Kapazitäten könnten geradeso ausreichen / Nachfrage nach längeren Öffnungszeiten

Kinderbetreuung bleibt ein Rechenspiel

Reicht das Angebot oder fehlen Kindergartenplätze? Das hängt bei der Kita „Dötlinger Strolche“ auch von den sogenannten „Flexi“-Kindern ab.
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Reicht das Angebot oder fehlen Kindergartenplätze? Das hängt bei der Kita „Dötlinger Strolche“ auch von den sogenannten „Flexi“-Kindern ab.

Neerstedt – Trotz der immensen Bemühungen in den vergangenen Jahren – von Anbauten bis hin zur Einführung eines Waldkindergartens – könnte es in den Einrichtungen in der Gemeinde Dötlingen auch zum Start des neuen Kita-Jahres im August 2021 wieder eng werden. Das zeigen die Anmeldezahlen, die Hauptamtsleiterin Katrin Albertus-Hirschfeld am Dienstagabend dem Jugend-, Sport- und Sozialausschuss präsentierte.

Personalaufstockung erforderlich

Ebenfalls nicht ausreichend scheinen nach aktuellem Stand die Betreuungszeiten, weshalb Erweiterungen im Neerstedter Kindergarten „Unterm Regenbogen“ sowie in der Kita „Dötlinger Strolche“ angedacht sind. Dies macht wiederum zusätzliches Personal beziehungsweise die Aufstockung vorhandener Stellen erforderlich. Nach umfangreichen Diskussionen empfahl der Ausschuss schließlich einstimmig, die Betreuungs- sowie die Sonderöffnungszeiten in Neerstedt um 17,5 Stunden pro Woche und die Sonderöffnungszeit in Dötlingen um 7,5 Stunden pro Woche zu erhöhen – jeweils auf ein Jahr befristet.

Dies bedeutet für Neerstedt zusätzliche Personalkosten in Höhe von 24 500 Euro im Jahr für eine Erzieherin und für Dötlingen gut 8 000 Euro für eine Sozialassistentin. Laut Albertus-Hirschfeld ist die Verwaltung bestrebt, den Mehrbedarf über Stundenaufstockungen abzudecken. Denn die Finanzhilfe vom Land Niedersachsen gebe es nur für Mitarbeiter, die mindestens mit der Hälfte der tariflichen Arbeitszeit beschäftigt sind. Gabriele Roggenthien (Bündnis 90/Die Grünen) bezeichnete die Finanzhilfe, die aufgrund der Beitragsfreiheit gewährt wird, als Mogelpackung. „Denn statt der für das kommende Jahr versprochenen 58 Prozent (derzeit 55 Prozent) gibt es in Wirklichkeit deutlich weniger. Ich habe es ausgerechnet. Der Gemeinde gehen 380 700 Euro flöten“, bemängelte sie. „Da muss man doch mal in Hannover Alarm schlagen.“ Albertus-Hirschfeld erklärte die Differenz mit der Berechnung, bei der die Jahreswochenstundenpauschale eine Rolle spiele. Bürgermeister Ralf Spille befürchtete, „dass wir damit leben müssen, dass es keinen adäquaten Ausgleich gibt“.

Die Erhöhung der Betreuungs- und Sonderöffnungszeiten ist auch noch nicht in Stein gemeißelt. Die angedachten Änderungen basieren auf den Wünschen, die die Eltern bei der Anmeldung bis Ende September angegeben haben. Erfahrungsgemäß könnten sich noch Korrekturen ergeben. Auf jeden Fall solle mit den Eltern das Gespräch gesucht werden, ob die genannten Zeiten tatsächlich benötigt würden, teilte Albertus-Hirschfeld mit.

Neben Neerstedt und Dötlingen ist wohl auch eine Angleichung in Brettorf im Gespräch. Dort geht es um die Krippe, in der die Kinder ab August bis 13.30 statt 13 Uhr betreut werden könnten. Eine scheinbar minimale Anpassung, die bei einigen Eltern aber für Unmut sorgt, wie während der Einwohnerfragestunde deutlich wurde. Demnach passe die Abholzeit nicht mit der im benachbarten Kindergarten „Kleeblatt“ zusammen. Und wer dort ebenfalls ein Kind hat, wolle schließlich nicht eine halbe Stunde lang auf dem Parkplatz warten. Das jüngere Kind ein paar Minuten eher abzuholen, komme ebenfalls nicht infrage, hieß es. Schließlich bezahle man ja – sollte die Änderung tatsächlich kommen – bis 13.30 Uhr. Angemerkt wurde in diesem Kontext noch, dass dann die Schlafgelegenheiten für Krippenkinder nicht ausreichen würden.

Viel mehr Sorge bereitet der Verwaltung aber, dass generell Kita-Plätze fehlen könnten. In den insgesamt vier Krippengruppen gibt es momentan nur drei freie Plätze, in der Großtagespflege in Aschenstedt sind es zwei. Letztere ist für 2021/2022 schon komplett voll. In den Krippen stünden nach derzeitigem Stand zwar 13 Plätze zur Verfügung. Allerdings gibt es in Dötlingen noch 18 und in Neerstedt 20 unberücksichtigte Kinder im Krippenalter. „Und selbst, wenn der Anmeldeschluss schon war, der Rechtsanspruch auf einen Platz besteht dennoch“, gab Albertus-Hirschfeld zu bedenken.

Wunscheinrichtung nicht garantiert

Im Kindergartenbereich könnte es ebenfalls knapp werden. Bis zum Ende des Kita-Jahres sind nach aktuellen Berechnungen 28 Plätze in den fünf Einrichtungen frei. Ab August 2021 sieht dies schon wieder ganz anders aus. In Neerstedt fehlen dann vier Plätze, die Gruppe im Brettorfer „Filibuster“ wäre komplett belegt, und im Dötlinger Waldkindergarten gäbe es noch drei freie Plätze. Bei den „Dötlinger Strolchen“ sowie im Brettorfer „Kleeblatt“ sind die Kapazitäten von den „Flexi“-Kinder abhängig – also von jenen, die in der Zeit vom 1. Juli bis 30. September geboren wurden und deren Schulbesuch die Eltern um ein Jahr hinauszögern können. Das Missliche: Sie müssen sich erst bis Mai entscheiden. Dementsprechend steht erst dann endgültig fest, ob im „Kleeblatt“ zwei oder sechs Plätze frei sind, und in Dötlingen die Rechnung entweder genau aufgeht oder sechs Plätze fehlen. Zudem gäbe es in einigen Einzugsbereichen Kinder, die noch nicht in Erscheinung getreten sind – sei es durch die Anmeldung oder den Krippenbesuch. Daneben könnten Zuzüge für einen Mehrbedarf sorgen.

Dann wären die Prognosen, vor allem für die Folgejahre, eh für die Katz, merkte der Bürgermeister an. Spille geht davon aus, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. „In die Glaskugel schauen können wir alle, aber eine klare Antwort erhalten wir so nicht“, meinte er. Für das kommende Kita-Jahr sei die Verwaltung aber bemüht, alle Eltern im ersten Quartal zu benachrichtigen, ob sie einen Platz bekommen. Ob dies in der „Wunscheinrichtung“ sein wird, könne die Kommune allerdings nicht zusichern.

Von Tanja Schneider

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