Lockerungen in Corona-Krise denkbar

Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen: Kreative Ideen für Besuch gefragt

Kostengünstig und praktisch: Hausmeister Udo Evers, gelernter Zimmermann, baut eine Acrylglasscheibe in ein Fenster ein.
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Kostengünstig und praktisch: Hausmeister Udo Evers, gelernter Zimmermann, baut eine Acrylglasscheibe in ein Fenster ein.

Kein Ausgang, keine Besuche wegen Corona – das gilt seit Wochen für Einrichtungen, in denen Menschen mit Behinderungen leben. Nun signalisieren die Behörden eine gewisse Lockerung. Das spornt Christiana Schulze, Leiterin des Wohn- und Ferienhauses in Neerstedt, zu kreativen Ideen an.

Neerstedt – „Man muss Rahmenbedingungen schaffen, um die Situation längerfristig erträglich zu machen“, meint Christiana Schulze, Leiterin des Wohn- und Ferienhauses in Neerstedt, in dem Menschen mit Behinderung leben. Sie hatte vor drei Wochen kritisiert, dass das Landesgesundheitsamt sowohl gemeinsame Mahlzeiten als auch Gruppenangebote innerhalb des Hauses sowie Spaziergänge untersagt hatte. Die in der Einrichtung Lebenden seien voneinander zu separieren und Kontakte zu unterbinden, hatte es in der Handreichung vom 3. April geheißen.

Nun, da auch für die breite Bevölkerung leichte Lockerungen in Kraft getreten sind, sind auch die Vorgaben für Häuser wie das in Neerstedt angepasst worden. So besteht inzwischen die Möglichkeit, eine Ausnahme des weiterhin gültigen Besuchsverbots zu beantragen. Dafür ist laut den „Hinweisen zu Maßnahmen der Infektionsprävention bei Covid-19 in Pflege- und Behinderteneinrichtungen“ des Landessozial- und Gesundheitsamts vom 24. April ein Hygienekonzept nötig, das zuvor vom örtlichen Gesundheitsamt zugelassen werden muss.

Trennwände und Container

Schulze ist derzeit damit beschäftigt, eine Lösung zu finden, die den Besuch von Angehörigen der in der Einrichtung Lebenden ermöglicht. „Wir sind mit unserem ersten Konzept leider gescheitert“, berichtet die 37-Jährige. Das sah vor, dass Gäste und Bewohner in einem umgebauten Carport auf dem Gelände zusammenkommen können. Ein breiter Tisch in der Mitte sollte einen Abstand von zwei Metern gewährleisten, in der Mitte hätte eine Acrylglas-Trennwand als Spuckschutz stehen sollen. Doch diese Vorrichtung hätte eine Übertragung durch Aerosole, also Mikropartikel, die in der Luft schweben, nicht sicher verhindert, befand das Kreisgesundheitsamt laut Schulze.

So geht’s nicht: Diese Vorrichtung für Besuche im Wohn- und Ferienhaus Neerstedt hat das Kreisgesundheitsamt als zu unsicher abgelehnt.

Also muss eine neue Idee her. Die Behörde habe angeregt, eine Terrassentür so umzubauen, dass kontaktlose Begegnungen möglich seien, erläutert die Heimleiterin. Während die Bewohner drinnen säßen, könnten sie mit ihren draußen bleibenden Angehörigen durch die Scheibe sprechen. Der Vorteil daran sei, dass keine zusätzliche Betreuung nötig sei und es so mehr Privatsphäre für die Gespräche gebe. „Und es ist natürlich relativ kostengünstig“, findet Schulze – etwa im Vergleich zu den sogenannten Besuchscontainern, die derzeit vermehrt angeboten würden. Ein 15 Quadratmeter großes Modell ist laut Angebot von zwei Seiten begehbar und in der Mitte durch eine Plexiglasscheibe getrennt. „Die Idee finde ich grundsätzlich gut“, sagt sie. Doch auf Anfrage habe sie die Auskunft erhalten, dass für zwei Monate eine Miete von insgesamt knapp 3 800 Euro anfalle, erklärt die 37-Jährige. Deshalb habe sie darauf verzichtet.

Stattdessen habe der Hausmeister nun in einem leer stehenden Zimmer von innen an das große Fenster eine Acrylglasscheibe angebracht. „Das kleine Fenster bleibt zum Lüften unverkleidet, ist aber abschließbar.“ Der Bewohner soll dann im Zimmer sitzen, sein Gast kann außen auf dem Hof in einer Sitzecke vor dem Zimmerfenster Platz nehmen. „Direkter Kontakt und Tröpfchenaustausch sind so ausgeschlossen, eine Unterhaltung, ohne dass man sich anbrüllen muss, ist aber möglich“, schildert Schulze.

Kleingruppen dürfen zusammen essen

„Es ist ein bisschen Bewegung drin“, findet die Einrichtungsleiterin mit Blick auf die aktuellen Veränderungen. Inzwischen sei es wieder möglich, die Mahlzeiten in kleineren Gruppen und unter Beachtung des Mindestabstands gemeinsam einzunehmen sowie Aktivitäten zu organisieren. „Wir versuchen, die meisten Angebote auf dem Hof oder der Dachterrasse stattfinden zu lassen.“ Die Mitarbeitenden hätten dort zudem Quadrate aus Kreide aufgemalt, um den Menschen in der Einrichtung zu signalisieren, welchen Abstand sie zueinander einhalten sollen.

Für die 37-Jährige ist wichtig, dass sie nun den Eindruck hat, dass die Situation differenzierter betrachtet wird. „Die ganzen anderen Bedürfnisse standen hinter dem Infektionsschutz zurück“, schildert sie die einige Wochen zurückliegende Lage. Die neuen Hinweise der Landesbehörde zeigen ihrer Ansicht nach, dass nun nach Maßgaben gesucht werde, die auch über den Moment hinaus durchhaltbar seien. „Es wäre schön, wenn sich die Bewohner längerfristig wieder freier bewegen dürften“, sagt Schulze. „Am besten wäre es, wenn zeitnah eine nachhaltige, wiederverwendbare und virendichte Schutzmaske entwickelt würde, die es Risikogruppen wie unseren Bewohnern ermöglicht, wieder am gesellschaftlichen Leben außerhalb der Einrichtung teilzunehmen, ohne dass für sie ein Risiko entsteht.“

Was die Infektionsgefahr angeht, sei das Neerstedter Wohn- und Ferienhaus bislang gut durch die Krise gekommen: Zwei negative Tests bei Bewohnern und einen beim Personal habe es gegeben. Sie hofft, dass es so bleibt: „Das Risiko ist groß, das sieht man ja auch an den umliegenden Einrichtungen.“

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