Neerstedter Viertklässler lernen sich selbst zu behaupten und zu verteidigen

„Kniffe“ für den Notfall

Kräftemessen: Um zu erfahren, wie viel Power sie aufbringen können, gab es für die Viertklässlerinnen einen kleinen Zweikampf Rücken an Rücken. Heute stehen mit Wendo-Trainerin Gudrun Löhlein weitere Übungen auf dem Programm. - Fotos: Schneider

Neerstedt - Von Tanja Schneider. Grelle Schreie hallen durch die Neerstedter Sporthalle. Auf einer dicken, blauen Matte ringen und raufen die Viertklässlerinnen der Grundschule. Sie testen gerade ihre Kräfte. „Die sollte man kennen, wenn man sich selbst behaupten und verteidigen möchte“, sagt Sozialpädagogin und Wendo-Trainerin Gudrun Löhlein.

An zwei Tagen vermittelt sie den Mädchen im Rahmen eines vom Schul-Förderverein initiierten Präventionsprojektes, wie sie sich durchsetzen und Konflikte lösen können. Die Jungen der vierten Klassen haben mit Sascha Henke von der Kampfsport-Akademie Wildeshausen ihren eigenen Trainer. „Es ist schon sinnvoll, Jungen und Mädchen zu trennen. Letztere trauen sich dann einfach mehr“, sagt Löhlein.

Sascha Henke übte mit den Jungen und zeigte ihnen, wie sie sich befreien können, wenn sie jemand am Kragen packt.

Beiden Gruppen ist eines gemein: Sie erfahren, wie sie sich verteidigen – dies aber auf unterschiedliche Weise. Während die Mädchen lernen, sich mittels ihrer Körperhaltung, ihres Ausdrucks und ihrer Stimme durchzusetzen, üben die Jungen, wie sie sich aus verschiedenen Situationen befreien können. „Beispielsweise aus dem Schwitzkasten oder wenn sie am Handgelenk festgehalten werden“, berichtet Henke. Gerade demonstriert er, was zu tun ist, wenn einen jemand mit beiden Händen am Kragen packt. Als „Täter“ hält Basti her. Ratzfatz hat Henke sich aus der Umklammerung gelöst und den Jungen in die Knie gezwungen. „Armer Basti“, meinen die Mitschüler. Henke macht auch sogleich deutlich, dass solche „Kniffe“ nur in Notsituationen angewendet werden sollten. „Und nicht auf dem Schulhof.“ Zum Training gehören auch weitere Verhaltenstipps – wie im Zweifel lieber wegzulaufen oder „Feuer“ statt „Hilfe“ zu rufen.

Die Mädchen haben derweil eine Stimmschulung sowie Fallübung absolviert. „Nun geht es darum, zu spüren, wo die Grenzen liegen und anderen Stopp zu signalisieren“, so Löhlein. Denn die Schülerinnen sollen sich durchsetzen können, ohne zu prügeln oder an den Haaren zu ziehen. Auch Mut und Fitness stellt die Wendo-Trainerin auf die Probe. Einige der raufenden Mädchen auf der Matte sollen eine Schildkröten-Position einnehmen, die anderen sollen versuchen, sie umzudrehen.

„Die jetzigen Viertklässlerinnen sind ganz fit. Generell beobachten wir aber, dass die eigene Körperwahrnehmung bei Kindern nachlässt und geschult werden muss“, weiß die Sozialpädagogin. Geht es nach ihr, müssten sich schon an das „Ich steh’ fest“-Programm für die Kita-Kinder und Erstklässler Projekte anschließen. Die Realisierung sei aber nicht so einfach.

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