Kinderturnen und Krabbelgruppe

Angebote für Kleinkinder weggebrochen

Eine leere Schaukel auf einem Spielplatz
+
Besser als nichts: Spielplatzgeräte müssen derzeit ersetzen, was kleinen Kindern an Bewegungsangeboten fehlt.

In der Sporthalle Gremiensitzung statt Kinderturnen, Absagen bei Krabbelgruppen und Eltern-Kind-Cafés: Gerade für kleine Kinder fehlen bereits seit Beginn der Pandemie die Angebote. Das ist ein Problem, finden mehrere der beteiligten Erwachsenen.

Aschenstedt/Dötlingen/Geveshausen – Sowohl die Belastung von Eltern als auch von Kindern im Vorschulalter steigt, je länger die Coronakrise andauert. Das zeigt der aktuelle Bericht der „Corona-KiTa-Studie“ des Robert-Koch-Instituts und des Deutschen Jugendinstituts. Während über die Situation in den Betreuungseinrichtungen und Schulen immer wieder berichtet und diskutiert wird, stehen Kleinkinder selten im Fokus. Doch auch für sie ist vieles weggebrochen, was zuvor selbstverständlich zum Alltag gehörte: Krabbelgruppen oder Kinderturnen etwa.

Im Gegensatz zu den älteren gingen kleine Kinder ja nicht aus eigenem Antrieb los, um Freunde zu besuchen, erläutert Yvonne Lulley. Deshalb suchten die Eltern nach Angeboten, bei denen die Mädchen und Jungen miteinander in Kontakt kommen können. Die 46-Jährige aus Dötlingen leitet eine der Krabbelgruppen der St.-Firminus-Kirchengemeinde. Vor Corona seien jede Woche etwa acht Kinder plus Elternteil zusammengekommen, erzählt sie.

Doch seit Beginn der Pandemie ist das unmöglich. „Ich würde eigentlich sagen, dass sich die Krabbelgruppe aufgelöst hat.“ Denn die Mädchen und Jungen seien inzwischen älter geworden und mit vier, fünf Jahren dem Krabbelalter eigentlich längst entwachsen. Sie und ihre Tochter hätten immerhin noch Kontakt zu einer Freundin und deren Kind. Alternativen bestünden derzeit nicht: „Es gibt gar nichts mehr für die kleinen Kinder. Da ist ein Riesendefizit. Es fühlt sich an, als wären die vergessen.“

Es gibt gar nichts mehr für die kleinen Kinder. Da ist ein Riesendefizit. Es fühlt sich an, als wären die vergessen.

Yvonne Lulley, Krabbelgruppenleiterin

Seit Melanie Morscheck hat vor gut einem Jahr das Eltern-Kind-Turnen des TV Dötlingen übernommen hat, habe es lediglich eine einzige Woche gegeben, in der sie die Kurse für Kinder zwischen null und zwei sowie zwischen zwei und vier Jahren habe anbieten können, berichtet die 30-Jährige. „15 verschiedene Haushalte – das ist gerade ja utopisch“, blickt sie auf die Lage im Frühherbst zurück. „Im Grunde sind wir seit über einem Jahr raus. Das merkt man den Kindern an“, findet Morscheck, die als Erzieherin arbeitet.

Einfache Übungen wie Schaukeln, Balancieren, durch einen Tunnel kriechen oder Bälle werfen seien wichtig, damit die Kleinen ihre motorischen Fähigkeiten entwickeln und vertiefen. Auch die Stärkung einzelner Muskelgruppen, die Raumwahrnehmung und die soziale Interaktion seien bedeutende Komponenten des Angebots. Morscheck findet: „Kinderturnen gehört zu jeder Kindheit.“

Die Kurse angesichts der gesperrten Sporthalle nach draußen zu verlagern sei nicht so einfach. Aktuell seien ja auch dort die Treffen mehrerer Haushalte nicht erlaubt. Hinzu komme, dass es leichter sei, die Kinder drinnen zu beaufsichtigen und zu viele Reize gerade die Kleinsten überfordern könnten.

Balancieren, Ausprobieren, mit anderen interagieren: Kinderturnen – wie hier beim Fasching 2020 in Brettorf – bietet viele Möglichkeiten, etwas zu lernen.

