Im Schneckentempo über die Alpen

Leonie und Marco Brandt aus Dötlingen sind verrückt nach Fiat

Leonie und Marco Brand Brandt mit ihrem Alpenbezwinger. Seit 27 Jahren befindet sich der Fiat in Familienbesitz.
+
Leonie und Marco Brandt mit ihrem Alpenbezwinger. Seit 27 Jahren befindet sich der Fiat in Familienbesitz.

Ihr Haus ist ein Fiat-Museum. Und schon zweimal überquerten die Brandts mit ihrem Fiat 500 die Alpen. Die beiden Dötlinger sind im positiven Sinne des Wortes verrückt nach Fiat.

Dötlingen – Im ersten Gang kämpfen sich Leonie und Marco Brandt aus Dötlingen mit ihrem Fiat 500 den Splügenpass in der Schweiz hinauf. Gerade einmal 25 Stundenkilometer schafft die Knutschkugel in den steilsten Passagen. Tapfer schieben die 23 PS im Heck das  kleine Auto, seine beiden Passagiere und das Urlaubsgepäck bis auf die Passhöhe, 2114 Meter über dem Meeresspiegel.

3215 Kilometer, zwei Alpenpässe und fünf Länder in acht Tagen

Der höchste Punkt der Reise ist erreicht, das Ziel liegt aber noch fast 400 Kilometer entfernt in der italienischen Gemeinde Garlenda. Dort lädt der „Fiat 500 Club Italia“ jährlich zu seinem Treffen ein. Zum 60. Geburtstag des kultigen Kleinwagens waren die Brandts mit ihrem eigenen 500er dort. „3215 Kilometer, zwei Alpenpässe und fünf Länder in acht Tagen haben wir geschafft“, blickt Leonie zufrieden auf das Abenteuer vor gut vier Jahren zurück. „Einen kleinen Defekt haben wir mit einer Kabelschelle repariert. Danach lief der Kleine problemlos“, ergänzt ihr Mann stolz. Zehn Jahre zuvor – zum 50. Geburtstag – absolvierte das Trio die Tortur schon einmal ohne Zwischenfälle.

Begeisterung für die italienische Automarke

Die beiden Dötlinger sind im positivsten Sinne des Wortes Fiat-verrückt. Insbesondere der von 1957 bis 75 gebaute 500er hat es ihnen angetan. Den Schuppen hinter dem Haus hat das Ehepaar zu einem Museum umgestaltet. Und im Eigenheim erinnern unzählige Details an die Begeisterung für die italienische Automarke. Neuester Plan: Aus der Front eines Modells soll ein Waschbecken für das Badezimmer werden.

Auf dem Rückweg aus Italien überquerten sie den San Bernadino-Pass.

Neben einem Fiat 600 mit Selbstmördertüren und den unterschiedlichsten Modellen steht im Museumsschuppen der Brandts der Alpenbezwinger mit etwas einzigartigem. Die Dötlinger, beide sind gelernte Kraftfahrzeugmechaniker, haben nämlich einen 500er in der Mitte durchtrennt und das Heck zu einem Anhänger umgebaut. Zu Fiat- und Oldtimer-Treffen in der Umgebung sind sie regelmäßig mit dem außergewöhnlichen Gespann unterwegs. „Wenn wir bei Treffen im Anhänger sitzen, werden wir von fast jedem Besucher angesprochen“, erzählt Leonie.

