Serie: „Galerie.4“

Margret und Wolf Ewert zeigen Kunsthandwerk aus Ton

Gemeinschaftswerk: Die Dose hat Margret Ewert hergestellt, die Figur obendrauf stammt von ihrem Mann und Atelierpartner Wolf Ewert.
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Gemeinschaftswerk: Die Dose hat Margret Ewert hergestellt, die Figur obendrauf stammt von ihrem Mann und Atelierpartner Wolf Ewert.

Visbek/Dötlingen – Seit 1998 arbeiten Margret und Wolf Ewert als selbstständige Keramiker. In ihrem „atelier tonwerk“, laut Ewert „ganz malerisch und abgelegen“ auf einem Obsthof in Visbek, leben und arbeiten sie gemeinsam. Aufträge und Märkte sind ihre Haupteinnahmequelle – dass sie nun Teil der Dötlinger Produzentengalerie „Galerie.4“ sind, ist für beide eine ganz neue Erfahrung.

„Meine Frau macht nützliche Sachen, ich nicht so nützliche Sachen“, sagt der 55-Jährige und lacht ein wenig. Denn wer nun an schlichte Keramikschalen oder verzierte Fliesen denkt, liegt falsch. In der Galerie zeigen die beiden ein Repertoire, das von reich verzierten Platten über Vasen in vielerlei Schattierungen und Formen bis hin zu Tier- und Menschenfiguren, die Brotdosen schmücken, reicht. Und dabei fehlen noch die Stücke, für die Wolf Ewert besonders bekannt ist: Figuren, die oft etwa einen halben Meter, manchmal aber auch menschengroß sind.

Eigener Stil ist Ewerts wichtiger als Perfektion

Er und seine Frau Margret lernten sich Anfang der 1990er-Jahre in der Ausbildung zum Keramiker kennen. Die sei klassisch darauf ausgelegt gewesen, an der Töpferscheibe möglichst perfekte Stücke – Schalen, Töpfe und ähnliches – zu produzieren, erzählt der Visbeker. Doch während einer Bulli-Reise durch Frankreich, einer Art selbst organisierter Walz, lernte das Paar noch viele andere Möglichkeiten kennen, sein Handwerk auszuüben. „In Frankreich sind die Töpfer viel freier“, vor allem, was die Gestaltung und die Vorgaben angehe, erzählt Wolf Ewert. „Es geht nicht darum, dass wir Industrieprodukte nachformen können.“ Viel wichtiger sei es, einen eigenen Stil zu entwickeln.

Das ist sowohl ihm als auch seiner Frau gelungen. Die 50-Jährige arbeitet gern mit der Drehscheibe, stellt Platten, Tassen und Gefäße aller Art her, die sich durchaus für den täglichen Gebrauch eignen. Muster entstehen aus den Abdrücken von Knöpfen, durch den Einsatz von Stempeln und anderem. „Unsere Keramik lebt durch ihre Oberflächenstrukturen“, heißt es in einer Broschüre, in der Ewerts sich und ihr Atelier vorstellen.

Raffiniert: Mit Knöpfen und Stempeln erzeugt Margret Ewert komplexe Muster auf ihren Platten.

Arbeiten werden im Holzofen bei bis zu 1 300 Grad Celsius gebrannt

Dabei spielt auch die Glasur, die beim zweiten Brennen eine glänzende Schicht auf den Stücken erzeugt, und die das Paar unter anderem aus der heimischen Apfelbaumasche herstellt, eine Rolle. Farben entstehen durch Tonlösungen – Engoben – sowie durch den Holzofen. Zweimal im Jahr, berichtet der 55-Jährige, werden ihre Arbeiten darin bei bis zu 1 300 Grad Celsius gebrannt. Das Feuer erzeuge besondere Färbungen. „Wenn ich Figuren im Holzofen mache, ist das einem großen Zufall unterworfen“, erklärt er.

In der Form jedoch hat er genaue Vorstellungen davon, was er produzieren will. Die Arbeiten des Visbekers zeigen häufig Menschen, vom Sportler bis zum Liebespaar. Auch mit Tierfiguren arbeitet er gern. Immer gebe es eine Geschichte dahinter. Manche haben sogar karikaturhafte Züge. Und alle weisen eine große Detailfülle und einen starken Ausdruck auf. In der Dötlinger Galerie sind derzeit nur kleine Figuren von ihm zu sehen. Viele davon schmücken Dosen oder andere Stücke, die seine Frau hergestellt hat. Das liege daran, dass er aufgrund der Coronakrise mit seinen Aufträgen kaum hinterherkomme, erklärt Wolf Ewert. Denn für die großen Arbeiten brauche er manchmal mehrere Wochen – das sei neben dem Homeschooling jedoch derzeit kaum zu schaffen.

Serie „Galerie.4“
Zehn Kunstschaffende haben sich zusammengetan, um die „Galerie.4“ im Dötlinger Heuerhaus zu betreiben. Sie wollen dort ihre Arbeiten ausstellen und verkaufen. Alle acht Wochen soll es einen Wechsel der gezeigten Werke geben. In einer Serie stellt die Wildeshauser Zeitung die beteiligten Künstler vor.

Teil 1: Niederländisches Künstlerpaar macht bei Dötlinger Galerie mit

Teil 2: Ebke Bühring präsentiert Schmuck zwischen Kunst und Handwerk

Teil 3: Gertje und Arno Kollmann präsentieren Fotografien

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