Ähnlich schätzt Anke Nordbruch, Leiterin der „Sportmäuse“ des TV Brettorf, die Lage ein. Für die Ein- bis Dreijährigen sei es keine Option, Kurse online zu veranstalten, findet sie. Seit Beginn der Coronakrise ruht ihr Angebot, zu dem normalerweise rund 20 Kinder plus Eltern kommen. „Unser Konzept war immer, dass man viel miteinander gemacht hat“ – Singen, Aufwärmen, Spiele, erklärt die Aschenstedterin. Sowohl die motorische als auch die soziale Komponente seien wichtig und fielen nun weg. Auch der Kontakt zu den Eltern gehe verloren.

Nordbruch hat viel Erfahrung, sie ist seit zwölf Jahren als Übungsleiterin aktiv. „Für die Kinder ist das immer eine Anlaufstelle.“ Derzeit überlegt sie, ob es nicht doch möglich ist, ein verändertes Angebot draußen zu machen. Vielleicht auf dem Sportplatz, oder Spaziergänge im Wald. Dennoch: Eine konkrete Perspektive fehle.

Die Krise als Chance für mehr gemeinsame Zeit sehen

Rausgehen war hingegen schon immer das Konzept von Kathrin Brengelmann. Sie bietet seit vier Jahren über die Kirchengemeinde eine naturverbundene Krabbelgruppe an, die sich auch vor der Pandemie bereits ausschließlich und bei jedem Wetter im Freien traf. Die Natur entdecken, Spazieren gehen und Spielen stünden dabei im Vordergrund.

Regulär kämen bis zu acht Familien mit Kindern zwischen drei Monaten und fünf Jahren zusammen. Nun seien die Treffen zwar auf zwei Haushalte reduziert, dennoch könne das Angebot weiterlaufen, erklärt sie. „Ich freue mich über jeden Kontakt.“

Die Geveshauserin erlebt die Coronakrise mit Blick auf die Kinder eher als Chance, mehr Zeit mit ihnen verbringen zu können. Sie habe nicht den Eindruck, dass es eine besonders schwierige Zeit für sie sei, sagt Brengelmann. Natürlich sei klar, dass Eltern sich aufgrund der wegfallenden Angebote Gedanken machen müssten, was sie mit ihnen unternehmen. Ihre große Tochter habe zum Beispiel Schlittschuh- und Inlinerfahren gelernt. „Ich habe auch noch nie so viel gebastelt“, berichtet sie.

So will der Landkreis Oldenburg helfen

Online-Cafés: Dötlinger und Wildeshauser Eltern mit Babys im ersten Lebensjahr treffen sich dienstags zwischen 11 und 12 Uhr zum Café Kinderwagen (online), Mütter und Väter mit Kindern zwischen einem und drei Jahren zum Café Bobbycar, montags von 9.30 bis 10.30 Uhr (online).

„Newsletter gegen Langeweile“: Einmal pro Woche versendet die Koordinierungsstelle Frühe Hilfen kostenlos Ideen zur Gestaltung der Zeit mit Kleinkindern zu Hause.

Online-Elternkurse: Ende April startet eine neue Runde kostenloser Kurse für Eltern unter dem Titel „Familienbande – die ersten drei (Kinder-)Jahre“. Ab dem 26. April sind vier Termine geplant, immer montags zwischen 20 und 22 Uhr.

Kontakt und Anmeldung für alle Angebote per E-Mail an fruehe-hilfen@oldenburg-kreis.de

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Meistgelesene Artikel

Versenktes Diebesgut: Taucher finden Tresor im Zwischenahner Meer

Versenktes Diebesgut: Taucher finden Tresor im Zwischenahner Meer

Versenktes Diebesgut: Taucher finden Tresor im Zwischenahner Meer
Frau überweist Love-Scammer 15.000 Euro

Frau überweist Love-Scammer 15.000 Euro

Frau überweist Love-Scammer 15.000 Euro
Geldstrafe und Gebissreparatur zu zahlen

Geldstrafe und Gebissreparatur zu zahlen

Geldstrafe und Gebissreparatur zu zahlen

Kommentare