Jobhopper Lachner veröffentlicht Buchund schreibt über Praktikum in Dötlingen

In Land Nummer 27 kam das Grübeln übers Altwerden

In der 27. Woche jobbte Jan Lachner in Dötlingen. Über die dortigen Erlebnisse schreibt er in seinem Buch unter der Überschrift „Nachdenken übers Altwerden“. Archivfoto: ts
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In der 27. Woche jobbte Jan Lachner in Dötlingen. Über die dortigen Erlebnisse schreibt er in seinem Buch unter der Überschrift „Nachdenken übers Altwerden“. Archivfoto: ts

Dötlingen - Von Tanja Schneider. „Deutschland – Nachdenken übers Altwerden“ heißt das Kapitel 27 in dem Buch „33 Länder, 33 Wochen, 33 Jobs – Als Jobhopper unterwegs von Aalborg bis Zagreb“, das Jan Lachner im Dezember veröffentlicht hat. Auf sechs Seiten schreibt er darin über seinen Aufenthalt in der Gemeinde Dötlingen, wo er im Rahmen seines Work-Travel-Projektes im September 2012 eine Woche lang im Haus Wilhelmina in die Aufgaben eines Altenpflegers hineingeschnuppert hat (wir berichteten).

Weil er einfach mal etwas anderes sehen, fremde Kulturen, Menschen und andere Berufe kennenlernen wollte, hatte der mittlerweile 27-jährige Deutsch-Franzose im November 2011 seine ungewöhnliche Reise begonnen. Sie führte ihn nach Malta, wo er als Fischer arbeitete, zu einem Alphornbauer in die Schweiz und in den Norden Finnlands, wo er sich als Förster versuchte. 33 europäische Länder steuerte der in Paris geborene Lachner, der zwölf Jahre lang in Frankfurt lebte, ehe er in die französische Hauptstadt zurückkehrte, innerhalb von 33 Wochen an. Überall schlüpfte der Diplom-Ingenieur der Luft- und Raumfahrttechnik als Praktikant in einen für ihn neuen Beruf hinein – fast immer waren es landestypische Jobs wie der Flamenco-Lehrer im spanischen Sevilla oder der Archäologe im griechischen Nafplio.

Dass er in Deutschland ausgerechnet im Haus Wilhelmina in Dötlingen landete, war allerdings Zufall. Da Lachner für seine Arbeit oft kein oder nur wenig Geld erhielt, reiste er preiswert und suchte über ein Couchsurfing-Portal Unterkünfte. So landete er auf dem Sofa des Brettorfers Michael Jaskulewicz vom ambulanten Pflegedienst „Landdienste“, der ihm vorschlug, eine Woche in der Senioren-Wohngemeinschaft in Dötlingen zu verbringen. Dies passte durchaus ins Konzept des gebürtigen Parisers, der stets nach landestypischen Jobs suchte. Und da Deutschland das einzige Land in der EU sei – wie Jaskulewicz damals erläuterte –, in dem es eine spezifische Berufsausbildung zum Altenpfleger gibt – in anderen Ländern ist sie in die Krankenpflege integriert – willigte Lachner ein.

Wie er nun in seinem Buch schreibt, hatte er anfangs allerdings etwas Bauchschmerzen bei dem Gedanken daran, Senioren zu betreuen. „Ich fragte mich, ob ich wirklich die Lust und auch den Mut habe, gewisse Aufgaben zu übernehmen“, berichtet er. „Am ersten Tag fand ich mich auch nur schwer zurecht. Eigentlich scheue ich mich nicht davor, Hand anzulegen. Jedoch ist man weitaus vorsichtiger, wenn man etwas kaputt zu machen droht, insbesondere wenn es kostbar und zerbrechlich ist.“

Anfangs habe er Angst gehabt, bei den pflegebedürftigen, oft demenzkranken Bewohnern ins Fettnäpfchen zu treten, jemanden zu brüskieren oder unpassend zu behandeln. „Ich habe es jedoch schnell geschafft, mich anzupassen.“ Bis auf einen Mann wohnten damals nur Frauen im Heim – und die seien äußerst rührend gewesen. „Selbst wenn sich die Gespräche im Kreis drehten, die gleichen Kindheitserinnerungen immer und immer wieder hochsprudelten und sie 20 Minuten nach einem halbstündigen Gespräch vergessen hatten, wer ich bin“, erinnert sich Lachner, den es besonders beeindruckt hat, dass die Bewohner nach ihren eigenen WG-Regeln leben. „Die Pfleger, auch wenn sie rund um die Uhr da sind, sind im Endeffekt nur Gäste“, meint er. Um den „anstrengenden, aber zutiefst berührenden“ Beruf auszuüben, sei allerdings eine große Portion Idealismus notwendig.

Aus jedem Land hat Lachner eine gewisse Erkenntnis mitgenommen – aus Liechtenstein beispielsweise, dass er sich nicht vorstellen kann, als Bäcker jeden Tag aufs Neue 500 Croissants zu machen. Nach seinem Besuch in Dötlingen weiß er Folgendes: „Wenn es so weit ist, dass ich nicht mehr allein zu Hause leben kann, würde ich mir wünschen, in einer ähnlichen Einrichtung unterzukommen. Ich plädiere für die funky Senioren-WG!“

Weitere Einblicke gewährt das im Riva-Verlag erschienene Buch, das für 16,99 Euro erhältlich ist. Infos gibt es auch im Netz.

www.eurojobsproject.com

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