Kunst- und Kulturpreis verliehen

„Hut ab!“ für Theater und „Schlüsseldienst“

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Der Kreistagsvorsitzende Hartmut Post (l.) und Landrat Carsten Harings übergaben den Kunst- und Kulturpreis des Landkreises Oldenburg an Hella Einemann-Gräbert sowie an Annika Stolle, Karl Pätau und Jan Kratzmann (v.r.) vom Verein „Neerstedter Bühne“. 

Dötlingen/Wildeshausen - Von Tanja Schneider. „Kennst du viele Sprachen, hast du viele Schlüssel für ein Schloss.“ Mit einem Zitat des französischen Schriftstellers Voltaire begann Stefan Meyer von der Oldenburgischen Landschaft am Montagabend seine Laudatio auf Hella Einemann-Gräbert. Im Rahmen eines Festaktes im Wildeshauser Kreishaus erhielt die Dötlingerin ebenso wie der Verein „Neerstedter Bühne“ den Kunst- und Kulturpreis des Landkreises Oldenburg im Bereich niederdeutsche Sprache.

Zu der Veranstaltung zog es neben den Offiziellen auch viele Wegbegleiter der Preisträger. Und diese erlebten ein stimmungsvolles Programm, das von anerkennenden Worten, gerührten Geehrten, überraschend frischen Auftritten des plattdeutschen Beschwerdechores „De Meckerkring“ und den backofengleichen Temperaturen im Sitzungssaal des Kreishauses geprägt war. „Wenn Sie es nicht mehr aushalten – es sind genügend Pflegekräfte vor Ort, die helfen können“, scherzte Einemann-Gräbert angesichts der Hitze.

Dass so viele Mitarbeitende und Schüler aus dem Pflegebereich anwesend waren, war kein Zufall. Schließlich gilt die 57-jährige Berufsschullehrerin als Vorreiterin beim Thema „Plattdeutsch in der Pflege“. Schon vor Jahren habe sie erkannt, dass die niederdeutsche Sprache besonders bei Demenzkranken als „Türöffner“ fungieren kann, verdeutlichte Laudator Meyer. „Hella Einemann-Gräbert ist so etwas wie der plattdeutsche Schlüsseldienst des Landkreises.“ Dank ihr würden viele Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, wieder „gehört“ werden.

Preisgelder sind schon verplant

Die Dötlingerin hat nicht nur eine kleine Broschüre für den Alltagsgebrauch in der Pflege entwickelt, sondern zudem den Spracherwerb in den Fachunterricht integriert. „Und dies auf kreative Weise“, so Meyer. Ihre Erfahrungen nutzte sie, um eigenständig Schulcurricula für Niederdeutsch im Pflegeunterricht zu erstellen. Diese haben einige Berufsschulen inzwischen übernommen.

Durch das Heft „Platt in de Pleeg“ erkannten zudem auch andere Berufsgruppen das Potenzial von Plattdeutsch. Und so erstellte Einemann-Gräbert im vergangenen Jahr auch Broschüren für die Bereiche Dienstleistung und Landwirtschaft. „Von dem Preisgeld werde ich aber kein Heft für Sanitär und Gas entwickeln“, versprach die Dötlingerin. „Die 1 000 Euro sind für ein neues Projekt bestimmt.“ Die 57-Jährige dankte ihren vielen Wegbegleitern für deren Unterstützung und Geduld.

Dankesworte gab es zudem von den Vertretern der Neerstedter Bühne. Karl Pätau, der Ehrenvorsitzende und Begründer des einzigen Theaters im Landkreis, erinnerte an die Anfänge vor 28 Jahren. Ein großes Dankeschön an die vielen Spielgruppen, die niederdeutsche Stücke auf die Bühne bringen, gab es von der neuen Vereinsvorsitzenden Annika Stolle. „Ich selbst spreche zwar kein Platt, aber man wächst ja mit seinen Aufgaben“, sagte sie. Dass ihr die Neerstedter Bühne am Herzen liegt, war deutlich spürbar. „Ich bin mit dem Theater aufgewachsen. Mein Elternhaus ist drei Häuser weiter“, erzählte sie, und schnell flossen ein paar Tränen. Über die Auszeichnung freuen sich Stolle und ihr Stellvertreter Jan Kratzmann ebenso wie über das Preisgeld in Höhe von 1 500 Euro. Dieses soll zur Umgestaltung des Bühneneinganges genutzt werden. „Die Gruppen können ihre Kulissen dann künftig komfortabler ins Theater bringen“, erläuterte Kratzmann.

Einstimmiges Votum der Jury

Die Laudatio auf die Neerstedter Bühne hatte zuvor Rita Kropp von „De Spieker“, dem Heimatbund für niederdeutsche Kultur Oldenburg, gehalten. Sie verwies auf die Bedeutung der Theatergruppen bei der Förderung der plattdeutschen Sprache. Und für alle Darsteller sei es etwas Besonderes in einem richtigen Theater zu spielen. Die Neerstedter Bühne bestelle somit den Acker für die Speelkoppeln, damit das niederdeutsche Theater „wachsen, blühen und gedeihen kann“, sagte sie. Zudem lobte Kropp das außerordentliche ehrenamtliche Engagement in Neerstedt. „Hut ab, für diesen Verein!“, meinte sie.

Sowohl für die Vertreter der Neerstedter Bühne als auch für Einemann-Gräbert schien der Applaus kaum enden zu wollen, als Landrat Carsten Harings und der Kreistags- sowie Juryvorsitzende Hartmut Post die Preise überreichten. Wie Harings verriet, hatte sich die Jury ihre Entscheidung nicht leicht gemacht. Denn alle Nominierten hätten den Preis verdient gehabt. Das Votum sei aber einstimmig gewesen, berichtete der Landrat.

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