Klockgethers errichten Vollerwerbsimkerei mit Verkauf/Lebensraum für eine Vielzahl an Tieren/Schulungen geplant

Dötlinger Honighof nimmt Gestalt an

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Imker Fred Klockgether informierte mit seiner Frau Liudmila und Sohn Alexander die CDU-Ratsmitglieder Gernot Kuhlmann, Willi Niehoff, Anke Spille und Torsten Schwarting (v.l.) über das Konzept.

Dötlingen - Von Tanja Schneider. Dötlingen wird im kommenden Jahr um eine Attraktion reicher sein. Denn auf dem Gelände der alten Fischzucht zwischen Heideweg und Hunte entsteht derzeit der „Honighof zu Dötlingen“. Dort möchten Fred Klockgether und seine Familie nicht nur bis zu 30 Bienenvölker halten, deren Produkte verarbeiten und zum Kauf anbieten, sondern vor allem aufklären. Langfristiges Ziel ist ein Informationspark für Nachhaltigkeit und Biodiversität.

Bereits vor gut zehn Jahren hat Klockgether das Areal entdeckt. Nach mehreren Anläufen hat er nun vor vier Wochen die Genehmigung für eine Vollerwerbsimkerei mit Verkaufsfläche erhalten. Wo einst die alte Fischerhütte einer Forellenzucht stand, wird derzeit ein Neubau mit 100 Quadratmetern Nutzfläche errichtet. Im Erdgeschoss ist neben einem Lager- sowie zwei Verarbeitungsräumen auch „De Hexenstuuv“ geplant, wo die Familie unterschiedliche Bienen- und Kräuterprodukte vertreiben möchte. Zudem entstehen öffentliche Toiletten – zum einen für die künftigen Besucher, zum anderen für die Spaziergänger auf den umliegenden Wanderwegen und die Kanuten auf der 50 Meter entfernten Hunte.

Das Gebäude grenzt an einen Hügel. Wer hinauf steigt, gelangt auf eine Fläche, die später als Picknickplatz dienen soll. „Hier kann dann jeder rasten“, erläutert Klockgether, der aber betont, dass es keinen Kiosk geschweige denn eine Gaststätte geben wird. Vom Picknickplatz aus können die Gäste den Blick über das alte Huntetal schweifen lassen – und natürlich über die 5500 Quadratmeter große Fläche des Honighofes. Optischer Blickfang ist ein Teich. Der umrahmende Bewuchs soll Vögeln und Reptilien als Lebensraum dienen. Angedacht sind beispielsweise noch Brutplätze für Ringelnattern.

Zudem möchte die Familie einen Heil-Kräutergarten anlegen. „Was dort wächst, soll dann auch in der Hexenstuuv erhältlich sein“, erklärt Klockgether, der seit rund 25 Jahren imkert und weiß: „Wenn man Menschen für dieses Thema begeistern möchte, muss man etwas bieten. Niemand kommt wegen eines Glases Honig.“

Gut vorstellen kann er sich deshalb Infostände zu Themen wie Imkerei, Greifvögel, Hautflügler oder Ameisen. Denkbar seien kleine Pavillons, die auch Gruppen wie der Nabu oder die Jägerschaft nutzen könnten, um sich und ihre Arbeit zu präsentieren. Dies sind aber „nur“ Ideen. „Der Hof wird sich nach und nach entwickeln“, sagt Klockgether. Auch ein Spielplatz und ein Kleintiergehege könnten noch hinzukommen.

Konkret sind hingegen schon die Pläne für das Obergeschoss, das vom Picknickplatz aus erreichbar ist. Neben einem Büro und einem Materiallager wird ein Schulungs- und Ausbildungsraum eingerichtet, der nicht nur den Imkern und solchen, die es werden möchten, dienen soll, sondern auch anderen Gruppen. Bei der Errichtung des Neubaus hat Klockgether nicht nur an die Bienen gedacht. An den Giebelwänden wird es auch zwei Eulenlöcher geben. Zudem sind Öffnungen für Fledermäuse geplant, die dort ebenfalls Nistmöglichkeiten finden sollen. „Wir möchten damit anderen zeigen, was sie an ihrem eigenen Haus machen können, um Tieren ein Domizil zu bieten“, erläutert er.

