„GartenKultouristen“ nehmen sich Zeit für sinnliche und informative Eindrücke bei wechselhaftem Wetter

Von der Hühner-Heizung zur blauen Stunde

Im „Ruinengarten“ nutzt Sabina Dalg-Vinken die alten Mauern eines verfallenen Schafstalls für eine Sonnenbucht und ein außergewöhnliches Hochbeet. - Foto: Nosthoff

Dötlingen - Von Anja Nosthoff. Wer hätte gedacht, dass Hühner die perfekte Heizung für ein Gewächshaus sind? Das ein Schwimmteich an der richtigen Stelle für das beste Kleinklima sorgen kann, damit die Früchte an den Obstbäumen ganz besonders gut gedeihen? Oder dass durch eine „Sonnenfalle“ in Form einer Bucht aus Bäumen und Sträuchern der schönste Lieblingsplatz für Mensch und Pflanzen entstehen kann, in dem sich sogar Feigen und Wein hierzulande wohlfühlen?

Während der Dötlinger GartenKultour am Wochenende weihte Sabina Dalg-Vinken von der Gartenplanungs-Werkstatt „zeitlos grün“ Interessierte in so manches Geheimnis ihrer Philosophie ein, die sich an die Permakultur-Ziele anlehnt.

In Berlin studierte Dalg-Vinken Architektur. Dort kam sie zum ersten Mal mit der Permakultur in Berührung. Die hat es sich zum Ziel gesetzt, ein sich selbst erhaltendes System zu schaffen, das Synergieeffekte zur Nachhaltigkeit und ständigen Erneuerung nutzt.

Die Wardenburger Bildhauerin Karina Cooper ließ unter neugierigen Blicken aus einem Stück Holz eine verwurzelte „Mensch-Baum-Figur“ wachsen.

„Das bezieht sich eigentlich auf die Landwirtschaft, dem Namen nach auf die ‚permanent agriculture‘, oder auf einen Selbstversorger-Garten“, erklärte Dalg-Vinken. Doch sie dachte die Philosophie weiter und nutzt sie für die Planung der Gärten ihrer Kunden, die meist nicht darauf ausgelegt ist, möglichst viel Ertrag aus dem Gemüsebeet herauszubekommen, sondern darauf, eine vielfältige Wohlfühloase zu erschaffen. So handelt und plant sie nach den Gesichtspunkten Durchlässigkeit, Begrenzung, Kooperation und Konkurrenz, Flexibilität und Vielfalt. Eine Faustformel sei, jede gewünschte Funktion auf mindestens zwei Elemente zu verteilen und ebenso jedes Element mit mindestens zwei verschiedenen Funktionen zu versehen.

„Ziel ist ein System, das mit wenig Energie- und Arbeitsaufwand bestehen bleibt und seinen Nutzen behält“, so Dalg-Vinken. Das sei nach den Gesichtspunkten der Permakultur planbar, jedoch seien auch die intensive Beobachtung des individuellen Systems und das praktische Ausprobieren wichtige Voraussetzungen für die Optimierung. Bei Kuchen, Kräutertee und Bio-Kaffe verfolgten einige Interessierte trotz des Regens am Sonnabendnachmittag mit Spannung den anschaulichen Vortrag im „Glashaus-Klassenzimmer“ in der Kräutergärtnerei „herb’s“ in Nuttel. Im Zuge eines Abstechers führte Dalg-Vinken die Besucher in ihren „Ruinengarten“ im Privatgarten. Dort schuf sie erst jüngst aus den alten Mauern eines verfallenen Schafstalls eine „Sonnenfalle“ und ein Hochbeet aus Steinen und Schutt. Im Anschluss stellte Ulrike Oemisch das Permakultur-Projekt des Schulenberger „Zentrums PrinzHöfte“ vor.

Imker Götz Neuber war ganz in seinem Element. Er informierte Interessierte über Wissenswertes rund um Bienen und Honig. - Fotos: an

Ein Stück näher in Richtung Dötlinger Dorfkern, in Anke Dunker-Burecks „Garten der Sinne“ in Barel, spülte der Regen sporadisch doch immer wieder hart gesottene „GartenKultouristen“ in den facettenreichen Privatgarten, der wirklich von allem etwas – oder sogar noch etwas mehr –zu bieten hat. An vielen lauschigen Plätzchen zwischen Gemüse- und Kräuterbeeten, blühenden Stauden, Waldgarten, einer Obstwiese mit Grasinseln und mehreren kleinen Teichen überraschen außergewöhnliche selbst gebaute Kunstwerke, aber auch literarische Verse oder Zeilen und Erinnerungen an weggezogene oder verstorbene Familienangehörige und Freunde.

Die rund 30 Besucher am Sonnabend störte der Regen wenig – zumal die Gastgeberin für einen Rundgang Schirme bereit hielt und zu einer Saft-Stärkung mit Selbstgemachtem aus eigenem Anbau sowieso unter das Dach ins Trockene einlud. An sonnigen GartenKultour-Tagen tummeln sich im „Garten der Sinne“ sonst zwar oft bis zu 250 Besucher. Dem Genuss der Regengäste taten jedoch weder das Wetter noch der geringe Zulauf am Sonnabend Abbruch. Neben dem Schirm brauchten sie tatsächlich nur eines: Zeit, die unzähligen Eindrücke wirklich mit allen Sinnen erfassen zu können.

Passend zum „Zeit“-Motto der GartenKultour hatte Dunker-Bureck einen Gartentisch mit der „blauen Stunde“ dekoriert. „Nur für kurze Zeit“ war darauf zu lesen.

Mehr zum Thema:

Feuerwehr-Wettkämpfe in Rechtern

Feuerwehr-Wettkämpfe in Rechtern

Gefahrgut-Unfall auf der Autobahn 1

Gefahrgut-Unfall auf der Autobahn 1

Amri-U-Ausschuss soll Fehler aufklären

Amri-U-Ausschuss soll Fehler aufklären

„Angies Ausflug“ auf der Freilichtbühne Holtebüttel

„Angies Ausflug“ auf der Freilichtbühne Holtebüttel

Meistgelesene Artikel

Händler prellt Autokunden: Freiheitsstrafe auf Bewährung

Händler prellt Autokunden: Freiheitsstrafe auf Bewährung

Diebe in der Alexanderkirche

Diebe in der Alexanderkirche

Brand der Bahnhofshalle vor Gericht

Brand der Bahnhofshalle vor Gericht

Im Jahr 1984 schoss der König nicht den Vogel ab

Im Jahr 1984 schoss der König nicht den Vogel ab

Kommentare