Kein Vandalismus, mehr Vegetarier

Betreiber des Bremer Schullandheims mit Gästezahlen zufrieden

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Schon seit 1994 betreiben Henry und Angela Brüggemann das Landschulheim in Dötlingen.

Dötlingen - Von Phillip Petzold. Wände streichen, Betten reparieren, Verschleißspuren ausbessern – die Belegung des Bremer Schullandheims in Dötlingen ist in den Wintermonaten zwar eher dünn, für die Leiter des Hauses gibt es dennoch viel zu tun.

„Am schlimmsten sind die Fußabdrücke“, sagt Henry Brüggemann, der das Landheim mit seiner Frau Angela betreibt, und deutet auf dunkle Schatten an der Wand neben dem Bett. Jedes Jahr verbringen Hunderte Kinder ihre Klassenfahrt am Rittrumer Kirchweg 3 – und hinterlassen ihre Spuren. Daher nutzt Brüggemann die ruhigeren Monate und schwingt Pinsel und Farbrolle: Jedes Jahr werden alle 17 Zimmer des Hauses gestrichen.

„Vandalismus ist bei uns kein Thema – vorsätzlich wird hier fast nichts zerstört“, erzählt Brüggemann. Einmal wurden im Waschraum die Kleiderhaken abgerissen, das sei der einzige Vorfall mutwilliger Zerstörung, an den er sich erinnern kann. Geht mal ein Stuhl oder ein Tisch zu Bruch, sei das bei dem betagten Mobiliar nicht verwunderlich. „Die Kinder sagen trotzdem immer: ,Das war schon so‘.“

Zu tun haben die Betreiber des Schullandheimes das ganze Jahr. Die etwas ruhigeren Wintermonate nutzen sie für Renovierungen.

Das Ehepaar betreibt das Schullandheim seit 24 Jahren und erledigt alles selbst. Nur montags und freitags, den An- und Abreisetagen, bekommen sie Unterstützung. Der Großteil der Gäste sind Grundschüler auf Klassenfahrt. Die Kinder hätten sich in den Jahren wenig verändert. „Die sind vielleicht etwas anspruchsvoller geworden.“ 

So habe es früher genügt, ihnen eine Bastelschere in die Hand zu drücken und sie waren den Nachmittag beschäftigt. Heute würden sie mehr Action verlangen, die vor allem junge Lehrer auch bieten würden. „Manchmal kommen externe Betreuer und machen Programm, wie Steinzeitbildung mit Flitzebogen basteln und Feuer machen“, erzählt Brüggemann.

Klassen auch ohne Handys zufrieden

Ohne Internet könnten die Grundschüler auch noch sehr gut leben. Smartphones werden nur mal hervorgeholt, um die Eltern anzurufen. Manche Klassen würden sogar komplett ohne Handy anreisen. Für die Kids ist der Verzicht auf elektronische Medien offenbar kein Problem: „Auch unser alter Röhrenfernseher wird kaum genutzt.“ Bei älteren Gruppen, wie Konfirmandenfreizeiten, sei das anders: „Die rufen sich sogar auf der Toilette an“, so Brüggemann.

Verändert hätten sich jedoch die Essgewohnheiten der kleinen Ausflügler. Brüggemann steht selbst am Herd und bereitet das Mittagessen für 40 bis 70 hungrige Mäuler zu. „Wir müssen natürlich mehr Rücksicht auf bestimmte Gruppen nehmen, die zum Beispiel kein Schweinefleisch essen“, berichtet der gelernte Koch. Außerdem gäbe es auch immer mehr Vegetarier unter den Schülern. Hinzu kämen noch vermehrt auftretende Allergien. „Sieben von zehn Kindern haben mittlerweile eine Gluten-, Laktose- oder Fructoseallergie.“ Auf einen Klassiker können sich aber fast alle einigen: „Spaghetti Bolognese geht immer.“

Immer auf Abruf

Grundsätzlich seien die Grundschüler von heute nicht anders als vor 20 Jahren. „Die lassen sich noch begeistern, ich weiß nicht, ob das mit älteren Schülern so viel Spaß machen würde“, erzählt Brüggemann.

Ohne Spaß an der Arbeit wäre das Ehepaar wohl kaum seit fast einem Vierteljahrhundert dabei. „Wir sind immer auf Arbeit“, berichtet Brüggemann. „Wenn ich hier um 20 Uhr rauskomme, klingelt es oft kurz darauf, weil eine Sicherung rausgeflogen oder ein Bett zusammengebrochen ist.“ Die Eheleute seien immer auf Abruf. „Krank werden darf man nicht. Wir haben auch noch keine Belegung wegen Krankheit ausfallen lassen.“ 

Ärgerlich sei es, wenn Buchungen abgesagt werden. Kurzfristig ließe sich kaum Ersatz finden. Im vergangenen Jahr sei das Haus gut belegt gewesen. „Es hätte aber mehr sein können“, so Brüggemann. Tendenziell würden Fahrten in Schullandheime abnehmen. 

Heutzutage würden oft ganze Jahrgänge auf einmal Ausflüge machen und dafür ist das Dötlinger Heim mit 71 Betten zu klein. Gebaut wurde das Haus im Jahr 1900, seit 1934 dient es als Schullandheim. „Ich wünsche mir, dass es auch weiterhin für Kinder erhalten bleibt“, so Brüggemann. Eine Klassenfahrt ins Schullandheim sei gut, damit sich Kinder in der Gemeinschaft kennenlernen. Viele der Kinder kämen immer wieder – nach ein paar Jahren auf Konfirmandenfahrt oder später sogar als Lehrer mit ihrer eigenen Klasse.

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