Mehr als 70 Menschen in Hockensberg

Info-Aktion zur Buchenallee weckt Interesse

Diese Bäume sollen bleiben, finden der Nabu Dötlingen-Wildeshausen, der Heimatverein Hockensberg sowie zahlreiche Anwohner und Interessierte.
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Diese Bäume sollen bleiben, finden der Nabu Dötlingen-Wildeshausen, der Heimatverein Hockensberg sowie zahlreiche Anwohner und Interessierte.

Hockensberg – Reges Treiben herrschte am Samstagnachmittag an der Kreuzung Rahmanns Weg/Iserloyer Straße in Hockensberg. Ein Fahrrad nach dem anderen erreichte den Hof Holtmann. Viele kamen auch zu Fuß. An den Stallungen rund um den Vorplatz hingen reihenweise Ausführungspläne zum „Interkommunalen Gewerbegebiet Hockensberg“.

Speziell ein Aushang zeigte exemplarisch die Achterbahnfahrt, die Anwohner, Heimatverein und Nabu seit 1997 erleben. Es ist ein Zeitstrahl, angefertigt vom Vorsitzenden des Heimatvereins Hockensberg, Marcus Martens. Er beginnt mit einer Schlagzeile vom 1. August 1997: „Gericht erklärt Bebauungsplan für nichtig“ und endet vorerst mit der Nachricht vom 15. September 2020: „Baumfällung von Buchen droht“. Damit wollen und können sich die Gegner des Gewerbegebietes nicht abfinden. Und so hatten der Heimatverein Hockensberg und der Naturschutzbund Dötlingen-Wildeshausen (Nabu) zu einem Aktionsnachmittag eingeladen.

Mehr als 70 Interessierte folgten dem Aufruf und informierten sich über den Stand der Planungen. Eine ältere Dame kam sogar mit ihren beiden Enkeln zum Treffpunkt. „Die Kinder betrifft es. Die Bäume und die Natur sind deren Zukunft“, sagte sie. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, ob und in welcher Form die Buchenallee an der der Kreisstraße 237 (Iserloyer Straße) gerettet werden kann.

Aktive werden „Alleepaten“

Der „Heimatbund Niedersachsen“ hatte die etwa 80 Jahre alte mächtige Baumreihe zur „Allee des Monats Mai 2020“ gekürt. Marianne Bernhard-Beeskow, Bernd Voss und Stefan Martens sollten nun vom Niedersächsischen Heimatbund (NHB) zu „Alleepaten“ ernannt werden. „Der NHB, in Kooperation mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), betreibt seit 2015 eine Datenbank, also eine Art Kataster für alle Alleen in Niedersachsen. Derzeit sind über 2 000 erfasst, davon werden etwa 1 000 als besonders wertvoll eingestuft. So wie unsere, die im Mai 2020 ,Allee des Monats‘ wurde.“ Rotbuchenreihen seien eher selten und daher besonders schützenswert, berichtete Voss, Anwohner des Rahmanns Wegs. Schirmherr der Aktion „Alleepatenschaften“ ist Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann, der für Samstag allerdings abgesagt hatte.

Dafür war das Interesse des NDR-Fernsehmagazins „Hallo Niedersachsen“ geweckt worden. „Das ist ein Protest gegen das Gefühl, dass hier Fakten geschaffen werden sollen“, erklärte Bernhard-Beeskow, Sprecherin der Nabu-Gruppe, vor der Kamera. Damit meinte sie den Erschließungsbeginn des Gewerbegebietes. Am 1. Oktober sollen laut Martens die ersten Buchen fallen – und das trotz einer laufenden Klage vor dem Verwaltungsgericht Oldenburg.

„Wir fühlen uns hintergangen durch die nachträglich ,plötzlich‘ aufgetauchte Notwendigkeit, für ein Sichtdreieck weitere Alleebäume zu fällen“, zeigte sich Voss vom Vorgehen der Planer und der Gemeinde verärgert. Durch einen Planungsfehler müssten zusätzliche Rotbuchen gefällt werden. Dabei habe der Nabu gemeinsam mit dem Heimatverein alternative Vorschläge vorgelegt.

Initiative kritisiert Kompromissvorschläge

„Anstatt nun den Planungsfehler beispielsweise durch eine leichte Verschiebung der Trasse nach Süden zu korrigieren, wird derzeit mit der Straßenverkehrsbehörde um Kompromisse am vorgeschriebenen Sichtdreieck verhandelt. Statt drei sollen nun ,nur‘ zwei oder vielleicht auch nur eine Buche fallen. Dies wird als ,Kampf um jeden Baum‘ dargestellt, rettet aber nur den Planungsfehler und nicht die Bäume“, kritisierte Voss.

Damit werde zudem ein Beschluss des Kreistages konterkariert, der einen Erhalt der Allee vorsah. Die Planer stützen sich auf einen Zusatz, der laut Martens von Landrat Carsten Harings an die Beschlussvorlage angefügt wurde. Demnach dürften Bäume gefällt werden, wenn es die Verkehrssicherheit erforderlich mache. Das sei aber nicht notwendig, wie die Alternativpläne der Initiative aufzeigten, so Martens.

Voss sieht eine weitere Gefahr für die Baumreihe: Wenn zu dicht an die Rotbuchen gebaut werde, könnten sie Schaden nehmen. Der Ball liege nun wieder bei der Verwaltung. „Planungsfehler kann man beheben. Gefällte Bäume kann man nicht ohne weiteres ersetzen“, mahnte Voss die Verwaltung, keine unumkehrbaren Fakten zu schaffen.

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