Mit 19 kaufte sich Leonie Brandt ihren Fiat 500 - ein Stück Schrott für 600 Mark

Die Wurzel der Fiat-Leidenschaft reichen in die Kindheit der Dötlingerin zurück. Im Alter von neun Jahren hat sie ihrem Vater Richard bei der Restaurierung eines Fiat 500 geholfen. „Als er fertig war, mussten wir ihn verkaufen. Damals stand für mich fest: Wenn ich groß bin, möchte ich solch ein Auto haben“, erzählt die 46-Jährige. Mit 19 erfüllte sie sich diesen Wunsch. „Für 600 Mark habe ich einen 500er gekauft. Ein Stück Schrott, das Marco und ich dann in eineinhalb Jahren restauriert haben.“ Seitdem begleitet der rote Fiat das Ehepaar. Die Idee, ihm einen Anhänger zu gönnen, entstand schon während der Restaurierungsarbeiten. „Die Kontrollleuchte für die Kupplung hat Marco damals schon eingebaut“, berichtet Leonie. Über die Jahre überarbeitete das Dötlinger Paar sein kleines Auto. Der Fiat bekam den „großen“ Motor seines Nachfolgers. Der hat statt 18 nun satte 23 PS. Auch die alten Rohrsitze mussten bequemeren Modellen weichen und das Originallenkrad einem Ledervolant. „Jetzt fährt er sich richtig sportlich“, schmunzelt Marco.

Es blieb aber nicht bei einem Fiat im Haus der Brandts. Ein 600er, der ebenfalls einen Eigenbauanhänger bekam, folgte etwas später. „Der hat die seltenen, nach vorne öffnenden Selbstmördertüren und das bis über die Heckscheibe zu öffnende Verdeck“, erklärt Marco den Erwerb dieses Modells. Eigentlich sollte er weichen, sobald beide einen 500er der ersten Baujahre mit diesen Türen gefunden hätten. Dieser Plan ist inzwischen verworfen. „Die sind kaum noch zu bekommen und sehr teuer“, begründet der Dötlinger die Entscheidung. Später folgten noch zwei Fiat Panda, ein Uno und ein Barchetta.

Ein Zufallsfund im Wald

Mit einem der beiden Pandas verbindet Leonie eine ganz besondere Erinnerung. Ihr Vater, der damals bei einem Fiat-Händler tätig war, verkaufte genau dieses Exemplar als Neuwagen. „Das von ihm ausgefüllte Garantieheft liegt noch in dem Auto“, erzählt Leonie. Zufällig stießen die Brandts vor ein paar Jahren auf den Panda.

Einen 500er mit Selbstmördertüren fanden sie später tatsächlich doch noch – zufällig im Wald. Bei einem Spaziergang entdeckte Marco eine Bremstrommel im Erdreich. Er buddelte ein wenig und stellte fest, dass an der Bremse noch eine Achse war. Also holten beide Schaufeln und gruben weiter. Ausgerechnet die Fiat-Verrückten legten einen 500er mit den seltenen, hinten angeschlagenen Türen frei. Das wohl vor langer Zeit in einem ehemaligen Zuckerrübenloch vergrabene Exemplar war allerdings so marode, dass es direkt in einem Schrottcontainer landete.

„Alte Liebe“ gesucht

Wer im Landkreis Oldenburg lebt und seine „Alte Liebe“ in unserer Zeitung vorstellen lassen möchte, kann sich per Telefon (04431/9891153) oder per E-Mail (redaktion.wildeshausen@kreiszeitung.de) an die Redaktion wenden.

Das Ehepaar in dem einzigartigen Anhänger.
Auf dem Rückweg aus Italien überquerten sie den San Bernadino-Pass.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Tischlerei-Komplex brennt lichterloh

Tischlerei-Komplex brennt lichterloh

Tischlerei-Komplex brennt lichterloh
Corona-Inzidenz steigt in Wildeshausen über 1.000

Corona-Inzidenz steigt in Wildeshausen über 1.000

Corona-Inzidenz steigt in Wildeshausen über 1.000
Mit dem Siegel der Exklusivität

Mit dem Siegel der Exklusivität

Mit dem Siegel der Exklusivität
Einmalig: Suppe in Talerform aus Wildeshausen

Einmalig: Suppe in Talerform aus Wildeshausen

Einmalig: Suppe in Talerform aus Wildeshausen

Kommentare