zu sehr zu bummeln. Denn am Waldesrand sieht er bereits Thomas Bötefür. Der Küchenchef des Schützenhofes „Unter den Linden“ hievt gerade einen riesigen Topf aus seinem Auto.

Seit Jahren bieten Bötefür und Hollmann im Zuge der Wildwochen das „Essen gehen im Dötlinger Holz“ an. Mittlerweile sind sie ein eingespieltes Team, können gut abschätzen, wann die Gruppe an welchen Stationen eintrifft. Insgesamt drei gibt es während der Tour, die in den Vorjahren auch schon um die 30 Teilnehmer angelockt hat. Diesmal treffen sich elf Interessierte aus der Gemeinde, aber auch aus Wildeshausen, Hude und Oldenburg am Startpunkt, dem Schützenhof, darunter einige „Wiederholungstäter“. „Es ist immer interessant und vor allem lecker“, schwärmen sie.

Während Hollmann noch betont, dass das Essen heute im Mittelpunkt steht, serviert Bötefür schon den ersten Appetitanreger: Burger vom Feldhasen, mit eingekochtem Kaffeesirup und „Zwiebelade“. Dazu gibt es Glühwein. Ein kleiner Austausch untereinander, dann „verzieht“ sich der Küchenchef hinter den Herd, und die Gruppe macht sich über die Straße „Zum Morgenland“ auf den Weg ins Unterholz. Hollmann informiert auf Nachfrage über die Beschaffenheit der Dötlinger Böden und darüber, was hier so alles wächst. Plötzlich entflammt in einem Teil der Gruppe eine Diskussion über genmanipulierte Nahrung. Eine Weile lässt Hollmann die Teilnehmer gewähren, dann unterbricht er die Debatte. Schließlich ist das Dötlinger Holz noch nicht einmal erreicht. Alle setzen sich wieder in Bewegung. Nach ein paar Metern verlassen sie den Feldweg. „Das hier ist ein Bauernwald. Die Dötlinger nennen ihn auch Spielberg, weil viele hier als Kinder gespielt haben“, sagt Hollmann.

Durch die dichten Baumkronen dringen nur wenige Sonnenstrahlen. Es wird schattig. So mancher zieht den Reißverschluss seiner Jacke ein Stückchen höher. Hollmann führt zum Südhang. „Da gibt es etwas zu entdecken“, erklärt er. „Aber nicht abstürzen.“ Vorsichtig wagen sich die Teilnehmer ein Stück den Abhang hinunter und stoßen auf ein großes Loch. „Das ist ein kombinierter Fuchs- und Dachsbau“, verrät der ehemalige Herings-Leiter. Er sei mindestens 100 Jahre alt. Die Röhren, die Dachse gegraben hätten, reichten 20 bis 30 Meter in den Wald hinein. Der Fuchs niste sich mit ein. Werde aber auch mit Bauhunden bejagt. „Und gibt‘s auch einen Notausgang?“, möchte einer der Teilnehmer wissen. „Ja, um die 20“, weiß Hollmann, der zudem versichert, dass Tollwut hier keine Rolle mehr spiele. „Nur bei Fledermäusen wäre ich vorsichtig.“

Langsam marschieren alle weiter. In der Ferne sehen sie bereits Bötefür, der auf einem Tisch Schälchen für die Vorspeise platziert. Es gibt Rahmsuppe vom Reh mit Champignons. Sie ist nicht nur lecker, sondern wärmt auch. Während die Gruppe anschließend den Staatsforst entdeckt, der im Vergleich zum Bauernwald bewirtschaftet wird, macht sich Bötefür wieder an die Arbeit. Bringt die benutzten Schalen zurück zum Schützenhof, verleiht der Hauptspeise – Rehragout mit Semmelknödeln und Rotkohl – den letzten Schliff, verfrachtet alles in seinen Wagen und steuert die nächste Station an. Auch die „Forsttourer“ treffen pünktlich zur Schlemmerei am Wegesrand an. So langsam neigt sich der gut dreistündige Ausflug dem Ende entgegen. Am Infomobil der Jägerschaft erfahren die Teilnehmer noch, welche Tiere so im Wald leben, ehe sie sich auf den Rückweg begeben. Beim Genießen des Apfelstrudels im Schützenhof steht für viele fest: „Das war nicht unsere letzte kulinarische Forsttour.“

Wer auch einmal im Dötlinger Holz essen möchte, hat dazu am 15. November noch die Möglichkeit. Dann wird die Veranstaltung wiederholt. Anmeldungen unter Telefon 04433/362.

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