Der Fokus soll aber klar auf den Bienen und der Vermittlung von Wissenswertem rund um die Tiere liegen. Maximal 30 Völker soll das Areal im Frühjahr und Sommer beherbergen. In der Hochsaison zählt ein Volk um die 60000 Tiere. So manch einem ist dies nicht geheuer. Klockgether versichert aber, dass seine Landbienen friedlich sind. Darauf lege er bei der Zucht großen Wert. Zudem brauche niemand befürchten, dass ganze Schwärme durchs Dorf ziehen. „Bei der Tracht fliegen die Bienen um die 150 bis 200 Meter weit. Längere Strecken wollen sie dann gar nicht zurücklegen, schließlich möchten sie Ertrag erwirtschaften“, informiert er. Zu anderen Zeiten sind sie auch im Radius von rund zwei Kilometern unterwegs.

Nahrung sollen die Bienen vor allem auf einer 14000 Quadratmeter großen Ackerfläche finden, die der Imker dazu gepachtet hat. Dort ist eine bestäuberfreundliche Bepflanzung mit Blumen, Obst und Beeren vorgesehen. Dieses Areal liegt genau zwischen Heideweg sowie dem Honighof und soll zur Straße hin auch Raum für ein paar Parkplätze bieten. „Dies ist eine Auflage von Gemeinde und Landkreis. Die Besucher sollen aus Umweltschutzgründen nicht mit dem Auto vorfahren“, erklärt Klockgether, der nicht nur Mitglied in den Imkervereinen Wildeshausen und Hatten ist, sondern nun auch den Imker- und Hautflüglerverein zu Dötlingen gegründet hat. Er befindet sich derzeit im Aufbau.

Klockgether hofft, dass der Honighof im April 2016 öffnen kann – „pünktlich, wenn die Bienen wieder fliegen“. Nach ihrem Rhythmus wird sich auch der Betrieb richten. So soll die „Hexenstuuv“ in der Saison, die von April bis September reicht, öffnen.

Willi Niehoff, Anke Spille, Gernot Kuhlmann und Torsten Schwarting von der Dötlinger CDU-Fraktion waren heute die ersten Gäste auf dem Honighof. Vor Ort wollten sie sich über das Konzept sowie den aktuellen Stand der Arbeiten informieren und mit Imker Fred Klockgether auch über Bedenken seitens der Bevölkerung sprechen. Denn, wo Zehntausende von Bienen eine Heimat finden sollen, bestehen auch Ängste. Diese konnte Klockgether aber größtenteils ausräumen. Seine Zucht ziele auf friedliche und produktive Bienen. Spille verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass es in Dötlingen auch mitten in Wohngebieten Völker gebe. „Beschwerden habe ich noch nicht gehört“, sagte sie. Kuhlmann bezeichnete Klockgethers Vorhaben als „ehrgeiziges Projekt“, das helfen könnte, die Menschen zu sensibilisieren und den Nutzen der Biene zu verdeutlichen. „Die Arbeit der Imker kann man nicht hoch genug einschätzen“, meinte auch Niehoff. Zudem lobte er das Konzept. Dass das Gelände für alle offen ist, ein Picknickplatz und öffentliche Toiletten vorgehalten werden sollen, sei durchaus interessant.

Die Ratsmitglieder nutzten gestern auch die Gelegenheit, um mit dem Imker über das Blühflächenprogramm der Gemeinde (wir berichteten) zu diskutieren. „Generell sei die Idee klasse“, meinte Klockgether, der für den Bayer-Konzern als Berater in Sachen Bienengesundheit tätig ist. Die Realisierung sei in manchen Bereichen allerdings nicht zielführend. So benötigten Wildbestäuber langfristige Habitate. Dies sei auf landwirtschaftlichen Nutzflächen nicht möglich. Auch Blühflächen wie im Dorfgarten seien nur sinnvoll, wenn sie nicht zwischendurch bearbeitet werden. Kontraproduktiv seien zudem Saatmischungen, die blühende Landschaften bis in den November hinein ermöglichen. „Meine Bienen sollen ab Herbst aber nichts anderes machen als sich erholen“, sagte Klockgether.

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