Unfall bei Ostrittrum

Autofahrer wegen fahrlässiger Tötung zu Geldstrafe verurteilt

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Der Verkehrsspiegel erlaubt den vom Bootsanleger kommenden Fahrzeugen einen Blick nach links. Er wurde nach dem Unfall installiert.

Ostrittrum - Von Ove Bornholt. Wie geht man damit um, einen Menschen fahrlässig getötet zu haben? Mit dieser Frage muss ein 68 Jahre alter Mann aus der Gemeinde Großenkneten leben, der an einem sonnigen Juniwochenende 2018 bei Ostrittrum mit seinem Golf mit einem 54-jährigen Motorradfahrer kollidierte. Der Mann aus der Gemeinde Hatten verstarb noch an der Unfallstelle. Am Dienstag stand der Großenkneter deswegen vor Gericht.

Dem 68-Jährigen war die Sicht versperrt gewesen, als er damals von einem Bootsanleger an der Hunte auf die Neerstedter/Huntloser Straße in Ostrittrum auffuhr. Deswegen konnte er den von links kommenden Motorradfahrer nicht wahrnehmen. Die Kammer sah den Tatbestand der fahrlässigen Tötung als erwiesen an und verurteilte den 68-Jährigen zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen. „Keine Strafe der Welt kann den Tod und das Leid der Familie aufwiegen“, betonte die Richterin. Aber der Rechtsstaat müsse reagieren.

Der Angeklagte räumte den Vorwurf ein und suchte nicht nach Ausreden. Er sei an jenem Tag bei dem Anleger gewesen. Dort habe er sich mit ein paar Leute unterhalten und dabei freie Sicht nach links auf die Straße gehabt. Wenige Sekunden später wollte er weiter, sei in seinen Golf gestiegen und langsam auf die Straße gefahren, die er wegen des Brückengeländers nicht überblicken konnte. Zu diesem Zeitpunkt näherte sich von links der Motorradfahrer, der aus einer etwa 150 Meter entfernten Kurve kam und deswegen vorher nicht zu sehen gewesen war. Höchstwahrscheinlich nahm auch ihm das Brückengeländer die Sicht auf den Wagen des Angeklagten.

Ein Schriftzug erinnert mit einem großen Kreuz und dem Datum an den Unfall.

Mit brüchiger Stimme schilderte der Großenkneter den Unfall aus seiner Perspektive: „Von hinten rief noch jemand ,Halt‘. Aber bevor ich reagieren konnte, knallte es fürchterlich.“ Erst nachdem er ausgestiegen sei, habe er die Reste des Motorrads auf der Straße gesehen. Beide Fahrzeuge hatten nach dem heftigen Zusammenstoß einen Totalschaden. Der 68-Jährige hat schwer an dem Geschehen zu tragen und ist in psychologischer Behandlung. Die Familie des Getöteten hatte Kontakt aufgenommen, und es ist zu Treffen gekommen, um über den Unfall zu reden.

„Man kann nur den Kopf schütteln, dass da 100 Kilometer pro Stunde erlaubt waren“, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Der Angeklagte habe sich nicht von einer der anderen Personen vor Ort einweisen lassen. „Ein im Grunde genommen kleiner Fehler mit Riesenfolgen.“ Ein Leben sei völlig sinnlos beendet worden. Dennoch habe man es hier nicht mit einem verantwortungslosen Fahrer zu tun, unterstrich sie. Die Anklage forderte eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen.

Der Vertreter der Nebenklage, der die Frau des Opfers repräsentierte, sprach von „zwei Personen zur falschen Zeit am falschen Ort. Wären der Motorradfahrer oder der Angeklagte eine Sekunde früher oder später losgefahren, wäre alles in Ordnung gewesen“. Wenn der Angeklagte sich hätte einweisen lassen, wäre der Unfall zwar zu vermeiden gewesen. „Aber da denkt man in dem Moment nicht dran.“ Dem Nebenklägervertreter ging es ausschließlich um die Schuldfeststellung, um Forderungen gegenüber der Versicherung geltend zu machen. Er ließ durchblicken, dass ein steiniger Weg vor den Hinterbliebenen liegt. „Da wird gar nichts freiwillig gezahlt. Da wird prozessiert ohne Ende.“ Das sei aber nicht die Schuld des Angeklagten.

Der Verteidiger sprach von einem „tragischen Augenblicksversagen, wie es tagtäglich 1 000-fach im Straßenverkehr vorkommt“. Der 68-Jährige stelle sich seiner Verantwortung. Die Geldstrafe sei angemessen.

Die Richterin folgte den Anträgen. Auch sie sprach von einem „wirklich tragischen Unfall“.

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