„Kein modisches Chichi“

Wohnbebauung auf dem Kläner-Hof Thema im Bauausschuss

Ein beliebtes Ausflugsziel: der Kläner-Hof am Rittrumer Kirchweg in der Gemeinde Dötlingen.
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Ein beliebtes Ausflugsziel: der Kläner-Hof am Rittrumer Kirchweg in der Gemeinde Dötlingen.

Dötlingen – Könnten statt Café, Hofladen und Galerien in Zukunft Ein- und Mehrfamilienhäuser auf dem Kläner-Hof am Rittrumer Kirchweg stehen? Wie berichtet, beabsichtigen Arnd Kläner und seine Frau Sonja Scheele, diese Tätigkeiten komplett einzustellen und die bestehenden Altgebäude abzureißen, um auf der Fläche sieben Gebäude „im ortstypischen Stil“ errichten zu lassen. Um dieses Thema ging es am Dienstagabend während der Sitzung des Bau-, Straßen- und Verkehrsausschusses im Rathaus.

Wegen eines schweren Bandscheibenvorfalls vor 2,5 Jahren möchte Arnd Kläner kürzertreten. „Sie haben sich entschlossen, den ohnehin in fünf Jahren geplanten Verkauf des Hofes vorzuziehen“, erklärte Ausschussvorsitzender Gernot Kuhlmann (CDU) den Hintergrund. Durch die Schließung verliere Dötlingen aus seiner Sicht ein bekanntes Ziel, das auch Menschen von außerhalb anlockte. Er könne die Entscheidung aber verstehen.

„Der Familie ist es wichtig, dass dort etwas entsteht, was sich dem typischen Ortsbild Dötlingens einprägt“, schilderte Kuhlmann. Da der Eigentümer konkrete Vorstellungen bezüglich der Nutzung und Gestaltung der Fläche hat, wurde die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes gewählt. Die Umsetzung des Vorhabens und die erforderliche Erschließung wollen Kläner und Scheele einem Investor überlassen.

Baumbestand soll erhalten bleiben

Einen ersten Planentwurf für den Bebauungsplan Nr. 88 „Rittrumer Kirchweg“ hat das Büro „pk plankontor“ aus Oldenburg erarbeitet. Franziska Lüders vom Planungsbüro stellte diesen vor. Für das etwa 10 000 Quadratmeter große Areal ist unter anderem eine neue Zufahrt geplant. Dabei solle es sich um einen privaten Weg handeln, der dann entsprechend ausgeschildert werden soll. Auf einer Skizze ist zu erkennen, dass sich die Gebäude um diese U-förmige Zuwegung gruppieren sollen. Drei Grünflächen und ein etwa 400 Quadratmeter großer Hofgarten in der Mitte ergänzen das Ensemble. Wichtig sei die Abgrenzung zum Landschaftsschutzgebiet. „Das haben wir in der Planung genau zu berücksichtigen“, erklärte Lüders. Es blieben – bis auf zwei – alle Bäume auf der Hofstelle erhalten. Neupflanzungen sollen laut Vorlage dafür sorgen, dass das ganze Areal noch grüner wird als bisher.

Der Dötlinger Architekt Tammo Reelfs stellte die bauliche Umsetzung vor und sagte zum Thema Bäume: „Bevor wir uns überhaupt mit Architektur befasst haben, haben wir den Baumbestand vermessen lassen“, so Reelfs. „Die Neubauten fügen sich in den alten Baumbestand ein, sodass das gesamte Naturell erhalten bleibt. Wir tauschen nur die Gebäude aus.“

Generationsübergreifendes Wohnen soll ermöglicht werden

Und wie sollen die Häuser aussehen? „Wichtig ist, dass es zeitlos ist und man kein modisches Chichi anbietet. Das hat im Kernbereich Dötlingens nichts verloren“, findet er. Die Gebäude sollten optisch zueinander gehören. Geplant seien unter anderem Sprossenfenster und Satteldächer. „Alle Häuser sind barrierefrei. Wir haben die Möglichkeit, da mit dem Investor zu sprechen, um auch die Dachgeschosswohnungen barrierefrei gestalten zu können.“

Laut Sitzungsvorlage ist es das Ziel, generationsübergreifendes Wohnen zu ermöglichen. Hierfür sind unter anderem kleinere Wohneinheiten geplant. Zu den Einzelheiten konnte Immobilienmakler und Planungsentwickler Thomas Janzing einiges sagen. Vor mehr als einem Jahr seien Kläner und Scheele an ihn herangetreten, um sich mit ihm über ihre Pläne auszutauschen.

„Ich finde es toll, dass sie auch wissen wollen, was da passiert. Sie wohnen ja auch direkt daneben“, so Janzing. In den sieben Gebäuden könnten maximal 25 Wohneinheiten entstehen. Insbesondere für die Menschen, die aktuell in einem großen Haus in der Kommune leben und umziehen wollen, könnte eine 90 Quadratmeter große Wohnung attraktiv sein.

„Eine Institution, die uns in Dötlingen fehlen wird“

Helge Vosteen (FDP) wollte im Anschluss wissen, wie schnell das Ganze bebaut werden müsste. Janzing nannte einen Zeitraum von maximal fünf Jahren. Dirk Orth (Bündnis 90/Die Grünen) sagte: „Es ist eine Institution, die uns in Dötlingen fehlen wird. Der Besuch des Huntepadds war oft auch mit einem Besuch des Kläner-Hofs verbunden. Das wird eine deutliche Veränderung sowohl für die Familie Kläner als für das Dorf, aber wir kennen die Beweggründe und können es komplett nachvollziehen.“ Er bedauert es, dass eine alte Hofstelle verschwindet, „aber der vorliegende Plan zeigt, dass sich eine Veränderung durchaus in das Ortsbild einfügen kann“.

Die Ausschuss-Mitglieder waren sich darüber einig, dass sie noch einmal mit ihren Fraktionen Rücksprache halten wollen. Rudolf Zingler (SPD) beantragte aus diesem Grund, die Beschlussvorlage für vier Wochen zurückzustellen. Das fand Zuspruch: Einstimmig sprachen sie sich dafür aus, das Thema in die nächste Bauausschusssitzung zu nehmen.

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